

»Geschrieben habe ich das Buch unter dem Pseudonym ‚Caroline Milliner‘. Caroline war der Name, den mir meine Mutter zuerst geben wollte, sich dann aber für Shirley entschieden hat. Und Milliner ist der Name einer Freundin meiner Mutter, die mich später adoptierte«, verrät Autorin Shirley A. Schneider im Gespräch mit dem Wochenspiegel. Geboren wurde sie 1963 als Shirley Ann Hartmann in einem Ledigenheim am Niederrhein. Die ersten Jahre wuchs sie bei ihrer Tante in Attendorn im Sauerland und später in Frankfurt auf, zur Einschulung zog sie zu ihrer Mutter nach Düsseldorf. Dort lebte sie mehr als 30 Jahre, machte Abitur und schlug später ihren beruflichen Weg ein. Über Erftstadt führte sie ihr Weg schließlich in den Weilerswister Ortsteil Derkum, den sie seit zwölf Jahren ihre Heimat nennt.
Im Zentrum ihres autofiktionalen Romans steht die Suche nach dem leiblichen Vater Max, dessen Nachnamen sie für das Buch veränderte. Er lebte in Australien und war als Regisseur und Filmdirektor eine Person des öffentlichen Lebens. Die Suche spielte sich in den 80er- und 90er-Jahren ab, also in Zeiten ohne Internet, ohne Smartphones und ohne digitale Datenbanken. »Tatsächlich war die Suche geprägt durch eine Verkettung erstaunlicher Zufälle. Daher rührt auch der Titel meines Buches«, berichtet die 62-Jährige. Ein entscheidender Hinweis kam, als eine Freundin den Namen im Abspann der Fernsehserie »Neighbours«, die unter anderem in Australien, England und Deutschland ausgestrahlt wurde, entdeckte. 1994 war ihre lange Suche dann von Erfolg gekrönt, und Schneider lernte ihren Vater schließlich in Australien kennen – kurz bevor er starb. Um die Privatsphäre zu wahren, sind im Buch sein Nachname sowie die Namen anderer lebender Personen geschwärzt oder geändert.
London und Sydney prägen tatsächlich nicht nur die Handlung, sondern schon das Buchcover: Auf dem Umschlag ihres autofiktionalen Romans sind die Skylines beider Städte stilisiert. »Diese Städte stehen einfach für entscheidende Stationen meiner Suche«, erklärt Schneider.
Aus einer reinen Chronik wurde ein Roman
Der Anstoß, aus der Geschichte ein Buch zu machen, kam vor rund anderthalb Jahren. »Aus einer zunächst nüchternen Faktensammlung wurde ein Roman, nachdem mir einige Freunde gesagt hatten, dass darin einiges an erzählerischem Potenzial liege. Unterstützt wurde mein Schreibprozess von der Schreibtrainerin Vera Gercke aus Wesseling, bei der ich einen Kurs im kreativen Schreiben absolviert hatte«, berichtet die Autorin.
Das Buch verbindet erzählte Szenen mit dokumentarischen Belegen: Originalfotos, eingescannte Briefe und Behördenschreiben an ihre Mutter aus den 60er-Jahren sind Teil des Werks. »Rückblenden habe ich kursiv gesetzt, um die Zeitebenen klar zu trennen«, sagt sie. Geplant ist außerdem eine englischsprachige Version des Buches. »Die ist gerade in Arbeit«, verrät die Autorin.
Erschienen ist »Zeiten der Zufälle« über Books on Demand (https://buchshop.bod.de) und ist dort, aber auch bei anderen Buchhändlern erhältlich (ISBN: 9783695729661 / 14,95 Euro).




