Nico Lautwein

Premiere in Trier: „Der Prozess von Schamgorod“ bringt Elie Wiesels Schauspiel auf die Bühne

Trier. Am 16. Oktober feiert „Der Prozess von Schamgorod“ nach Elie Wiesel Premiere. Bis November folgen weitere Aufführungen und eine Podiumsdiskussion über Gott, Leid und Verantwortung.

Ein Pogrom, zerstörte Leben und eine Frage, die sich nicht zum Schweigen bringen lässt: Wenn es Gott gibt und er allmächtig ist, wie kann er dann solches Leid geschehen lassen? Mit Elie Wiesels Schauspiel „Der Prozess von Schamgorod“ bringt der Frosch Kultur e. V. ein Werk auf die Trierer Bühne, das sich mit Schuld, Gerechtigkeit, Glauben und menschlicher Verantwortung auseinandersetzt. Die Premiere findet am Freitag, 16. Oktober, statt.

Gott wird der Prozess gemacht

In dem Schauspiel machen Überlebende eines Pogroms Gott den Prozess. Sie klagen ihn an, weil er das unermessliche Leid zugelassen hat, das über sie und ihre Angehörigen hereingebrochen ist. Doch wer soll über Gott richten? Und wer ist bereit, ihn zu verteidigen?

Eine der prägenden Figuren ist Berisch. Sie hat Unvorstellbares erlebt, weigert sich jedoch, sich auf ihre Rolle als Opfer reduzieren zu lassen. Ihr Satz „Ich bin ein Mensch, verdammt nochmal!“ wird dabei zum leidenschaftlichen Anspruch auf Würde und Selbstbestimmung.

Auch weitere Frauenfiguren stehen im Mittelpunkt des Stücks. Berischs Tochter Hannah ist nach den Gewalterfahrungen kaum noch in der Lage, am Leben teilzunehmen. Maria, eine Christin, hat das Geschehen als Zeugin erlebt und selbst großes Leid erfahren. Die Figuren machen deutlich, wie Gewalt Leben zerstören und die Grenzen zwischen Erinnerung, Gegenwart und Menschsein verwischen kann.

Zwischen Anklage, Musik und Theater

Eine besondere Rolle übernehmen die Purim-Spieler Mendel, Avremel und Yankel. Sie verkörpern die Richter und schaffen mit Gesang und Tanz eine zusätzliche theatralische Ebene. Die Musik von Katharina Nilles begleitet das Geschehen und setzt Kontraste zur düsteren Handlung.

Elie Wiesel, selbst Überlebender von Auschwitz, verbindet in seinem Stück die Frage nach Gott angesichts des Leidens mit der Frage nach menschlicher Verantwortung. Wie kann man angesichts von Grausamkeit und Unrecht weiter an Gerechtigkeit glauben? Und wie bewahrt man sich die eigene Menschlichkeit, wenn sie einem abgesprochen wird?

Premiere am 16. Oktober

Die Inszenierung von Viola Klawe ist erstmals am Freitag, 16. Oktober, um 19.30 Uhr auf der Bühne von „Alles Kultur – die kleine Bühne am Pferdemarkt“ in Trier zu sehen. Weitere Vorstellungen folgen am 21., 28. und 30. Oktober sowie am 6. und 9. November, jeweils um 19.30 Uhr.

Gerade die Aufführung am 9. November erhält dabei eine besondere Bedeutung. Der Termin fällt mit dem Jahrestag der Novemberpogrome von 1938 zusammen und verleiht der Auseinandersetzung mit Ausgrenzung, Hass und Gewalt eine zusätzliche historische Dimension.

Podiumsgespräch über Gott und Verantwortung

Begleitet wird die Inszenierung von einer Podiumsdiskussion am Montag, 19. Oktober. Unter dem Titel „Gott den Prozess machen“ diskutieren der Antwerpener Rabbiner Reuven Konnik und der frühere EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider ab 19 Uhr in der Volkshochschule Trier über die Fragen, die das Schauspiel aufwirft.

Tickets für die Aufführungen sind über Ticket Regional erhältlich. Die Inszenierung wird von der Kulturstiftung Sparkasse Trier, der Stadt Trier und dem Kultursommer Rheinland-Pfalz unterstützt.