

Ein neues Jahr sei wie ein aufgeschlagenes Buch mit 365 leeren Seiten – mit diesem Bild eröffnete Stadtbürgermeister Christoph König seine Neujahrsrede beim Empfang in Hermeskeil. Doch der Jahresanfang sei auch ein Moment der Ehrlichkeit. „Ein Moment, in dem man nicht nur auf Erfolge schaut, sondern auch auf die Dinge, die uns Sorgen bereiten“, so König vor zahlreichen Gästen.
Der Stadtbürgermeister sparte die aktuellen Herausforderungen nicht aus. Gesellschaftlich werde der Ton rauer, das „Wir-Gefühl“ gehe verloren – und das sei auch in Hermeskeil spürbar. Besonders die Entwicklung der Innenstadt treibe ihn um. Zunehmende Leerstände und dunkle Schaufenster schwächten das Herz der Stadt. „Eine lebendige Innenstadt ist kein Luxus – sie ist Lebensqualität, Treffpunkt und Identität“, betonte König.
Mit Blick auf den früheren REWE-Standort machte er deutlich, dass weiterhin intensiv nach einer Lösung gesucht werde. „Glauben Sie mir, hier bin ich am Ball“, sagte er. Ziel bleibe ein Vollversorger in der Innenstadt, auch wenn hohe Mietpreise potenzielle Nachfolger bislang abschreckten.
Ein weiteres Thema waren die angespannten kommunalen Haushalte. Wachsende Aufgaben bei knapper werdenden Mitteln seien kein spezielles Hermeskeiler Problem, müssten aber vor Ort gelöst werden. Das werde nicht ohne „Vernunft, Mut und manchmal auch unbequeme Entscheidungen“ gehen.
Ungewöhnlich emotional wurde König beim Thema Vandalismus. Zerstörte Bänke, beschmierte Wände, illegal entsorgter Müll und beschädigte Spielplätze machten ihn „wirklich wütend“. Das seien keine Kavaliersdelikte, sondern respektloses Verhalten gegenüber der Stadt und ihren Bürgerinnen und Bürgern. Hermeskeil sei „kein Müllplatz und kein rechtsfreier Raum“, stellte er klar. Eine rechtliche Prüfung zur Kameraüberwachung an ausgewählten öffentlichen Plätzen kündigte er erneut an.
Nach dem kritischen Teil schlug der Stadtbürgermeister bewusst einen anderen Ton an. „Hermeskeil ist eine tolle Stadt – und das meine ich aus tiefster Überzeugung“, sagte König. Er verwies auf die gute Infrastruktur, die verkehrsgünstige Lage, die medizinische Versorgung inklusive Regio-Klinik sowie die vielfältige Schullandschaft.
Auch kulturell und touristisch habe Hermeskeil viel zu bieten: Museen mit tausenden Besuchern jährlich, eine attraktive Naturlandschaft am Rand des Nationalparks und ein reges Vereinsleben. Beispielhaft nannte König das Feuerwehrmuseum mit fast 15.000 Besuchern im Jahr 2025.
Ein zentrales Zukunftsprojekt ist für König der neu gestaltete Donatusplatz. Dieser sei eine „gewaltige Aufwertung“ und ein Ort der Begegnung. Dass bereits kurz nach der Eröffnung Anfragen nach Geschäfts- und Gastronomieflächen eingingen, wertete er als klares Signal. „Das bestärkt uns doch in unserer Absicht, die Neugestaltung der Fußgängerzone weiter voranzutreiben – und zwar zügig“, so der Stadtbürgermeister.
Die Planungen seien konkret: Nach einem Ideenwettbewerb und der Auswahl eines Planungsbüros sollen bereits 2026 Fördergespräche und Beschlüsse folgen. Ziel sei ein Maßnahmenbeginn im Jahr 2027, begleitet von Informationsveranstaltungen für Anlieger.
Unter seinem bekannten Motto „Wir müssen gemeinsam anpacken“ rief König dazu auf, Verantwortung nicht nur von Politik und Verwaltung zu erwarten. Eine saubere und lebenswerte Stadt entstehe durch Haltung und Engagement. Er warb für eine Wiederbelebung des Hochwald-Gewerbeverbandes und brachte die Idee eines Stadtverschönerungsvereins ins Spiel. „Manchmal fängt Engagement ganz klein an“, sagte er – etwa mit Patenschaften für Grünflächen oder dem bewussten Umgang mit Müll.
Zum Abschluss dankte König den Vereinen, Ehrenamtlichen, städtischen Gremien und Mitarbeitenden – besonders dem Bauhof und der Bücherei, die 2025 erneut Rekordzahlen verzeichnete. Den KiTa-Neubau ließ er bewusst außen vor, kündigte aber eine sorgfältige und verantwortungsvolle Entscheidung an.
Seine Schlussbotschaft war eine Einladung zum gemeinsamen Handeln: „Hermeskeil ist nicht perfekt. Aber es ist unsere Stadt.“ Wer weniger schimpfe, Probleme klar benenne und Verantwortung übernehme, könne 2026 zu einem guten Jahr machen. Oder, wie König augenzwinkernd formulierte: „Dauermeckern ist keine Reparaturanleitung.“




