Claudia Neumann

Schwarzbuch: Zwei Trierer Fälle im neuen Bericht

Trier. Bund der Steuerzahler führt den abtransportierten Rotlicht-Container als Erfolg auf – Kritik gibt es an den Kosten für die ehemalige Eberhardschule

Das neue Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler ist erschienen. In der 54. Ausgabe führt der Verband 100 exemplarische Fälle öffentlicher Verschwendung auf. Darunter sind auch zwei Trierer Beispiele – allerdings mit unterschiedlicher Bewertung: Der 2025 abtransportierte „Rotlicht-Container“ wird unter der Rubrik „Erfolge“ genannt. Kritik übt der Verband dagegen an den Kosten für die ehemalige Eberhardschule.

Rotlicht-Container wieder abgebaut

Der Container in der Gottbillstraße war im April 2023 aufgestellt worden. Er sollte Prostituierten, die ihre Arbeit nach einer Sperrgebietsverordnung in einem Gewerbegebiet ausübten, einen Aufenthaltsraum und eine Toilette sowie Schutz vor Regen und Kälte bieten.

Der Container war allerdings abgeschlossen. Wer ihn nutzen wollte, musste sich zunächst einen Schlüssel im Rathaus, Ordnungsamt oder Gesundheitsamt holen. Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler nutzte keine einzige Sexarbeiterin das Angebot.

Der Verband hatte das Projekt bereits im Schwarzbuch 2025/26 kritisiert und die Stadt aufgefordert, es zu beenden. Im November 2025 wurde der Container abtransportiert und der Mietvertrag gekündigt. Insgesamt kostete die Aktion laut Schwarzbuch fast 15.000 Euro.

Der Bund der Steuerzahler wertet den Abbau nun als Erfolg seiner Kritik.

Ehemalige Eberhardschule kostet weiter Geld

Als aktuellen Fall führt das Schwarzbuch die ehemalige private Eberhardschule auf. Die Stadt hatte das Gebäude 2023 als Ausweichquartier für Schüler aus überfüllten Gymnasien angemietet. Der Mietvertrag begann am 1. Dezember 2023 und läuft über fünf Jahre. Die Nettomiete beträgt 9.250 Euro monatlich, hinzu kommen 1.000 Euro Nebenkostenvorauszahlung.

Im Sommer 2024 wurde in einer Toilette im Schulkeller eine etwa 50 mal 50 Zentimeter große Schimmelfläche entdeckt. Das Gesundheitsamt sperrte das Gebäude daraufhin für den Schulbetrieb. Eine Fachfirma schätzte die Kosten für Beseitigung und Sanierung auf rund 60.000 Euro.

Die schulische Nutzung wurde anschließend nicht weiterverfolgt. Eine vorzeitige Kündigung des Mietvertrags sei laut Stadt nicht möglich. Gekündigt wurde deshalb zum Ende der Festlaufzeit am 30. November 2028.

Bis zu 790.000 Euro für ungenutztes Gebäude

Nach Berechnung des Bundes der Steuerzahler könnten bis zum Ende der Vertragslaufzeit rund 600.000 Euro für Miete und Nebenkosten anfallen. Hinzu kommen rund 190.000 Euro, die die Stadt bereits für Umbauten, Einbauten, Renovierungen und Bewirtschaftung ausgegeben hat.

Für die ursprünglich vorgesehenen Schüler wurden unterdessen auf dem Klosterhof des Auguste-Viktoria-Gymnasiums Raummodule für rund 1,5 Millionen Euro errichtet. Sie umfassen vier ausgestattete Klassenräume, Flure und ein Sanitärmodul. Nach Angaben des Schwarzbuchs soll die Stadt dafür 60 Prozent der förderfähigen Kosten aus dem Schulbauförderprogramm des Landes Rheinland-Pfalz erhalten.

Der Bund der Steuerzahler kritisiert, dass ein Gebäude trotz der bereits getätigten Investitionen bislang ungenutzt ist und gleichzeitig eine neue, deutlich teurere Lösung für die Unterbringung der Schüler geschaffen wurde.