Frederik Scholl

Neue Aufgabe für den Mühlensee

Kommern. Mit dem symbolischen Spatenstich am Kommerner Mühlensee ist der Startschuss für den Umbau zum Hochwasserrückhaltebecken gefallen. Rund 83.000 Kubikmeter Wasser sollen dort künftig bei Starkregen und Hochwasser zurückgehalten werden können.

Symbolischer Spatenstich am Mühlensee in Kommern, der zu einem Hochwasserrückhaltebecken umgebaut werden soll. Zum Spaten griffen (v.li.): Achim Blindert (Allgemeiner Vertreter des Landrats), Michael Fingel (Bürgermeister Mechernich), Landrat Markus Ramers, Prof. Heinrich Schäfer (Vorstand des Erftverbands), Mario Dittmann (Stadtwerke Mechernich), Dr. Dietmar Jansen (Betriebsleiter Gewässer beim Erftverband) und Daniel Bittner (Abteilungsleiter Flussgebietsbewirtschaftung beim Erftverband).

Symbolischer Spatenstich am Mühlensee in Kommern, der zu einem Hochwasserrückhaltebecken umgebaut werden soll. Zum Spaten griffen (v.li.): Achim Blindert (Allgemeiner Vertreter des Landrats), Michael Fingel (Bürgermeister Mechernich), Landrat Markus Ramers, Prof. Heinrich Schäfer (Vorstand des Erftverbands), Mario Dittmann (Stadtwerke Mechernich), Dr. Dietmar Jansen (Betriebsleiter Gewässer beim Erftverband) und Daniel Bittner (Abteilungsleiter Flussgebietsbewirtschaftung beim Erftverband).

Bild: Scholl

Herzstück der Anlage wird ein neues Durchlass- und Drosselbauwerk im bestehenden Damm. Es soll bei Hochwasser dafür sorgen, dass nur so viel Wasser in Richtung Kommern weitergeleitet wird, wie dort ohne Schäden abfließen kann. Im ersten Bauabschnitt wird dieses Bauwerk errichtet. Die gesamten Arbeiten sollen voraussichtlich ein Jahr dauern.

»Wir haben hier ein Rückhaltepotenzial, das es galt, bestmöglich auszunutzen«, erklärte Daniel Bittner, Abteilungsleiter Flussgebietsbewirtschaftung beim Erftverband. Der Mühlensee war in den 1980er-Jahren als Sedimentfang ausgebaut worden. Diese Funktion werde heute nicht mehr in gleichem Maße benötigt. Stattdessen soll die vorhandene Fläche nun gezielt für den Hochwasserschutz genutzt werden.

Drosselbauwerk als Herzstück

Bittner bezeichnete das neue Durchlassbauwerk als »zentrales Regelorgan für den Hochwasserschutz«. Das Becken soll bereits bei stärkerem Zufluss beginnen, Wasser zurückzuhalten. Damit soll en zunächst folgen von Starkregen verringert und bei größeren Wassermengen zusätzlich das Hochwasserrisiko reduziert werden.

Die besondere Bedeutung der Maßnahme ergibt sich aus der Lage Kommerns. Dort sind die Möglichkeiten für zusätzliche bauliche Schutzmaßnahmen direkt im Ortskern begrenzt. »Die baulichen Möglichkeiten, die es in Kommern gibt, sind sehr, sehr beschränkt«, sagte Bittner. Das geplante Rückhaltebecken sei deshalb »eine ganz zentrale Maßnahme, um das Hochwasserrisiko in Kommern zu minimieren«.

Künftig wird auf einen Dauerstau im Becken verzichtet. Dadurch soll im Hochwasserfall möglichst viel Rückhaltevolumen zur Verfügung stehen. Wird das Fassungsvermögen überschritten, kann zusätzlich ankommendes Wasser über eine Hochwasserentlastung abgeführt werden. Die dafür vorgesehenen Klappen arbeiten rein mechanisch und benötigen keine Fremdenergie. Damit soll die Sicherheit des Bauwerks auch bei einem Stromausfall gewährleistet bleiben.

Eine weitere Herausforderung sind belastete Ablagerungen im Becken. Rund 7.000 Kubikmeter belastetes Material müssen nach Angaben Bittners deponiert werden. Zusätzlich ist weiterer Aushub notwendig, um das vorgesehene Rückhaltevolumen von 83.000 Kubikmetern zu erreichen.

Prof. Heinrich Schäfer, Vorstand des Erftverbands, ordnete die Maßnahme in die Hochwasserstrategie des Verbands ein. Nach der Flutkatastrophe 2021 seien weitere Standorte und Projekte für den Hochwasserschutz identifiziert worden. Der technische Hochwasserschutz mit Rückhaltebecken sei dabei eine von mehreren Säulen.

Auch Mechernichs Bürgermeister Michael Fingel hob hervor, dass die Umsetzung nun für die Bevölkerung sichtbar werde. Viele Betroffene hätten seit der Flut gefragt, wann konkrete Maßnahmen beginnen. »Jetzt geht es los«, sagte Fingel. Er machte zugleich deutlich, dass ein einzelnes Projekt allein keinen vollständigen Schutz bieten könne. »Eine Maßnahme alleine bringt nicht so viel. Alle Maßnahmen in einer vernünftigen Kombination sind eine Chance, dem entgegenzutreten«, erklärte Fingel. Das neue Hochwasserrückhaltebecken sei deshalb ein wichtiger Baustein innerhalb eines größeren Schutzkonzepts.

Neben dem Hochwasserschutz soll bei der späteren Gestaltung auch die Ökologie berücksichtigt werden. Unter anderem sollen Stillgewässerbereiche erhalten beziehungsweise neu geschaffen werden. Durch das neue Durchlassbauwerk soll zudem die ökologische Durchgängigkeit verbessert werden.

Die Gesamtkosten für den Umbau liegen nach Angaben des Erftverbands bei rund fünf Millionen Euro.