

Die Affäre um den Bau der Theater-Probebühnen im Energie- und Technikpark (ETP) beschäftigt weiter die Trierer Kommunalpolitik. Bündnis 90/Die Grünen und die FDP haben einen gemeinsamen Prüfbericht vorgelegt und fordern den Rücktritt von Oberbürgermeister Wolfram Leibe. Leibe weist die Vorwürfe zurück. Auch CDU und SPD haben sich positioniert.
Das neue Gebäude soll künftig drei Bühnen mit jeweils rund 250 Quadratmeter Spielfläche sowie die Schneiderei samt Kostümfundus beherbergen und ist damit für die Trierer Kulturszene von Bedeutung. Als Standort für Proben und Equipment schafft es – ebenso wie der Tufa-Anbau in der Innenstadt als Interimsspielstätte – die Voraussetzung dafür, dass das Haupthaus des Theaters Trier am Augustinerhof generalsaniert werden kann.
Grüne und FDP fordern Rücktritt
Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Stadtrat Trier hat gemeinsam mit der FDP-Fraktion einen umfangreichen Prüfbericht zum Bau der Theater-Probebühnen im Energie- und Technikpark durch die Stadt vorgelegt. Nach Darstellung der beiden Fraktionen dokumentiert der Bericht „ein über viele Jahre hinweg andauerndes strukturelles Fehlverhalten und Rechtsbrüche“ des Oberbürgermeisters. Zudem sei für die Stadt ein Schaden „in Millionenhöhe“ entstanden.
Weiter heißt es, um dies zu verbergen, habe der Oberbürgermeister „seit Oktober 2025 die Trierer Öffentlichkeit, den Stadtrat und dessen Ausschüsse systematisch getäuscht und belogen“. Grüne und FDP fordern den Rücktritt von Wolfram Leibe. Es sei „nicht vorstellbar, dass er noch länger im Amt bleibt und somit weiterhin den Vorsitz des Stadtrats führt, der von ihm jahrelang übergangen und getäuscht wurde“.
Der vollständige Prüfbericht ist online abrufbar: https://gruenlink.de/wvmmnij6z9
Oberbürgermeister weist Vorwürfe zurück
Wolfram Leibe erklärte, der „so genannte ‚Prüfungsbericht‘“ lasse „keine neuen Informationen erkennen“. Alle Fragen seien „in mittlerweile vier Sitzungen städtischer Gremien ausführlich“ erläutert, Dokumente offengelegt, „Versäumnisse eingestanden und andere Vorwürfe ausgeräumt“ worden.
Die Fraktionen hätten eine Prüfung bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion gefordert, „die seit Ende Dezember läuft“. Dort säßen „die Fachleute, die eine qualifizierte rechtliche Einordnung geben werden“. Die „politische Fairness“ gebiete es, „das Ergebnis dieses Prüfberichts abzuwarten“.
Er werte den Bericht „zum jetzigen Zeitpunkt als durchsichtiges parteipolitisches Manöver“ und zeigte sich „mehr als enttäuscht“.
CDU sieht weiteren Klärungsbedarf
Auch die CDU-Stadtratsfraktion sieht im Zusammenhang mit den Ereignissen rund um den Bau der Theater-Probebühnen im Energie- und Technikpark offenen Klärungsbedarf. Nach Sichtung verspätet zugesandter Vertragsunterlagen seien „Fragestellungen aufgetreten, die bisher unbeantwortet sind“. Einige Punkte der Stellungnahme der Stadtverwaltung seien „nicht nachvollziehbar und lassen sich derzeit nicht eindeutig beurteilen“.
Die Bewertung der „zahlreichen komplexen rechtlichen Fragestellungen“ sei für ehrenamtliche Ratsmitglieder „nicht seriös zu leisten“. Daher werde eine Sondersitzung des Haushalts- und Personalausschusses mit einer Expertenanhörung beantragt. Zudem wolle die CDU eine Wirtschaftlichkeitsberechnung anfordern.
SPD weist Rücktrittsforderung scharf zurück
Die SPD-Fraktion bezeichnet die Rücktrittsforderung von Grünen und FDP als „absoluten moralischen und menschlichen Tiefpunkt in der andauernden Debatte rund um die Theater-Probebühnen“. Die FDP habe für die Sitzung des Rechnungsprüfungsausschusses den Tagesordnungspunkt „Diskussion Theatersanierung und Probebühnen“ auf die Tagesordnung setzen lassen und diesen beim Aufruf wieder zurückgezogen. „Wer glaubt, einen Tag später einen von den Bürgerinnen und Bürger gewählten Oberbürgermeister per Pressemeldung aus dem Amt drängen zu können, zeigt vor allem eines: Feigheit und fehlenden Respekt vor den demokratischen Institutionen unserer Gesellschaft.“
SPD-Fraktionsvorsitzender Andreas Schleimer erklärte: „Die Rücktrittsforderung der Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen und FDP ist vollkommen verantwortungslos und ein Schlag ins Gesicht jedes Menschen, der sich - egal auf welcher Ebene - kommunalpolitisch engagiert. Wolfram Leibe hat in den vergangenen Wochen für äußerste Transparenz gesorgt. Gemeinsam mit dem Kulturdezernenten hat er als einer der wenigsten Beteiligten Verantwortung bei den Entscheidungen zum Bau der Probebühnen übernommen.“
Die gesamte SPD-Fraktion stehe „ohne Zweifel“ hinter dem Oberbürgermeister. Wolfram Leibe sei von den Bürgerinnen und Bürgern Triers direkt gewählt und damit demokratisch legitimiert. Wer ihn angreife, „beschädigt bewusst das Vertrauen in die kommunale Demokratie“.




