Mario Zender

Weniger Trauben, aber Spitzenqualität: Moselwinzer freuen sich über außergewöhnlichen Jahrgang

Der Vorstand des Moselwein e.V.  berichtete in Detzem über die Erntebilanz der Moselwinzer.

Der Vorstand des Moselwein e.V. berichtete in Detzem über die Erntebilanz der Moselwinzer.

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Hennig Seibert, Vorsitzender des Moselwein e.V. berichtete in Detzem über die Erntebilanz der Winter an Mosel, Saar und Ruwer.

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Detzem. So früh wie selten zuvor, kaum Regen und jede Menge Sonne: Die Weinlese 2026 an Mosel, Saar und Ruwer verlief unter ungewöhnlichen Bedingungen. Während die Winzer von hervorragenden Weinqualitäten schwärmen, gibt es bei der Erntemenge einen deutlichen Rückgang. Rund 18 Prozent weniger Wein als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre wurden eingefahren.
Es war ein Weinjahr voller Gegensätze: Erst machte die extreme Trockenheit den Winzern an der Mosel schwer zu schaffen, dann sorgte ausgerechnet das heiße und trockene Wetter für eine außergewöhnlich entspannte Weinlese. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Zwar liegen deutlich weniger Trauben in den Kellern als in normalen Jahren, dafür verspricht der Jahrgang 2026 eine hervorragende Qualität.
„Das war die entspannteste Traubenlese, die ich jemals erlebt habe.“ Diesen Satz hörte man im Herbst an Mosel, Saar und Ruwer immer wieder. Beim Herbstpressegespräch des Moselwein e.V. am Samstag im Weingut Alten in Detzem zogen die Vertreter der Weinwirtschaft eine überwiegend positive Bilanz. Zumindest, was die Qualität betrifft.
Denn die Zahlen zeigen auch die Schattenseite des Jahrgangs: Nach ersten Schätzungen wurden im gesamten Anbaugebiet rund 610.000 Hektoliter Wein geerntet. Das sind etwa 90.000 Hektoliter weniger als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Gegenüber dem Vorjahr fällt der Rückgang sogar noch deutlicher aus. 2025 hatten die Winzer rund 743.000 Hektoliter eingefahren.
Damit liegt die Ernte 2026 etwa 18 Prozent unter dem Zehnjahresdurchschnitt und rund 18 Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Allerdings war 2024 mit lediglich 450.000 Hektolitern noch erheblich schlechter ausgefallen.
Der Sommer machte den Reben schwer zu schaffen
Verantwortlich für die geringere Erntemenge war vor allem die außergewöhnliche Trockenheit. Wochenlang fiel kaum Regen, gleichzeitig kletterten die Temperaturen auf bis zu 41 Grad. Besonders junge Rebstöcke litten unter der Hitze. Manche Winzer mussten bereits im August Trauben abschneiden, um ihre Pflanzen vor dem Vertrocknen zu bewahren.
Vor allem neu angelegte Weinberge mussten teilweise bewässert werden. Auf steinigen Böden sowie auf Flächen mit Kies und Sand waren die Einbußen besonders groß. Deutlich besser kamen ältere Rebstöcke mit den extremen Bedingungen zurecht. Ihre tief reichenden Wurzeln ermöglichten es ihnen, auch während der langen Trockenperiode noch Wasser aufzunehmen.
Die Folge: An vielen alten Reben hingen zwar weniger und kleinere Trauben, dafür waren diese besonders aromatisch.
Was zunächst nach einem schwierigen Weinjahr aussah, entwickelte sich schließlich zu einem Jahrgang, der nach Einschätzung des Moselwein e.V. mit hervorragender Qualität in die Geschichte eingehen dürfte.
So früh waren die Winzer selten mit der Ernte fertig
Ungewöhnlich war auch der Zeitpunkt der Weinlese. Schon Ende August wurden die ersten Trauben für Federweißen und die Sektproduktion geerntet. An der Obermosel begann zu diesem Zeitpunkt bereits die Hauptlese der Burgundersorten.
Anfang September starteten viele Betriebe mit der Rieslingernte – so früh wie noch nie. Bereits am 30. September hatten zahlreiche Winzer ihre Ernte abgeschlossen. Anfang Oktober lag der größte Teil der Trauben längst in den Kellern. Lediglich einige Rieslingspezialisten waren in den Steillagen noch bis Mitte Oktober unterwegs.
Ein entscheidender Vorteil: Anders als in vielen anderen Jahren blieb es während der Weinlese trocken. Die Winzer mussten weder gegen Fäulnis noch gegen plötzlich einsetzenden Regen kämpfen. Die Trauben waren überwiegend gesund und konnten ohne aufwendige Sortierarbeiten verarbeitet werden.
Das eröffnete den Betrieben ungewöhnlich viele Möglichkeiten. Vom leichten Kabinettwein über trockene und feinherbe Qualitätsweine bis hin zu hochwertigen Spät- und Auslesen konnte nahezu die gesamte Bandbreite erzeugt werden. Sogar edelsüße Beeren- und Trockenbeerenauslesen waren möglich.
Beim Riesling wurden Mostgewichte von deutlich über 100 Grad Oechsle gemessen. Auch die Burgundersorten profitierten von der intensiven Sonneneinstrahlung und erreichten hohe Reifegrade.
Riesling bleibt die Nummer eins an der Mosel
Mit rund 62 Prozent der Rebfläche ist der Riesling weiterhin die mit Abstand wichtigste Rebsorte im Anbaugebiet. Auf rund 5.064 Hektar wächst die Königin der Weißweine. Für 2026 wird ein durchschnittlicher Ertrag von 75 Hektolitern pro Hektar geschätzt. Insgesamt entspricht das rund 379.000 Hektolitern Rieslingwein.
Beim Müller-Thurgau rechnen die Fachleute mit rund 58.000 Hektolitern, beim Elbling mit knapp 42.000 Hektolitern. Auch die Burgundersorten spielen inzwischen eine wichtige Rolle. Sie machen rund 15 Prozent der gesamten Anbaufläche aus.
Insgesamt umfasst die Ertragsrebfläche an Mosel, Saar und Ruwer rund 8.136 Hektar. Einschließlich der Junganlagen sind es 8.283 Hektar.
Wie viel Wein tatsächlich geerntet wurde, steht allerdings erst im kommenden Frühjahr endgültig fest. Dann liegen die Erntemeldungen sämtlicher Betriebe vor.
Ein Jahrgang, der den Winzern Freude machen dürfte
Für die Weinfreunde sind die Aussichten jedenfalls vielversprechend. Die Kombination aus gesunden Trauben, intensiver Sonneneinstrahlung und hohen Mostgewichten lässt vollmundige, aromatische und harmonische Weine erwarten.
Während die geringere Erntemenge für die Betriebe wirtschaftlich eine Herausforderung darstellt, dürfte der Jahrgang 2026 qualitativ in besonders guter Erinnerung bleiben.