»Kein Sprint, sondern Marathon« +++Mit Video+++

Fluthilfe für Ahrwinzer durch Kollegen von der Mosel

Ahr. Wie der Zusammenhalt unter Winzerkollegen funktioniert und so Hoffnung von der Mosel an die Ahr bringt.



Von Mario Zender

Rech/Ellenz-Poltersdorf. Wenn Wolfgang Schulze-Icking über die Nacht vom 14. auf den 15. Juli dieses Jahres spricht, merkt man schnell, dass dem Winzermeister aus Rech an der Ahr die folgenschwere Flut noch in den »Knochen steckt«. Auch mehr als vier Monate später kann der 55-Jährige immer noch nicht fassen, was mit seinem kleinen, aber feinen Weingut »Max Schell«  in Rech passiert ist.
Ein Drittel seiner rund 3,2 Hektar großen Rebfläche ist von den Wassermassen mitgerissen worden und für immer verloren. Wenn der Familienvater über die Nacht redet, bleibt er bei der Beschreibung hängen, wie er in den Keller gehen wollte. Nach zwei Sekunden findet er die Worte wieder: »Es roch alles nach Wein und Heizöl«. Für den leidenschaftlichen Winzer war sofort klar, dass seine gesamte Ernte, meist Spätburgunderweine, verloren ist. »Es war einfach nur schrecklich.« Denn nicht nur der Großteil der Fassweine im Keller, sondern auch viele Kellereigeräte, wie Pumpen, wurden zerstört, auch in der Vinothek im ersten Stock entstanden Schäden und eine Ferienwohnung wurde komplett zerstört.  
Die Familie wusste zuerst nicht, wie es weitergeht. Doch dann kam die Hilfe. »Wir haben enorme private Hilfsbereitschaft gespürt. Es kamen Helfer etwa aus dem Münsterland zu uns, die wochenlang geholfen haben.« So wurde die Heizung wieder in Gang gebracht oder die Elektroinstallation erneuert. Doch dann stellte sich die Frage, wie das kleine Weingut, das das Ehepaar mit Tochter Anica und einen Mitarbeiter ernährt, wieder zum »Leben« erweckt werden kann. »Das war schon eine bedrückende Situation, denn es fehlte uns ja ein kompletter Jahrgang«, erzählt Wolfgang Schulze-Icking. Und das vor dem so wichtigen Weihnachtsgeschäft. »Wir hatten keine Weine, um unsere Stammkunden zu beliefern«. Deshalb entschloss sich die Familie dazu, Spätburgunderwein von einem Kollegen als Fasswein in Rheinhessen zu kaufen. Doch dann tat sich das nächste Problem auf, dass diese Weine transportiert und auch abgefüllt werden müssen. Durch die Schäden in seinem Betrieb in Rech ist dies derzeit nicht möglich.  »Über die Landwirtschaftskammer wurde mir ein Kontakt zum Weingut Basten in Ellenz-Poltersdorf vermittelt. Dort bot sich Thomas Basten sofort an, in einer Hilfsaktion die Weine abzufüllen«, berichtet der Ahrwinzer. »Für mich war das keine Frage, dass wir hier einem Winzerkollegen helfen. Sogar meine Mitarbeiter haben direkt gesagt, das machen wir und waren am Sonntag im Einsatz«, erzählt Moselwinzer Thomas Basten.
Als am vergangenen Sonntagmorgen um 10 Uhr die Flaschen aus der Abfüllanlage in Ellenz-Poltersdorf liefen, sah man Wolfgang Schulze-Icking die Dankbarkeit an. »Es ist wirklich toll, wie hier ein Winzer-Kollege, den wir vorher nicht kannten, uns unterstützt«, so der 55-Jährige.
Apropos Unterstützung: Für Ahr-Winzer Schulze-Icking steht fest, dass noch viel Hilfe an der Ahr benötigt wird. »Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Das betrifft nicht nur mich, sondern die meisten Winzerkollegen an der Ahr. Die Ahr ist die nächsten Jahre noch auf Hilfe angewiesen.« Froh ist der Winzer, dass er nun durch die Hilfe der Kollegen auch mit seinem Betrieb wieder durchstarten und seine treuen Kunden beliefern kann. Dies auch vor dem Hintergrund, dass mit Tochter Anica (22), die gerade ihr Studium in Geisenheim absolviert, die nächste Generation für das Traditionsweingut bereitsteht.  

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AOK zieht sich aus Cochem zurück

Cochem. Herber Schlag für die Kreisstadt Cochem: Die AOK, einzige Krankenkasse die noch ihre Büros in Cochem hatte, schließt nach WochenSpiegel-Informationen die Geschäftsstelle Ende Februar für immer.  Dies bestätigt AOK-Pressesprecher Jan Rößler gegenüber dem Cochemer WochenSpiegel. Ausschlaggebend für die Überlegungen waren demnach auch die Erfahrungen und Folgen der Corona-Pandemie. Jan Rößler: »Die Beratung am Standort Cochem endete am 16. März 2020 aufgrund der eingetretenen Corona-Pandemie. Aufgrund des geänderten, generellen Kundenverhaltens schon weit vor der Pandemie, eben in Richtung digitaler und telefonischer Kontaktkanäle, wird die Beratung in Cochem, als kleinerer Standort, nicht wieder aufgenommen.« Die Beratung der Mitglieder der AOK soll nun unter anderem durch Kundenberaterinnen und Kundenberater auch zu Hause im Rahmen des Außendienstes erfolgen. Alle Arbeitsplätze bleiben, nach Angaben von AOK-Pressesprecher Jan Rößler, in der Region erhalten. »Nach Beendigung der Beratungsstelle Cochem sind alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im nächst erreichbaren Kundencenter (etwa Daun, Simmern, Mayen) weiterhin für unsere Versicherten aktiv.« Stadtbürgermeister Walter Schmitz bedauert auf Anfrage des WochenSpiegel den Weggang. »Jeder Arbeitsplatz, der in Cochem weggeht, tut uns weh. Wenn aber dann eine Institution wie eine Krankenkasse weggeht, die den Charakter einer Kreisstadt mitprägt, ist dies besonders schmerzlich.«  Herber Schlag für die Kreisstadt Cochem: Die AOK, einzige Krankenkasse die noch ihre Büros in Cochem hatte, schließt nach WochenSpiegel-Informationen die Geschäftsstelle Ende Februar für immer.  Dies bestätigt AOK-Pressesprecher Jan Rößler gegenüber…

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