Claudia Neumann

Von der Buschmann-Mauer in die Bitburger Straße: „Echte Trierer“ im neuen Echsen-Domizil

Trier. An der alten Mauer am ehemaligen Buschmann-Gelände lebten bisher geschützte Mauereidechsen. Weil die Mauer dem neuen Radweg weichen muss, werden die Tiere derzeit umgesiedelt. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist dafür ein neues Habitat entstanden.

Vier Mauereidechsen sitzen in einem grünen Eimer. Umweltbiowissenschaftler Corrado Modica vom Trierer Artenschutzbüro Faunico zeigt die Tiere, die er gerade von der alten Mauer am ehemaligen Buschmann-Gelände zur Bitburger Straße gebracht hat.

„Hier haben wir drei männliche und ein weibliches Exemplar“, erklärt Modica. Das Geschlecht erkennt man an der Musterung. Behutsam setzt er die Tiere anschließend auf den Gabionen in ihren neuen Lebensraum.

Die alte Mauer der "echten Trierer" muss weichen

Die Umsiedlung ist notwendig, weil die alte Mauer am ehemaligen Buschmann-Gelände weichen muss. Im Zuge der Umfeldgestaltung des neuen Bahnhaltepunktes Pallien entsteht hier entlang der Bitburger Straße ein neuer Radweg bis zur Kaiser-Wilhelm-Brücke.

Ab Freitag, 2. Oktober, wird die Bonner Straße für monatelange Bauarbeiten gesperrt. Vorher mussten zunächst schon die Echsen weichen.

An der alten Mauer hatten sie bislang einen passenden Lebensraum. „Manche sagen, die gibt es ja überall in Trier. Aber das ist nicht so. Die gibt es hier in diesem Gebiet, weil der Lebensraum passt. Das sind Einheimische. Sozusagen echte Trierer!“, sagt Modica.

Der Umweltbiowissenschaftler hat an der Universität Trier studiert und seine Bachelorarbeit über Mauereidechsen geschrieben. Seine Masterarbeit beschäftigte sich mit Fledermäusen.

26 Eidechsen in zwei Tagen gefangen

Für die Umsiedlung fängt Modica die Tiere von Hand, teilweise „angelt“ er sie, wie er erzählt. An zwei Tagen hat er jeweils 13 Tiere gefangen. Mit 26 Tieren könne man bereits eine neue Population beginnen, meint er.

Wie viele Mauereidechsen insgesamt gefunden werden, steht noch nicht fest. „Vermutlich sind es 40 bis 60 Eidechsen, es können aber auch mehr werden“, teilt Ralph Kießling vom Trierer Presseamt mit. Die Tiere werden an witterungstechnisch geeigneten Tagen gefangen, da es entsprechend warm sein muss. So wie an diesem Mittwoch Ende September.

Die Mauereidechse ist eine geschützte Art. Sie ist zwar nicht vom Aussterben bedroht, aber durch den zunehmenden Schwund ihrer Lebensräume gefährdet.

Ein neues Habitat aus Steinen und Totholz

Oberhalb der Bushaltestelle in der Bitburger Straße wurde deshalb am sonnigen Hang ein Ersatzhabitat für die Eidechsen angelegt. Es besteht aus mit Steinen gefüllten Gabionen, Totholz und aufgeschichteten Gesteinsbrocken.

Für den Bau waren der Gehweg und die Bushaltestelle ein paar Wochen gesperrt. Ein Bagger durchpflügte die rote Palliener Erde. Inzwischen ist das Habitat weitgehend fertiggestellt.

Es fehlen noch ein paar Kleinigkeiten. „Als Restarbeiten stehen noch Pflanzarbeiten an den Gabionen und den Steinlinsen aus, ebenso wie die Einsaat der nun etwas freiliegenden Böschung“, teilt die Stadt Trier mit.

Denn neben offenen, sonnenbeschienenen Steinflächen mit Fugen und Hohlräumen brauchen die Tiere auch unterschiedlich dicht bewachsene Bereiche. Brombeer- oder Efeuranken sowie Krautsäume gehören ebenfalls zum Eidechsenbiotop.

Bald steht für die Eidechsen die Winterruhe an. Und anschließend finden sie im Frühjahr am inzwischen begrünten Hang dann ein passendes Jagdgebiet direkt vor ihrer Haustür, erklärt Modica.

85.000 Euro für das neue Zuhause

Außerdem wurde ein niedriger grüner Krötenzaun aufgestellt. Er soll das Ausbüxen der neuen Bewohner aus ihrem Luxus-Domizil verhindern. Schließlich ist das neue Eidechsen-Eigenheim nicht ganz billig: „Die Kosten der Maßnahme belaufen sich auf circa 85.000 Euro“, teilt die Stadt Trier mit.