Wird die Fichte überleben?

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Fichtenwälder prägen weite Teile des Kreises Ahrweiler. Förster Jens Marx, Geschäftsführer des Waldbauvereins Ahrweiler, bricht eine Lanze für den bewirtschafteten Mischwald.

Welcher Umgang mit dem Wald ist der richtige? Einige Ansichten bringen Jens Marx, Geschäftsführer des Waldbauvereins Ahrweiler und Förster im Forstrevier Hocheifel, auf die Palme - oder besser gesagt auf die Fichte. Denn sie ist der Baum, der in den regionalen Wäldern noch vorherrscht.

"Momentan habe ich den Eindruck, dass eine Kampagne läuft, die Forstbewirtschaftung ganz einzustellen", sagt Marx. Doch das sei weder wirtschaftlich noch ökologisch und hinsichtlich des Klimas der richtige Ansatz. "Es ist zum Beispiel fraglich, ob auf den jetzt entstehenden Freiflächen überhaupt wieder Wald von sich aus entsteht", sagt Marx. Es dauere lange und eventuell wachsen nicht die Baumarten, die jetzt für den Waldumbau gebraucht werden.

"Ein bewirtschafteter Wald ist ein Klimawald, der uns hilft. Holz ist ein großer Kohlenstoffspeicher", sagt Marx. In einem unbewirtschafteten Wald sterben Bäume ab. Dadurch werde der Kohlenstoff, der Bestandteil des klimaschädlichen Kohlenstoffdioxids (CO2) ist, teilweise wieder in die Luft freigesetzt. Zudem sei Holz gut wieder zu verwerten und am Ende noch als Brennstoff nutzbar. Zwar werde so auch CO2 wieder freigegeben. "Aber dadurch werden andere Brennstoffe ersetzt", argumentiert Marx. Auch als Baustoff könne Holz gut eingesetzt werden und die teils energieintensive Herstellung der herkömmlichen Baustoffe wie Zement und Stahl verringern. "Holz ist ein Rohstoff, der so ökologisch hergestellt wird wie kein anderer Rohstoff", sagt Marx. Auch im Bauholz bleibt das CO2 gebunden. Zudem spreche die Wertschöpfung für eine Bewirtschaftung des Waldes. "Viele Kommunen haben lange Zeit ihre Infrastruktur auch von den Erlösen aus dem Wald entwickelt", so Marx.

Im Waldbauverein Ahrweiler sind Privatwaldbesitzer organisiert. 1.500 Mitglieder umfasst der Verein. Der größte Teil besitzt Waldflächen von höchstens zwei Hektar. "Einige ältere Besitzer haben es als Altersvorsorge gesehen", sagt er.

Auch Kritik an Fichtenwäldern weist Marx zurück. Der Nadelbaum prägt die Höhenzüge der Region - auch wenn sie ursprünglich mit Buchen bewaldet waren. Mehrere Ereignisse führten dazu, dass Fichten angepflanzt wurden - unter anderem die umfangreiche Verhüttungsindustrie in der Eifel. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren die Gipfel aufgrund der Gewinnung von Holzkohle kahl. Kiefer und Fichte wurden angebaut, da sie anspruchslos und verfügbar waren.

Die Fichte sei nicht so schlecht wie ihr Ruf. "Da wächst ein gutes Produkt - ohne den Einsatz von Energie und Chemie", so Marx. Und selbst ein Nadelwald sei im Vergleich zu vielen anderen Landnutzungsformen ein relativ hochwertiger Lebensraum.

Zwar sei ein Buchenwald artenreicher. Doch ein Mischwald sei optimal, da so Artenvielfalt und gleichzeitig eine gute Rohstoffproduktion gegeben seien. Nadelholzstämme wachsen sehr gerade, können daher gut verarbeitet werden. "Holz- und Forstwirtschaft sind in einer strukturschwachen Region ein großer Wirtschaftsfaktor", so Marx. Als Bauholz könne Laub- das Nadelholz auf absehbare Zeit nicht ersetzen, da die technischen Eigenschaften und die Bearbeitbarkeit besser seien. Zudem sei Nadelholz günstiger. Ein reiner Nadelwald werde allerdings schon lange nicht mehr verfolgt. Der Wald werde schon seit 1990 in Richtung Mischwald umgebaut.

"Aber die Fichte ist der Verlierer des Klimawandels", sagt Marx. Sie mag es kühler und feuchter. Ausfälle sind deutlich erkennbar. Gerade in den niedrigeren, wärmeren Lagen des Kreises Ahrweiler werde es für die Fichte sehr problematisch. "Wir dachten, wir hätte mehr Zeit für den Waldumbau", sagt Marx. ?

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