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Hochwasser in der Region: "Einsatzkräfte sind am Limit"
Zum ersten Mal wurde am Mittwoch im Landkreis Trier-Saarburg die höchste Alarmstufe 5 ausgerufen, rund 1.200 Einsatzkräfte versuchten zu retten, was ging. Neben der Trinkwasserversorgung war in einzelnen Gemeinden zeitweise der Strom ausgefallen, Häuser überflutet und Straßen unterspült. Landrat Günther Schartz gab am Donnerstagabend zusammen mit Michael Holstein, Joachim Weber (Bürgermeister der Stadt und VG Konz) und Kreisfeuerwehrinspektor Christoph Winckler im Lagezentrum des Kreises in Konz einen Überblick über die Ereignisse der vergangen 24 Stunden sowie über die aktuelle Situation.
Kordel zeitweise abgeschnitten
Winckler, seit 2015 im Amt, berichtet von dramatischen Szenen - vor allem aus dem an der Kyll gelegenen Kordel, in dem rund 600 Bürger von den Auswirkungen des Hochwassers betroffen waren. Circa 100 Menschen mussten evakuiert werden, darunter die Bewohner eines Seniorenheims, was erst mit Hilfe der aus Koblenz und Rennerod herangezogenen Bundeswehr möglich war. Trotz guter Vorbereitung wurden zuvor die Einsatzkräfte der Feuerwehr und des THW von der Schnelligkeit der Ereignisse überrascht. Zwar habe ausreichend Personal zur Verfügung gestanden, jedoch sei es aufgrund von überschwemmten Straßen nicht möglich gewesen, diese in den Ort zu bringen, berichtet Winckler. Bei Rettung und Evakuierung mussten die Einsatzkräfte mitunter rabiat vorgehen. „Wir haben ganz viel Schaden in Privathaushalten anrichten müssen“, sagt Winckler. Doch nicht nur dort haben sich Verluste eingestellt. Auch die Feuerwehr musste mehrere Fahrzeuge den Fluten überlassen.„Die Menschen an Sauer und Kyll sind Hochwasser eigentlich gewöhnt“, sagt VG-Chef Holstein. „Doch sowas haben wir hier noch nicht erlebt.“ Die Dorfzugänge seien „total verschüttet“ gewesen, die Straßen überflutet. Immerhin: Schwerverletzte oder gar Tote habe es nicht gegeben; auch ein Gerücht, nachdem drei Personen als vermisst gelten, hat sich bisher nicht bestätigt. Als schwerwiegend stellte sich indes der Stromausfall heraus, da hierdurch wegen des Pumpenausfalls auch die Trinkwasserversorgung gefährdet war. Unter großen Anstrengungen haben Einsatzkräfte hier Schlimmeres verhindert, indem sie über Waldwege ein Notstromaggregat zur Pumpstation Ramstein schafften und damit die Versorgung sicherten. Kordel sei laut Holstein prinzipiell für den Hochwasserfall gut aufgestellt gewesen. „Der normalerweise ausreichende Hochwasserschutz wurde bei einem Pegelstand von über sieben Metern (1995: 4,82m) deutlich überspült. Ab einem gewissen Punkt lässt es sich technisch nicht mehr lösen. Die Einsatzkräfte sind am Limit.“
"Zuschüsse reichen nicht aus"
Nicht gerettet werden konnte die am Kordeler Ortsausgang gelegene Kläranlage, die ob der einströmenden Wassermassen aufgegeben werden musste. „Wir rechnen hier mit Schäden in Millionenhöhe“, sagt Holstein. Gleiches erwarte er auch für die ebenfalls überfluteten Kläranlagen an der Sauer. Deutliche Worte fand er hinsichtlich der technischen Ausstattung der Rettungskräfte. „Der Zivilschutz wurde in den letzten Jahrzehnten massiv kaputtgespart.“ Zwar wurde seit den Jahrhunderthochwassern 1993 und 1995 kontinuierlich in den Hochwasserschutz investiert. Doch sei es nicht ausreichend, Zuschüsse für lediglich einzelne Fahrzeuge zu gewähren, deren Bewilligungsprozess langwierig ist. Laut Holstein stehen hier sowohl Land als auch Bund in der Verpflichtung, den Katastrophenschutz zu stärken. Landrat Schartz erinnerte an ein in Entwicklung befindliches Logistikkonzept. Dies sieht vor, in Föhren, Hermeskeil, Konz und Newel Stützpunkte einzurichten, in denen Fahrzeuge und Material für den Katastrophenfall vorgehalten werden. Darüber hinaus befinde sich ein so genanntes „Führungs-Lagezentrum“ in der Planung. Wann die evakuierten Kordeler alle wieder in ihre Häuser zurückkehren können, ist noch nicht vollständig geklärt. Zunächst müssten sinkende Pegelstände abgewartet werden. „Viele Probleme werden erst mit dem Aufräumen auf uns zukommen“, sagt Christoph Winckler. Vielen Menschen müsse der Verlust ihres Hab und Gutes erst noch beigebracht werden. „Wir müssen uns der Situation stellen“, unterstreicht VG-Chef Holstein. Ein erster Schritt ist schon getan. Die VG stellt berufstätigen Betroffenen kostenlos Plätze im Co-Working Space in Wasserbilligerbrück zur Verfügung (ehemals Tourist-Info). Außerdem hat der Landkreis ein Spendenkonto eingerichtet. Kontoinhaber: Verbandsgemeinde Trier-Land IBAN: DE13 5855 0130 0001 127380 (jk)Stadt Trier
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