Hebammen-Alltag in der Corona-Krise

Ahr. In der Corona-Krise lauten die obersten Gebote: Abstand halten und Kontakte reduzieren. Auch für Hebammen und Schwangere eine schwierige Situation, die Dank Ideenreichtum und moderner Technik aber gemeistert wird.

Die Corona-Krise verlangt jedem Einzelnen ab, kreativ zu werden. Das geht auch Hebammen nicht anders. "Die Geburtsvorbereitung findet jetzt zum Teil eben per Videochat statt und einen Teil unserer Kurse, wie zum Beispiel Yoga, bieten wir online an", sagt Hebamme Nina Wortha. Zusammen mit ihren Kolleginnen Jenny Müller und Marion Sermann betreibt sie die Hebammenpraxis "Zwergenmanufaktur" und betreut Schwangere und Frauen im Wochenbett in Kreis Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Oberstes Gebot habe nach wie vor aber die individuelle und umfassende Betreuung der Frauen. "Wir wägen im Moment ab, was wir am Telefon oder im gesicherten Videochat besprechen können oder ob es sinnvoll ist, einen Experten, zum Beispiel einen Gynäkologen oder Orthopäden, hinzuzuziehen. Vor allem aber die Wochenbett-Arbeit gestaltet sich relativ normal. Nach der Geburt sind wir die ersten zehn Tage jeden Tag mindestens einmal bei der Familie", so Wortha, die betont, dass die Versorgung der Frauen trotz Corona zu 100 Prozent gewährleistet sei.

Der Partner als wichtige Stütze

"Meine Kolleginnen und ich betreuen bis Jahresende jeweils noch 20 bis 30 Frauen. Natürlich ziehen wir große Personenkreise. Deswegen ist es wichtig, dass unsere Frauen uns sofort informieren, sollten sie Symptome haben." Bislang habe es glücklicherweise keinen derartigen Fall gegeben. "Die Frauen und ihre Familien sind alle sehr fürsorglich und achten auf sich und uns, wahren so gut es geht den Abstand und Hygiene hat in unserem Beruf schon immer eine große Rolle gespielt", so die Hebamme.

Ein größeres Problem als die Angst vor dem Virus sei die Sorge, ohne den Vater oder eine andere vertraute Person in den Kreißsaal zu müssen. "Der Partner ist in dieser Situation eine wichtige seelische und moralische Stütze. Es ist sogar wissenschaftlich bewiesen, dass es zu weniger Komplikationen kommt, wenn der Partner bei der Geburt dabei ist. Die Unsicherheit, ob er aber dabei sein kann, ist für die Frauen ein großes emotionales Problem", erklärt Wortha.

Anja Huser, Hebamme und Leiterin der Elternschule und des Kreißsaals im Krankenhaus "Maria Hilf" in Bad Neuenahr-Ahrweiler, gibt in diesem Punkt aber Entwarnung: "Sofern der Partner keine grippeartigen Symptome aufweist oder nachweislich mit einem positiv Getesteten Kontakt hatte, steht dem überhaupt nichts im Wege. Und er darf auch zwei Stunden nach der Geburt bei Frau und Kind bleiben."

Auch in der Klinik sei die Versorgung der Frauen weiterhin sichergestellt: "Die Betreuung ist ohne Abstriche oder Einschränkungen gewährleistet. Es besteht überhaupt kein Grund, dass Schwangere sich wegen Corona umorientieren und statt im Krankenhaus, lieber zu Hause entbinden. Schon allein aus Sicherheitsgründen rate ich dringend dazu, im Krankenhaus zu entbinden." Die Angst, sich im Krankenhaus mit dem Coronavirus anzustecken, sei zudem unbegründet: "Wie in allen Krankenhäusern werden auch bei uns die Bereiche, in denen Corona-Patienten oder Verdachtsfälle behandelt werden, strikt und konsequent abgetrennt", so die Hebamme. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien für den Umgang mit Covid-19-Patienten geschult und es mangle nicht an ausreichend Schutzausrüstung.

Positive Effekte nach der Geburt

Neben all den Sorgen und Ängsten, die Schwangere in dieser Zeit möglicherweise haben, zeigt Hebamme Nina Wortha aber auch einen positiven Nebeneffekt der Corona-Krise auf: "Die Krise ermöglicht es frisch gebackenen Eltern das Wochenbett so zu gestalten, wie man es sonst nur sehr selten kann: Man hat die Zeit und die Ruhe, sich zu Hause einzuigeln und wirklich nur unter sich zu sein, das Kind willkommen zu heißen, anzukommen und einfach viel zu kuscheln. Von außen wird kein Stress in die Familie getragen und die Familie kann zusammenwachsen."

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