Am Unkelbach schlagen die Wellen hoch

Anwohner beklagen Maßnahmen

Unkelbach. Der Unkelbach plätschert still und ruhig vor sich hin. Die Gemütslage der Anrainer sieht hingegen völlig anders aus, wenn es um das Gewässer geht. Sind die Renaturierungsmaßnahmen nötig - oder sogar falsch?

Am Unkelbach sind Renaturierungsmaßnahmen geplant, doch die stoßen bei den Anliegern auf Unverständnis, wie Walter Jung erklärt, hinter dessen Grundstück der Bach verläuft. Von über 60 ebenfalls betroffenen Anwohnern habe er bereits schriftliche Unterstützung seines Protestes erfahren. Jung moniert den mangelnden Informationsfluss zu dem Vorhaben. Weder der Stadtrat noch der Ortsbeirat von Unkelbach seien durch den Bürgermeister und seine Bauverwaltung umfänglich und ausreichend informiert worden. Das gehe aus den Protokollen des Stadtrates seit 2016 hervor. Dass die Anlieger zu spät informiert wurden, gibt Remagens Bürgermeister Björn Ingendahl im Gespräch mit dem WochenSpiegel zu: »Das war ein Fehler der Verwaltung, dazu stehe ich.«

Stadtrat und Bauausschuss seien aber frühzeitig informiert worden, schließlich hätten sie die Maßnahme ja beschlossen. Der Ortsbeirat sei Ende 2019 vom mit der Planung beauftragten Büro informiert worden, auch wenn Dimension und Tonagen der Maßnahme da noch nicht festgestanden hätten. »Ich selbst bin seit 1992 im Bundesumweltministerium beschäftigt, davon seit 2008 in der Abteilung Naturschutz, und betreute einige solcher Projekte«, erklärt Jung. Aus seiner Sicht ist die Maßnahme, bei der auf 310 Metern bis zu 1.800 Tonnen Gesteinsmasse zur Anhebung des Nachlaufs eingesetzt werde, an dieser Stelle völlig unnötig. Dort gebe es nichts zu renaturieren. »Der Unkelbach liegt mitten in einem Biotop, in dem viele, teils streng, geschützte Arten zuhause sind, wie zum Beispiel Feuersalamander, Blindschleichen, Ringelnattern, Hirsch- und Nashornkäfer, Fledermäuse, Haselmaus aber auch viele Falter«, so Jung.

Auch der Zeitpunkt der Maßnahme sei nicht der richtige, da er in der gesetzlich geschützten Brut- und Setzzeit der Tiere liege. Die Beseitigung von Bäumen, die für das Arbeiten mit großen Maschinen nötig ist, hätten per Gesetz vor dem 1. März erfolgen müssen. »Der Verwaltung liegt dazu der naturschutzrechtliche Fachbeitrag eines Experten vor, der Flora und Fauna mehrere Wochen beobachtet hat. Ich muss mich auf die fachliche Einschätzung verlassen und das tue ich«, erklärt Ingendahl dazu. »Wenn jemand, der damit beruflich einmal zu tun hatte, das anders sieht, ist das zunächst einmal so«, ergänzt er mit Blick auf Jung.

Weiter kritisiert Jung, dass es um keine Renaturierungs-, sondern um eine Hochwasserschutzmaßnahme handele. »Diese Sicherungsmaßnahme wird nun aber laut Aussage der Stadt Remagen und der Kreisverwaltung Ahrweiler als Renaturierungsmaßnahme durchgeführt.« Daher werde die Maßnahme zu 90 Prozent aus Landesmitteln des Naturschutzprojektes »Aktion Blau« des Landesumweltamtes in Rheinland-Pfalz finanziert. »Es ist also ein reiner Etikettenschwindel, mit dem man sich offenbar Landesmittel erschleicht«, wirft Jung den Behörden vor.

Dagegen wehrt sich Ingendahl: »Es ist eine Maßnahme, die der Verbesserung der ökologischen Funktionsfähigkeit des Gewässers und dem Schutz vor Hochwasser dient. Genau das sind aber die Ziele, die in der ,Aktion Blau‘ niedergeschrieben sind.« Da es keine klassische Renatureriungsmaßnahme sei, hätte man sicher einen anderen Begriff wählen sollen, so Ingendahl: »Den Vorwurf muss man sich machen lassen.«

Aber auch zum Hochwasserschutz eigne sich die Maßnahme nicht, so Jung. Verschiedene Experten hätten angemahnt, dass zunächst Rückhaltebecken am Oberlauf des Unkelbaches errichtet werden müssten, um dann zu sehen, wie viel Wasser überhaupt noch im Ort ankomme. Zwar seien in dem Bachabschnitt Sicherungsmaßnahmen notwendig, um den Boden gegen Erosion insbesondere durch Starkregen zu schützen. Das Setzen der Steine sei aber dort die falsche Methode, sagt Jung. An anderer Stelle am Unkelbach seien sie nach relativ kurzer Zeit im lehmigen Untergrund versunken. »Es müssten an mehreren Stellen Robinien- oder Eichenholzpfähle am Hang und im Bachbett eingeschlagen werden«, erklärt er. Diese würden angeschwemmtes Sediment aufstauen.

Am Montag, 29. Juni, findet um 18 Uhr eine Informationsveranstaltung der Stadtverwaltung in der Mehrzweckhalle Unkelbach zu dem Thema statt.

 

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