Toter Jungwolf in Kapelle gefunden: Rätselhafter Fund sorgt im Hochwald für Unruhe
Am Sonntag, dem 11. Januar 2026, wurde in einer Kapelle im Wald nahe dem Forsthaus Klink ein toter Jungwolf entdeckt. Der Ort des Fundes ist außergewöhnlich und gibt Anlass zu zahlreichen Spekulationen.
Bereits am darauffolgenden Montag bestätigte das Koordinierungszentrum Luchs und Wolf (Kluwo) den Totfund in einer kurzen Pressemitteilung. Es handelt sich damit um den dritten bekannten Fall eines tot aufgefundenen Wolfs im Hochwald innerhalb weniger Monate.
Mehrere Totfunde im Hochwald
Schon Ende Januar 2025 wurde ein weiterer Jungwolf tot aufgefunden. Nach Angaben der Kluwo lag der Fundort im Landkreis Trier-Saarburg. Der Redaktion zufolge wurde das Tier an der Bundesstraße B407 bei Mandern entdeckt.
Anfang August 2025 folgte ein weiterer Totfund, ebenfalls im Landkreis Trier-Saarburg. Nach Recherchen der Redaktion lag dieser Wolf an der Hunsrückhöhenstraße bei Waldweiler. Der nun in der Kapelle entdeckte Jungwolf ist somit der dritte bekannte Totfund in der Region.
Ein der Redaktion vorliegendes Foto zeigt den Wolf im rechten hinteren Bereich der Kapelle, hinter einer kleinen Blumenbank. Im hinteren Teil des Raumes sind zudem Blutspuren zu erkennen.
Zur Todesursache erklärte die Kluwo: „Derzeit ist die Todesursache nicht final geklärt und muss durch eine ausführliche Sektion abgeklärt werden. Aufgrund des austreten Blutes aus dem Tierkörper und der Nähe zur Bundesstraße, bei fehlenden anderen offensichtlichen Verletzungen ist nach derzeitigem Stand ein Verkehrsunfall im Bereich des Wahrscheinlichen, aber nicht definitiv bestätigt.“
Zweifel an der offiziellen Einschätzung
Zwei besorgte Einwohner aus Waldweiler wandten sich an die Redaktion und baten um Anonymität, da das Thema Wolf im Ort stark polarisiere. Eine Anwohnerin berichtete, dass zwei Wanderer aus dem Saarland den Wolf am Sonntag entdeckt und daraufhin die Polizei informiert hätten. Zeitgleich sei die Großkarnivoren-Hotline des Landes Rheinland-Pfalz verständigt worden. In der Folge seien die zuständige ehrenamtliche Wolfsbeauftragte sowie die Polizei zur Fundstelle gekommen.
Die Polizei Hermeskeil teilte auf Nachfrage mit:
„Die Polizei Hermeskeil wurde am Sonntagnachmittag gegen 16:30 Uhr über den Fund des toten Wolfswelpen informiert. Nach Einschätzung aller Beteiligten war das Tier vermutlich in einen Wildunfall verwickelt und erlag seinen Verletzungen. Hinweise auf eine Straftat liegen derzeit nicht vor.“
Die Kapelle liegt rund einen Kilometer oberhalb der Hunsrückhöhenstraße. Am Sonntag waren auch zwei ortsansässige Jäger vor Ort, die in den umliegenden Waldgebieten jagen und dort private Flächen besitzen. Beide äußerten erhebliche Zweifel an der Unfalltheorie.
Zum Zeitpunkt des Fundes habe Schnee gelegen, die Temperaturen seien unter dem Gefrierpunkt gewesen, und es hätten keinerlei Schleif-, Blut- oder Trittsiegel rund um die Kapelle festgestellt werden können. Aus Sicht der Jäger liege daher der Verdacht nahe, dass der Wolf gezielt in der Kapelle abgelegt worden sei.
Einer der Jäger äußerte sich kritisch:
„Zieht sich ein verletzter Wolf ausgerechnet in eine Kapelle zurück, wo es stark nach Menschen riecht und Kerzen brennen?“
Unklare Größe des Hochwaldrudels
Auch die tatsächliche Größe des sogenannten Hochwaldrudels sorgt für Diskussionen. Nach Angaben der Kluwo wurden im Jahr 2025 insgesamt 25 Wildkameranachweise registriert, überwiegend von einzelnen Tieren. Im ersten Quartal 2025 sei einmal eine Gruppe von vier Wölfen dokumentiert worden.
Die Kluwo erklärt dazu: „Das Wolfsrudel Hochwald besteht aus den Elterntieren und den jeweils noch vorhandenen Jungtieren der letzten beiden Würfe. Die genaue Anzahl der Welpen ist nicht bekannt, es waren mindestens 4 Welpen 2024 und mindestens 4 Welpen 2025. Wie viele von diesen Welpen noch lebendig sind und wo sich diese im Einzelfall aufhalten ist nicht bekannt. Wenn sie ein Video mit 5–6 Wölfen gesehen haben liegt das im Bereich des Möglichen, da dies potenziell von der uns bekannten Tieranzahl abgedeckt wird.“
Ein Jäger aus Waldweiler lässt uns zudem Aufnahmen aus einer privaten Wildkamera einsehen. In seinem abgelegenen Waldgebiet sei nahezu täglich ein Wolf zu sehen gewesen, im Herbst 2025 sogar sechs Tiere gleichzeitig.
Wildkameras und neue Spuren im Schnee
Auch der Einsatz von Wildkameras wird zunehmend kritisch gesehen. Während einer rund dreistündigen Begehung des Waldes stellte die Redaktion zahlreiche Kameras fest – teilweise mit, teilweise ohne die gesetzlich vorgeschriebenen Hinweisschilder. Die Kluwo teilte mit, dass dieser Sachverhalt geprüft werde. Darüber hinaus wurden im Schnee rund um den Teufelskopf eindeutige Wolfsspuren entdeckt.
Wachsende Verunsicherung im Ort
Ortsbürgermeister Manfred Rauber zeigte sich angesichts des erneuten Totfundes besorgt:
„Viele Menschen hier halten Pferde, Schafe, Rinder oder Ziegen. Die Verunsicherung im Dorf ist groß. Auch für die Jagd ist die Situation schwierig – es gibt immer weniger Wild, der Bestand nimmt spürbar ab.“
Noch am Montag zeigte ein Jäger der Redaktion ein vollständig gerissenes Reh, das an einem Wirtschaftsweg zwischen Waldweiler und Kell am See gefunden worden war.
Viele offene Fragen
Bei dem Tier handelte es sich um einen Rüden, also ein männliches Tier.
„Es war aller Voraussicht nach ein subadulter (junger, nicht geschlechtsreifer) Wolf.“
Der ungewöhnliche Fundort, die bislang ungeklärte Todesursache und die offenen Fragen rund um das Hochwaldrudel sorgen weiterhin für intensive Diskussionen – und für wachsende Sorgen in der Region.
Text: Florian Blaes

Projekt Kinderwingert Mosel geht 2026 weiter

Hangrutsch bei Herresthal - Straße für Voruntersuchung ab Montag gesperrt

Mehr Kapazität für Schulkinder: Neuer Buswendeplatz am Hosteberg






















Zurück
Nach oben