Nur langsame Erholung auf dem Arbeitsmarkt

Zahl der Arbeitslosen im Landkreis Ahrweiler sinkt im August

Ahr. Nur langsam beruhigt sich der regionale Arbeitsmarkt von den Folgen der Corona-Pandemie: Ende August waren bei der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen 3.147 Frauen und Männer aus dem Landkreis Ahrweiler arbeitslos gemeldet. Das sind 55 weniger als vier Wochen zuvor, aber noch immer 732 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote liegt nach wie vor bei 4,5 Prozent. Im August 2019 lag sie bei 3,4 Prozent. Das teilt die Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen mit.

Bemerkbar macht sich nun auch das "kleine Sommerloch" - ein kurzfristiger, moderater Anstieg der Arbeitslosigkeit zu Beginn der Sommerferien, der auf jene jungen Leute zurückzuführen ist, die nach dem Ende ihrer Ausbildung nicht übernommen werden und während der Haupturlaubszeit nicht sofort eine Anschlussbeschäftigung finden. Da viele Abschlussprüfungen wegen Corona verschoben werden mussten, ist auch dieses saisonale Phänomen im Kalender nach hinten gerückt. "Dadurch haben wir die Chance, dass es sich in diesem Jahr gar nicht allzu stark auswirken wird, weil die Zeitspanne, die die jungen Fachkräfte überbrücken müssen, sich durch späte Prüfungen und relativ frühes Ferienende deutlich verkürzt", erklärt Peter Hahn, stellvertretender Leiter der Agentur für Arbeit Koblenz Mayen. Tatsächlich waren im Ahrkreis lediglich zwei junge Leute unter 25 Jahren mehr arbeitslos als im Vormonat.

Der Rückgang der Arbeitslosigkeit in den letzten vier Wochen wirkt sich auf beide Rechtskreise des Sozialgesetzbuches (SGB) aus, die sich mit der Arbeitslosigkeit befassen. So gab es im SGB III (Arbeitsagentur) 1.697 Arbeitslose, das sind 21 weniger als im Juli. Im SGB II (Jobcenter) sank die Zahl um 34 auf 1.450. Im Vorjahr waren bei der Agentur 551 und beim Jobcenter 181 Menschen weniger arbeitslos gemeldet.

Deutlich weniger freie Stellen

Auch der Stellenmarkt erholt sich nur langsam. Zwar wurden dem Arbeitgeberservice in den vergangenen vier Wochen aus dem Landkreis 123 neue Stellen gemeldet, wodurch die Gesamtzahl der Stellenangebote nun bei 504 liegt. Dies sind jedoch immer noch 289 weniger als vor einem Jahr. Ein wichtiges Instrument, um die Folgen der Corona-Krise abzumildern, ist nach wie vor die Kurzarbeit. In den letzten vier Wochen zeigten 6 Betriebe für 63 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Kurzarbeit an. Insgesamt gab es seit Anfang April aus dem Ahrkreis 1.489 Anzeigen für 13.220 Beschäftigte aus der Region. Da mit einer solchen Anzeige lediglich die Möglichkeit geschaffen wird, Kurzarbeit zu nutzen, ist dies jedoch nur ein Indiz dafür, wie viele Betriebe und ihre Mitarbeiter(innen) diese Unterstützung tatsächlich geltend machen. Klarheit wird es erst verzögert geben, da die Abrechnung im Nachhinein erfolgt und die Unternehmen bis zu drei Monate Zeit haben, ihre Unterlagen bei der Arbeitsagentur einzureichen. "Wie sich die Situation am Arbeitsmarkt weiterentwickeln wird, hängt natürlich maßgeblich davon ab, wie gut es gelingt, eine zweite Erkrankungswelle zu verhindern und weitere Auswirkungen auf die sich gerade erst erholende Wirtschaft gering zu halten", erklärt Peter Hahn. "Insofern sind die üblichen jahreszeitlichen Abläufe 2020 nur bedingt gültig." In "normalen" Jahren wäre in den nächsten Wochen mit einem deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit zu rechnen, denn September und Oktober gelten als die Monate mit der geringsten Arbeitslosigkeit, bevor die Kurve witterungsbedingt wieder ansteigt.

Viele Auszubildende noch auf der Suche

Tiefe Spuren haben Pandemie und Lockdown auch auf dem Ausbildungsmarkt hinterlassen, denn während Schulen geschlossen waren und für Berufsorientierung kaum Gelegenheit war, haben auch viele Betriebe das Thema Nachwuchsgewinnung für Monate zurückgestellt. Zum klassischen Starttermin der meisten Ausbildungsverhältnisse am 1. September sind im Landkreis Ahrweiler deshalb noch 117 junge Menschen auf der Suche nach einer beruflichen Perspektive, 165 Betriebe konnten ihre Lehrstellen bislang nicht besetzen. Damit kommen rein rechnerisch rund 1,4 Stellen auf jeden Bewerber und jede Bewerberin. Zum Glück hielten letztlich die meisten Unternehmen, wenn auch mit deutlicher Verzögerung, an ihren Ausbildungsplänen fest, betont Hahn. "Die Corona-Krise wird vorübergehen, der hohe Fachkräftebedarf nicht." Er gehe allerdings davon aus, dass in diesem Jahr deutlich länger nachvermittelt werde als üblich. "Wir haben ein großes Interesse daran, möglichst viele der noch unversorgten Bewerber mit jenen Arbeitgebern in Kontakt zu bringen, die kurzfristig Ausbildungsstellen zu vergeben haben."

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