

Wie können Klinikseelsorgende Menschen begleiten, die einen Sterbewunsch äußern oder über einen assistierten Suizid nachdenken? Mit dieser sensiblen und aktuellen Frage beschäftigte sich die Jahrestagung der Klinikseelsorge am 30. September im Tagungshaus des Brüderkrankenhauses Trier. Rund 40 Teilnehmer kamen zu fachlichen Impulsen, Diskussionen und kollegialem Austausch zusammen.
Im Mittelpunkt stand ein Vortrag der Theologin und Medizinethikerin Dr. Gwendolin Wanderer. In ihrem Beitrag „Assistierter Suizid – Berufsethos von Klinikseelsorgenden im Umfeld von Sterbewunsch und suizidalem Handeln“ beleuchtete sie die ethischen, theologischen und seelsorglichen Fragen, die sich in solchen Grenzsituationen stellen.
Dabei ging es unter anderem darum, wie Alternativen wie eine gute palliative Versorgung und Schmerztherapie weiter gestärkt werden können. Diskutiert wurde auch, unter welchen Voraussetzungen eine Entscheidung für einen assistierten Suizid tatsächlich als frei verantwortlich gelten kann und wie verhindert werden kann, dass sich ein solcher Schritt zunehmend als Normalität etabliert.
Eine weitere Frage betraf katholische Einrichtungen und ihre Rolle als möglicher Schutzraum. Dabei wurde erörtert, inwieweit solche Einrichtungen den assistierten Suizid in ihren Räumen ausschließen können, um Menschen am Lebensende vor einem möglicherweise entstehenden Entscheidungsdruck zu schützen.
Für Klinikseelsorgende ergeben sich daraus besondere Herausforderungen. Sie begleiten nicht nur die betroffenen Menschen, sondern gegebenenfalls auch deren Angehörige und Mitarbeitende der Einrichtungen, die von einer solchen Entscheidung ebenfalls betroffen sein können.
Dr. Wanderer stellte unterschiedliche Perspektiven vor und regte dazu an, die Rolle der Klinikseelsorge in diesen sensiblen Situationen differenziert zu betrachten. Dabei wurde deutlich, dass konkrete Entscheidungen für einen assistierten Suizid im Alltag der Seelsorge bislang selten vorkommen. Sterbewünsche würden in seelsorglichen Gesprächen hingegen häufig geäußert.
Einigkeit bestand insbesondere in dem Anliegen, Menschen, die über einen assistierten Suizid nachdenken, in ihrer schwierigen Situation seelsorglich zu begleiten und sie nicht allein zu lassen.
Neben den fachlichen Impulsen bot die Jahrestagung Raum für Gespräche und kollegiale Beratung. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer brachten eigene Erfahrungen ein, diskutierten Fragen aus ihrer praktischen Arbeit und tauschten sich über unterschiedliche Perspektiven aus.
Durch die Beteiligung von Seelsorgenden verschiedener Träger und Konfessionen entstand ein vielfältiger Dialog. Die Organisatoren werteten den offenen Austausch als wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Klinikseelsorge.
Zum Abschluss der Jahrestagung wurde zudem Steffen Stutz als Referent für Klinikseelsorge im Bistum Trier verabschiedet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer würdigten sein engagiertes Wirken und blickten mit Dank auf die gemeinsame Zeit zurück.
Dem Arbeitsfeld bleibt Stutz weiterhin verbunden. Als Krankenhausseelsorger am Marienhaus Klinikum Eifel in Bitburg wird er auch künftig seine Erfahrungen in die Klinikseelsorge einbringen.
Die Jahrestagung der Klinikseelsorge im Bistum Trier findet einmal jährlich statt. Sie dient der fachlichen Weiterbildung, dem kollegialen Austausch und der gemeinsamen Reflexion aktueller Herausforderungen. Organisiert wurde die diesjährige Veranstaltung von der Abteilung Seelsorge und Lebenswelten (Team Diakonische Seelsorge) im Bischöflichen Generalvikariat Trier.




