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»Wir wollen das Interesse am Mitmachen wecken«

Im nächsten Jahr stehen die Bundestagswahlen an und viele junge Menschen dürfen zum ersten Mal an die Wahlurne gehen. Ein Projekt der Jugendarbeit im Kreis Ahrweiler versucht, junge Menschen für Politik und Demokratie zu begeistern. Wir haben ein Teamtreffen von Mods (kurz für Mobil der Stimmen) besucht.
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»Viele Jugendliche wissen eigentlich gar nicht, was sie wählen«, erzählt Annalena Di Carlo. Die junge Frau gehört seit zwei Jahren zum Mods-Tean. »Sie wissen, dass wählen gehen wichtig ist, aber was sie wählen ist ihnen dann nicht so wichtig«, so Di Carlo weiter. Oft würden sie einfach das wählen, was ihre Eltern wählen.
Das Projekt Mods – kurz für Mobil der Stimmen – will das ändern.  
»Wir wollen Interesse am Mitmachen wecken«, erklärt Jürgen Schwarzmann den Kerngedanken. Schwarzmann gehört zu den acht Jugendpflegern des Kreises, die das Projekt zusammen betreuen.
Seit 2011 findet das Projekt statt und es greift jedes Mal die nächste anstehende Wahl auf. »Wir haben alle Wahlformen durch«, sagt Schwarzmann. Europawahl, Kommunalwahl, Landtagswahl – alles wurde bei Mods schon thematisiert.
Doch wie läuft das Projekt genau ab? Die Vorbereitung gestalten die Jugendpfleger gemeinsam mit Jugendlichen wie Annalena Di Carlo und Ann-Kathrin Glöde. Die beiden haben schon im letzten Jahr im Projekt mitgearbeitet und so etwas wie alte Hasen im Mods-Team.
»Ich bin Jugendleiterin im Okuja und bin angesprochen worden, ob ich nicht im Team mitmachen will«, erinnert sich Di Carlo. Auf ähnlichem Wege ist auch Ann-Kathrin Glöde dazu gekommen.
»Mein Interesse an Politik ist auch erst richtig durch das Projekt geweckt worden«, so Glöde.
Zu wenig Politik
Bei mehreren Treffen erarbeiten die Jugendlichen zusammen mit den Fachkräften ein Programm.  Teil der  Treffen sind auch eine Tagesfahrt zur Landesregierung nach Mainz und ein Foto-Shooting.
Das  über mehrere Monate entworfene Programm wird dann den Schulen im Kreis angeboten. Kurz vor den Wahlen besucht das Mods Team die interessierten Klassen und leistet mit Workshops, Spielen und Gesprächsrunden politische Aufklärungsarbeit.
»Politik kommt in der Schule zu kurz«, sagt Ann-Kathrin Glöde. Bei vielen Schülern stoße man erst einmal auf Desinteresse. »Aber man bekommt etwas bewegt und kann Interesse wecken«, so ihre Erfahrung.
Wie wichtig es ist, schon früh mit dem Thema anzufangen, erklärt Annalena Di Carlo: »Es ist ja schwierig in das Thema reinzukommen, wenn man sich bis man mit 18 wählen kann, gar nicht damit befasst hat.«
Den Auftakt des Projekttages bildet stets ein politisches Quiz. »Dabei geht es nicht darum, Wissen abzufragen«, betont Jürgen Schwarzmann. Vielmehr wolle man ins Gespräch kommen über politische Themen. Verschiedene Spiele sollen den Schülern vor Augen führen, wie Politik funktioniert. So versuchen sie beim Spiel »Wahltag« mit Argumenten für einen Platz im Bundestag zu gewinnen und bei der »Jugendwahl« lernen sie die Wahlzettel kennen und geben ihre Stimme ab. »Der Wahl-O-Mat ist auch immer dabei«, so Schwarzmann. Durch diesen Online-Fragebogen werden Wähler an die Standpunkte der Parteien herangeführt und können herausfinden, mit dem Programm welcher Partei sich die eigenen Ansichten decken. »Die jungen Leute sollen lernen, sich mit politischen Aussagen auseinander zu setzen«, so Schwarzmann.
Viel Interesse
Die Resonanz, so Schwarzmann, sei sehr gut. »Unsere Erfahrung ist es, dass die Jugendlichen ein großes Interesse an Politik haben«, sagt der Jugendpfleger. Viele würden darüber klagen, dass das Thema in der Schule zu kurz käme.
Doch nicht nur für die teilnehmenden Schulen, ist Mods ein Gewinn, auch die Jugendlichen, die das Projekt organisieren und moderieren profitieren von den Erfahrungen. »Wenn man im Kleinen etwas bewegen kann und sich für die Gemeinschaft einsetzen kann, dann ist das doch sehr gut«, so Ann-Kathrin Glöde. Das sei schließlich auch eine Form von Politik.


Mitmachen bei "Mods": Das Team von Mods trifft sich regelmäßig im Haus der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Bad Neuenahr (Okuja). Wer gerne im Team von Mods mitarbeiten möchte, kann das nächste Treffen am Donnerstag, 12. Januar, um 18 Uhr besuchen. Zur Zeit sind circa 12 Jugendliche aktiv im Mods-Team. Die Zahl sei seit dem Start stetig gestiegen, freut sich Jugendpfleger Jürgen Schwarzmann. Wer Kontakt herstellen möchte, kann das auch über die Facebook-Seite »ModS - Mobil der Stimmen 2017«