Claudia Neumann

Erste Klasse legt Examen ab: Triers MTR-Schule startet durch

Trier. Nach drei Jahren Ausbildung haben die ersten Medizinischen Technologinnen und Technologen für Radiologie ihren Abschluss in der Tasche.

Nach dem Examen hoch hinaus: Auf der Hubschrauberplattform postierten sich die Absolventinnen und Absolventen mit dem Lehrerteam der MTR-Schule.

Nach dem Examen hoch hinaus: Auf der Hubschrauberplattform postierten sich die Absolventinnen und Absolventen mit dem Lehrerteam der MTR-Schule.

Bild: Brüderkrankenhaus Trier

Im Oktober 2023 startete Triers neue MTR-Schule ihren Lehrbetrieb, nun ist der erste Ausbildungskurs am Ziel und hat sein Examen abgelegt. Künftig kommen die neuen Medizinischen Technologinnen und Technologen für Radiologie in Praxen und Kliniken zum Einsatz. Im Bildungsinstitut der Barmherzigen Brüder Trier zieht man eine positive Bilanz der vergangenen drei Jahre. Schulleitung, Absolventen und Direktorium des Brüderkrankenhauses sind sich einig: Es war eine außergewöhnliche Teamleistung, die in der Region bislang einzige Schule dieser Art erfolgreich zu etablieren.

Dass Ute Blatt einmal in der Strahlentherapie arbeiten könnte, wäre ihr vor ihrer Ausbildung an der MTR-Schule nicht eingefallen. „Ich habe mich damals um den Ausbildungsplatz beworben, weil ich als gelernte Medizinische Fachangestellte mit Strahlenschutzkenntnissen nicht alle Geräte in der radiologischen Abteilung meines damaligen Arbeitgebers bedienen durfte und auch nicht konnte“, erzählt sie. Nun wird die Triererin schon bald in Wittlich arbeiten – in der Strahlentherapie und damit in jenem Bereich, den sie vor drei Jahren gar nicht auf dem Schirm hatte.

105 praktische Prüfungen an zwölf Orten

Hinter Ute Blatt und den weiteren Absolventinnen und Absolventen des ersten Kurses der noch jungen Trierer MTR-Schule liegt ein wahrer Examensmarathon. Der verlangte auch den Lehrkräften einiges ab. „Wir haben während drei Wochen an zwölf Orten insgesamt 105 praktische Prüfungen abgenommen“, berichtet Schulleiterin Christina Wysocki-Bäumer. Der Grund: Die Auszubildenden hatten neben den beiden schriftlichen und zwei mündlichen Prüfungen auch jeweils fünf praktische Aufgaben zu bestehen – unter anderem an Großgeräten wie CT oder MRT oder beim Planen und Durchführen einer Bestrahlung. Die praktischen Prüfungen wurden in den Praxen und Kliniken durchgeführt, in denen die Azubis auch ihre praktische Ausbildung absolvierten. Und weil diese Partner der praktischen Ausbildung von Saarbrücken bis Wittlich verteilt sind, waren Christina Wysocki-Bäumer und ihr Team viel auf Achse.

Ausbildung in Trier seit 2023

Im Herbst 2023 nahm die Schule ihren Betrieb auf, seither wird der Ausbildungsgang auch in Trier angeboten. Zuvor musste nach Homburg oder an den Rhein pendeln, wer sich zur oder zum MTR ausbilden lassen wollte. Da der Bedarf an Fachkräften für bildgebende Verfahren immens war und ist, entschieden Bildungsinstitut und Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier, die MTR-Ausbildung fortan in Eigenregie anzubieten. Möglich wurde dies auch dank der engen Kooperation mit festen Partnern wie dem Klinikum Saarbrücken auf dem Winterberg, dem Caritas-Klinikum in der saarländischen Landeshauptstadt und dem Marienhaus-Klinikum am Standort Bitburg. Das Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen Trier stellt sogar eigene Dozentinnen und Dozenten und ein Viertel aller Azubis, und nimmt damit eine besonders bedeutsame Rolle im Kooperationsverbund ein.

Auch Nina-Marie Kersch war bei der Premiere mit dabei. Sie wählte die Ausbildung, „da ich schon immer wusste, dass ich einen Beruf im sozialen Bereich ausüben möchte und bei diesem Beruf Medizin, Soziales und Technisches aufeinandertreffen, was mir sehr zugesagt hat“, berichtet die 23-Jährige. An der Schule habe sie viele Freundschaften schließen können und sich persönlich sehr weiterentwickelt, zieht die junge MTR eine Bilanz ihrer Ausbildung. An der MTR-Schule werde „viel Wissen vermittelt, sowohl praktisch als auch theoretisch, und die Einsatzmöglichkeiten danach seien zahlreich. „Ich bereue meine Entscheidung für diese Ausbildung keine Sekunde und würde mich heute wieder für sie entscheiden“, schwärmt Nina-Marie Kersch, die künftig wie ihre ehemalige Mitschülerin Ute Blatt in der Strahlentherapie arbeiten wird.

Drei Jahre voller Erfahrungen

Blickt Christina Wysocki-Bäumer auf die vergangenen drei Jahre zurück, fallen ihr neben den Herausforderungen auch zahlreiche Highlights ein. So besuchte der Kurs gleich zweimal den Deutschen Röntgenkongress, sowohl in Wiesbaden als auch in Leipzig hielten Auszubildende ihrer Schule Vorträge. Unvergessen auch die Klassenfahrt nach Lissabon.

Ein gutes Stück Arbeit sei der Aufbau der Schule gewesen, räumt deren Leiterin ein; aber es habe auch großen Spaß gemacht, mit dieser ersten Klasse zusammenzuarbeiten. Was Christina Wysocki-Bäumer besonders freut: Allein sieben erfolgreiche Absolventinnen und Absolventen werden vom Brüderkrankenhaus übernommen und arbeiten künftig in unterschiedlichen Bereichen wie Röntgen, CT, MRT oder Angiografie des Zentrums für Radiologie, Neuroradiologie, Sonographie und Nuklearmedizin.

„Es war vor drei Jahren eine gut überlegte und auch mutige Entscheidung, die Schule ins Leben zu rufen. Eine Entscheidung, die viel an Engagement und Einsatz verlangte, um die Schule auch seitens des Landes genehmigt zu bekommen“, erklärt Markus Leineweber, Direktor Unternehmenskultur des Brüderkrankenhauses. „Wir haben damit auch Verantwortung für die Gesundheitsversorgung nicht nur in unserem Hause, sondern in der gesamten Region übernommen. Der Fachkräftemangel im Bereich MTR ist besonders groß, und der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften wird nicht weniger. Auch wenn einiges in der medizinischen Diagnostik zukünftig KI-gestützt sein wird – die Schnittstelle zwischen Technik und Patientinnen sowie Patienten wird auch weiterhin durch fachlich und menschlich kompetente Menschen zu gestalten sein.“ Im Rahmen der Examensfeier dankte Leineweber allen, die am Aufbau der Schule mitgewirkt haben und weiter mitwirken.