Johannes Mager

Keine schnellen Lösungen

Remagen. Bei der ersten Wissenschaftskonferenz des Projekts KAHR wurden erste Überlegungen zum Hochwasserschutz vorgestellt.

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Auf dem Podium saßen Mario Brandenburg (v.l.), Prof. Jörn Brinkmann, Landrätin Cornelia Weigand, Prof. Holger Schüttrumpf und Ministerin Katrin Eder.

Auf dem Podium saßen Mario Brandenburg (v.l.), Prof. Jörn Brinkmann, Landrätin Cornelia Weigand, Prof. Holger Schüttrumpf und Ministerin Katrin Eder.

Foto: Mager

Wetterextreme wie Hochwasser und Starkregen werden infolge des Klimawandels künftig häufiger und heftiger, so die Erwartung der Wissenschaft. Auch die massiven Schäden der Flutereignisse vor rund einem Jahr im Ahrtal sowie in Teilen von NRW verdeutlichen, dass der reine Wiederaufbau der alten Strukturen nicht hinreichend ist. Hierbei unterstützt das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Forschungsprojekt KAHR (»Klima Anpassung Hochwasser Resilienz«) die betroffenen Regionen und verschiedenen Akteure. Die Wissenschaftler und Praktiker aus 13 Institutionen aus ganz Deutschland arbeiten dabei eng mit Entscheidungsträgern vor Ort zusammen und schaffen für diese ein Beratungsangebot. In diesem Kontext haben sich am Mittwochabend erstmals Vertreter der zuständigen Landesministerien, der Kommunal- und Kreispolitik sowie Forscher, die sich mit diesen Fragen im Ahrtal befassen, Rheinhalle in Remagen zum einem Dialog getroffen.

Auf dem Podium saßen neben Landrätin Cornelia Weigand zudem Mario Brandenburg Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, die rheinland-pfälzische Umwelt- und Klimaschutzministerin Katrin Eder, Prof. Jörn Birkmann von der Universität Stuttgart sowie Co-Sprecher des KAHR-Projekts und Experte für räumliche Planung und Prof. Holger Schüttrumpf von RWTH Aachen University, Co-Sprecher des KAHR–Projekts und Expertefür Wasserwirtschaft. Neben der Vorstellung der ersten Befunde aus der wissenschaftlichen Begleitung des Wiederaufbaus ging es bei dieser Wissenschaftskonferenz insbesondere auch um die Diskussion eines Entwurfs von zehn Empfehlungen für einen klimaresilienten und vorsorgenden Wieder- und Neuaufbau. So lautet eine Empfehlung, dass die sensiblen und kritischen Infrastrukturen auch außerhalb der gesetzlich festgesetzten Überschwemmungsgebiete Vorsorge gegen Starkregen und extreme Hochwasser benötigen. »Bei ‚von der Quelle bis zur Mündung‘ denken wir an von Blankenheim bis Sinzig.« Doch man müsse auch in de Fläche denken, denn ein großer Teil des Wassers sei von den Zuläufen gekommen.

Auch sind Herausforderungen damit verbunden, einen Wiederaufbau mit besseren Standards und Innovationen für den vorsorgenden Hochwasserschutz und die Klimaresilienz sowie Klimaanpassung zu verbinden. »Man kann nur großflächig und langfristig planen. Das können keine kleinen Bausteine sein«, sagte Prof. Schüttrumpf: »Wir müssen dem Fluss wieder mehr Raum geben. Wir können aber auch nicht alle Fehler der Vergangenheit rückgängig machen. Deshalb brauchen wir auch Objektschutz für die Bauten.« Ebenso seien Warnsystem wichtig. In Bezug auf die öffentliche Infrastruktur stellt insbesondere der hochwasserangepasste Wiederaufbau der vielen zerstörten Brücken an der Ahr eine Herausforderung dar. »durchschnittlich gab es alle 720 Meter eine Brücke an der Ahr. Brauchen wir die alle«, fragte Schüttrumpf. Des Weiteren stellt sich die Frage, woran man eigentlich die Effektivität und die Umsetzbarkeit von Vorsorge- und Schutzmaßnahmen konkret festmachen kann. Eines machten die Podiumsteilnehmer jedenfalls klar: Schnelle Lösungen wird es aufgrund der Komplexität und vielen Bausteinen sowie Beteiligten nicht geben. »Das Thema ist komplex und nicht so einfach, wie es scheint«, so die Landrätin. Ahrweiler.