Apollinaris: 80 Mitarbeiter müssen gehen

Coca-Cola nimmt die Mineralwassermarke aus dem Regal

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Künftig wird es nur noch Apollinaris Selection für die Gastronomie geben. Von den 320 Stellen des Apollinaris-Werkes in Bad Neuenahr werden 80 Stellen abgebaut. Bürgermeister Guido Orthen und die Gewerkschaft NGG kritisieren die Entwicklung scharf.

Coca-Cola Deutschland will von den 320 Arbeitsplätzen im Apollinaris-Werk Bad Neuenahr 80 Stellen abbauen. Hintergrund ist laut dem Unternehmen, dass es die "Vertriebsstrategie für die Mineralwassermarke Apollinaris im deutschen Markt" anpassen möchte. Der Wassermarkt in Deutschland sei wettbewerbsintensiv und schrumpfend, es werde nur wenig Geld verdient. Deshalb wird der Konzern die Apollinaris-Produkte sowie das Heilwasser Heppinger zu, 28. Februar 2021 aus dem Einzelhandel nehmen. Die Traditionsmarke wird in Lebensmittelmärkten künftig nicht mehr zu finden sein. Stattdessen will Coca-Cola European Partners Deutschland (CCEP DE) sich auf die Mineralwassermarke ViO konzentrieren. Weiterhin abgefüllt werden in Bad Neuenahr Apollinaris Selection für die Gastronomie sowie kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke. Durch das Zurückfahren der Produktion sind laut CCEP DE "Personalanpassungen" erforderlich.

Gespräche starten in den nächsten Tagen

"Wir haben die Entscheidung im Vorfeld intensiv geprüft. Wir wissen, wie sehr unsere Mitarbeiter und viele Menschen in Deutschland, besonders in der Region, mit der Traditionsmarke Apollinaris verbunden sind. Dennoch ist der Ausstieg von Apollinaris aus dem Handelssegment aufgrund der Rahmenbedingungen im Markt richtig", sagt Matthias Hickstein, Production Director bei der CCEP DE: "Wir werden die geplanten Veränderungen sehr verantwortungsvoll und transparent zusammen mit den Arbeitnehmervertretern umsetzen." Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern zur Umsetzung gemäß des Tarifvertrags starten in den nächsten Tagen, heißt es aus der Deutschlandzentrale in Berlin.

Orthen bezweifelt Notwendigkeit des Stellenabbaus

"Dies ist eine unternehmerische Entscheidung des Mutterkonzerns, auf die wir zwar keinen Einfluss haben, die wir jedoch weder verstehen noch gutheißen müssen", erklärte Bürgermeister Guido Orthen in einer öffentlichen Stellungnahme und kritisierte: "Ob die Maßnahmen und damit die Reduzierung von Arbeitsplätzen betriebswirtschaftlich erforderlich ist, vermag ich an dieser Stelle nicht zu sagen. Bezweifeln darf man dies." Als einer der größten und namhaften Arbeitgeber der Stadt und als gewichtiger Wirtschaftsfaktor der Region bedeute die vorgesehenen Veränderungen einen herben Schlag für die Kreisstadt. Zwar bleibe Apollinaris in der Gastronomie präsent. "Es stellt sich jedoch die Frage, ob der jetzige Schritt der letzte oder nur der vorletzte ist", so Orthen: "Diese Sorge und Verunsicherung, die vor allem für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entsteht, nimmt ihnen und dem Standort im Augenblick niemand." Die Marke Apollinaris sei mit dem Heilbad- und der Entwicklung des Gesundheitsstandortes Bad Neuenahr-Ahrweiler untrennbar verbunden. "Apo" sei immer ein Imageträger für den Standort Bad Neuenahr-Ahrweiler gewesen. Allerdings sei die Nachricht besonders bitter, da es hier vorrangig nicht um Image oder "ein rotes Dreieck" gehe, sondern um die wirtschaftliche Zukunft von Menschen und ihren Familien geht. "Ich appelliere ausdrücklich an die Unternehmensführung, betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen und die soziale Verantwortung, die diese Entscheidung mit sich bringt, wahrzunehmen", mahnt Orthen in Richtung Konzernzentrale: "Denn, ob für Mitarbeiter aus Bad Neuenahr-Ahrweiler Angebote an anderen Standorten ernstzunehmende Alternativen sind, darf getrost bezweifelt werden."

"Verantwortungslos und unanständig"

Massive Kritik wird auch seitens der Gewerkschaft Nahrung-Gesnuss-Gaststätten (NGG) laut. Insgesamt sind vom Stellenabbau bei Coca-Cola deutschlandweit rund 470 Beschäftigte betroffen. Dass der Weltkonzern Coca-Cola mitten in Corona-Zeiten allein in Deutschland hunderte Menschen ohne Not auf die Straße setzen will, ist verantwortungslos und unanständig", kritisierte der stellvertretende Gewerkschaftsvorsitzende Freddy Adjan. Der angekündigte Personalabbau trotz schwarzer Zahlen sei ein "skrupellosen Job-Kahlschlag zur Unzeit." Das Management hoffe offenbar, dass der "Kahlschlag" in der Vielzahl der Presseberichte über mit dem Coronavirus begründeten Stellenabbau untergehe: "Unter dem Corona-Deckmantel möchte Coca-Cola die Gewinne still und heimlich auf dem Rücken der Beschäftigten weiter optimieren." Da es der Gewerkschaft kürzlich gelungen sei, wichtige Tarifverträge zu verlängern, müssten bei der Umsetzung der angekündigten Pläne sowohl der Gesamtbetriebsrat, als auch die Gewerkschaft NGG einbezogen werden. Das gebe den Beschäftigten die Sicherheit, dass ein möglicher Stellenabbau hierzulande sozialverträglich ablaufen muss.

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