

Wer aktuell am Zurlaubener Ufer spazieren geht, kann sie weder überhören noch übersehen: Große Gruppen Nilgänse mit Nachwuchs bevölkern Ufer und Stege und verteidigen mit heiseren Rufen lautstark ihr Revier. »Aufpassen, wo Sie hintreten«, rät ein Spaziergänger mit Blick auf die zahlreichen Hinterlassenschaften der Tiere.
Mit ihrem braunen Gefieder, den charakteristischen Flecken um die Augen und den rosafarbenen Beinen sind Nilgänse nicht nur hübsch, sondern auch auf den ersten Blick von heimischen Graugänsen zu unterscheiden. Etwa so groß wie eine Hausgans, verteidigen sie ihr Revier und ihren Nachwuchs mit auffälliger Vehemenz und tragen ihren Charakter deutlich zur Schau.
Erobert haben die Tiere längst nicht mehr nur das Moselufer: Auch das Wasserbecken auf dem Petrisberg, kleine Wasserflächen im Stadtgebiet und selbst Schornsteine auf Hausdächern zählen mittlerweile zu ihren Revieren.
Entsetzen nach Armbrust-Attacken
Für Entsetzen sorgte in den vergangenen Monaten eine Serie von Armbrust-Attacken auf Nilgänse zwischen Trier und Konz. Seit November gingen bei der Polizei zahlreiche Meldungen verletzter Tiere ein, sie geht mittlerweile von mindestens 15 Taten aus. Anfang Juni durchsuchte die Kripo die Wohnung eines Mannes aus Konz, dem unter anderem Jagdwilderei vorgeworfen wird. Ob er sich gezielt an den Nilgänsen störte, ist unklar, die Ermittlungen zum Motiv dauern an. »Der Vorfall ist für mich erschreckend«, sagt Corinna Albert von der Nabu-Regionalstelle Rheinland-Pfalz-West.
Auch mit Blick auf den wachsenden Bestand rät der Naturschutzbund Region Trier zur Zurückhaltung: Eine Verdrängung heimischer Arten wie Stockente oder Graugans lasse sich nicht belegen. »Subjektive Eindrücke reichen uns nicht«, so Albert. Auch dass die Nilgans ökologische Schäden verursache, sei wissenschaftlich nicht erwiesen, der Verband plädiert stattdessen für weitere Untersuchungen und eine naturnahe Gestaltung der Uferbereiche. Reguläre Jagd zur gezielten Bestandsreduzierung lehnt der Nabu ab.
Wachsender Bestand
Dabei wächst der Nilgänsebestand in der Region, wie die Untere Jagdbehörde des Landkreises Trier-Saarburg bestätigt – das führe vor allem an Liegewiesen zu Konflikten durch Verkotung. Die Stadt Trier sieht dagegen keinen akuten Handlungsbedarf: Statistiken zu Vorkommen und Auswirkungen der Nilgans lägen nicht vor, über Verschmutzungen hinausgehende Schäden seien bislang nicht feststellbar. Eine Bejagung sei im Stadtgebiet als befriedetem Bezirk zudem nicht ohne Weiteres möglich, eine Vergrämung, etwa durch optische oder akustische Signale, wegen der Intelligenz der Tiere nicht zielführend.
Grundsätzlich könnten Nilgänse laut Landkreis auf bejagbaren Flächen innerhalb der Jagdzeit geschossen werden, in befriedeten Bezirken komme je nach Lage eine Ausnahmegenehmigung infrage. Zum 1. April tritt zudem das neue Landesjagdgesetz Rheinland-Pfalz in Kraft: Die Nilgans bleibt darin dem Jagdrecht unterstellt, wird künftig aber als ökosystemfremde, also invasive Wildart eingestuft. Die Hegepflicht – also die gesetzliche Verpflichtung, Wildbestände zu erhalten, zu pflegen und ihre Lebensräume zu schützen – entfällt.Stattdessen sollen Managementmaßnahmen nach dem Bundesnaturschutzgesetz greifen. um die Zahl der Nilgänse zu kontrollieren und ihre weitere Ausbreitung zu begrenzen. Dazu kann zum Beispeil gehören, Gelege zu entfernen oder die Tiere zu bejagen.
Anderes Thema drängt mehr
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Kreisgruppe Trier-Saarburg, rät ebenfalls von übereiltem Handeln ab: »Tiere, die sich eingelebt haben, soll man hier leben lassen«, sagt Vorstandsmitglied Frank Huckert. Handlungsbedarf bestehe nur bei tatsächlichen Problemen oder Massenvorkommen.
Aus Sicht des Verbands gibt es derzeit ein drängenderes Thema als die Nilgans: die niedrigen Wasserstände und hohen Temperaturen der Mosel in diesem Sommer. Der sinkende Sauerstoffgehalt bringe bereits den Fischbestand in Bedrängnis.
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