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Steht die Chirurgie vor dem Aus?

Adenau. Der Förderverein des St. Josef-Krankenhauses befürchtet das Ende des Adenauer Krankenhauses und erhebt Vorwürfe gegen die Betreiberin.

Man wolle am St. Josef-Krankenhaus in Adenau festhalten. Ab Januar 2020 wolle man eine geriatrisch-internistische Abteilung und eine internistische Notfallversorgung anbieten. Knackpunkt aber sei die Chirurgie. Dafür seien finanzielle Zuschüsse notwendig – und außerdem sei es schwer, dafür Personal zu finden. Das war der Tenor, den Christoph Wagner, Kaufmännischer Verbunddirektor der Marienhaus GmbH, die das Krankenhaus betreibt, bei der Sitzung des Adenauer Verbandsgemeinderates im September verkündete.

Worte, die Bernd Schiffarth, Vorsitzender des »Fördervereins St. Josef Krankenhaus Adenau«, zur Weißglut bringen. »Es besteht die massivste Gefahr, dass das Adenauer Krankenhaus dem Ende zugeht«, warnt er eindringlich und erhebt Vorwürfe gegen die Marienhaus GmbH: »Man wusste, dass man die Hälfte von dem, was man sagt, nicht einhalten kann.«
Dass keine neuen Ärzte zu finden seien, stimme nicht, so Schiffarth. Im Gegenteil: Es habe definitiv zwei interessierte Chefärzte gegeben. »Die hat man auch mehrfach bestellt«, sagt er. Eingestellt worden seien sie allerdings nicht. »Es war alles darauf abgezielt, etwas aufzubauen, was gar nicht kommen sollte«, macht Schiffarth seinem Ärger Luft.

Er fragt: »Warum wurde die Chefarztstelle Chirurgie in Adenau seit Monaten nicht besetzt, obwohl nachweislich gute Bewerber zur Verfügung stehen? Warum droht stattdessen den beiden verbliebenen Chirurgen die baldige Entlassung?« Guido Nisius, Bürgermeister der Verbandsgemeinde, sagt: »Es wird nie wieder das Krankenhaus, das es einmal war. Der erste Schritt wird die Schließung der Chirurgie zum 31. Dezember sein.« Allerdings gebe es den sogenannten Sicherstellungszuschlag in Höhe von jährlich 400.000 Euro für Adenau nur dann, wenn eine durchgängige Chirurgie bestehe, hatte der Leiter der Abteilung Gesundheit des Landesministeriums für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie, bei der Ratssitzung im September betont.

»Man will eine kleine Innere mit Geriatrie belassen. Dem gebe ich nur eine kurze Chance«, sagt Schiffarth. Viel wichtiger sei – auch mit Blick auf den Nürburgring und die dortigen Großveranstaltungen – eine Akut- und Unfallchirurgie. Besonders ärgert Bernd Schiffarth, dass der Förderverein gemeinsam mit Ärzten ein Zukunftskonzept einschließlich zukunftsfähiger Chirurgie und Notfallversorgung erstellt habe, das im Juni 2018 vorgelegt worden sei. Im Landeskrankenhausplan seien sogar Passagen daraus wörtlich übernommen worden.

So heiße es dort: »Beispielsweise ist das Krankenhaus in Adenau bestimmt durch seine Nähe zum Nürburgring, wo mehrfach im Jahr Großveranstaltungen stattfinden. Medizinstrategisch ist daher der Ausbau von Adenau zu einem regionalen notfallmedizinischen Zentrum sinnvoll, begleitet von entsprechenden Ausbildungskapazitäten in der Notfallmedizin und einem starken Notarztstandort.« Die Marienhaus GmbH mache allerdings genau das Gegenteil, moniert Schiffarth: »Haben die das Konzept nicht gelesen?«

Sorge bereitet in Adenau aber eben auch die notärztliche Versorgung, wie Nisius betont. Bislang seien die Ärzte der Anästhesie nämlich auch in den Notarztdienst eingebunden gewesen, ergänzt Schiffarth: »Warum sucht man die Schuld nur bei Krankenkassen, dem Verbund der Kostenträger, bei Land, Bund und bei den äußeren Bedingungen und vergisst den Hauptschuldigen: Die Führungsetage des Marienhauses!« Er sei »stinksauer über den verrotteten Laden in Waldbreitbach«. Dort sitzt die Marienhaus GmbH. Unter Mitarbeitern werde ein Klima der Angst verbreitet. Wer über die Situation spreche, sei von der Kündigung bedroht.

»Der Vertreter des Ministeriums hat im September eine Bestandsgarantie abgegeben: Wenn die Marienhaus GmbH das Krankenhaus nicht mehr betreibt, betreibt es wer anders«, sagt Nisius: »Ich will vom zuständigen Ministerium wissen: Wer soll es dann betreiben?« Ende September habe er Landesgesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler deswegen einen Brief geschrieben. Eine Antwort habe er immer noch nicht erhalten.

Die Marienhaus GmbH hat gegenüber dem WochenSpiegel bis zum Redaktionsschluss keine Stellungnahme abgegeben. Pressesprecher Heribert Frieling kündigte an, dass sich die Marienhaus GmbH aber zum St. Josef-Krankenhaus »in absehbarer Zeit ausführlich äußern« werde.

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Kommentar von Meyer Hans-Peter
....Das ist doch schon lange klar, wohin die Reise respektive die Entwicklung der Krankenhäuser (so auch in Adenau) geht - ohne jedes Erbarmen. Knallhartes kompromissloses Sanierungsmanagement hoch dotierter Unternehmens-Vorstände ohne Rücksicht auf Ärzteschaft, auf Pflegepersonal, und vor allem auf die Patienten und die schmerzlich betroffene Bevölkerung. Daseinsfürsorge der Politik vor allem für den ländlichen Raum gibt es schon lange nicht mehr. Die Weichen sind längst gestellt. Die berechtigten Interessen und Sorgen der betroffenen Menschen spielen schon längst keine Rolle mehr. Es geht nur um die Gewinnmaximierung der Trägergesellschaften (hier die Marienhaus Holding GmbH, Waldbreitbach, im Ursprung eine christliche Ordensgemeinschaft). Die Politik reagiert mit dem Hinweis auf die Zuständigkeit der privaten Trägergesellschaft und die Trägergesellschaft auf die vorgegebenen desolaten Rahmenbedingungen der Politik, ein unwürdiges irritierenes vom wirklichen Problem ablenkendes Schwarze Peter-Spiel Man kann das nur noch als respektlose Volksverdummung empfinden...
Die ideologisch wirtschafts- und finanzpolitisch propagierte Heilmethode "..Privat vor Staat" ist insbesondere im Gesundheitswesen als menschenunwürdig kläglich gescheitert.
Mit den Worten des renommierten friedlichen Widerstandskämpfers Stephane Hessel kann man nur noch sagen "Empört Euch..." (so auch sein Bestseller-Buch), aber dringend die gesamte Bevölkerung und so unmißverständlich und deutlich, dass es ernst genommen wird und nicht - wie von der Politik und der Trägergesellschaft erwartet wird - wirkungslos bleibt....

Hans-Peter Meyer
Bad Ems
(ehem. Niederadenau)

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