Mehr Frauen für eine starke Wirtschaft

Wittlich. Zum Thema „Karrieremöglichkeiten im innovativen Mittelstand“ in der ländlich geprägten Großregion diskutierten Unternehmerinnen mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer am Sonntag bei der WirtschaftsWoche in Wittlich.

Eingeladen hatte der Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU). Rechtsanwältin Dr. Margit Bastgen nutzte die Gelegenheit, um für den ländlichen Raum zu werben: Außer günstigem Bauland verfüge Wittlich über eine gute Infrastruktur. Bald gebe es ein neues Schwimmbad und ein Kino. Dafür lobte sie die vorausschauende Politik der Stadt und bedankte sich explizit bei Bürgermeister Joachim Rodenkirch. Der Publikumsapplaus meldete Zustimmung.

Region leidet unter hohen Löhnen in Luxemburg

Ministerpräsidentin Malu Dreyer stufte das Entwicklungspotential für Mittelständler als „hervorragend“ ein. „Das schöne in Wittlich ist, das hier auch ganz ganz viel Industrie ist. Das macht diesen Standort sehr sehr stark“, sagte Dreyer. „In der Großregion ist viel drin“, so Dreyer, nicht zuletzt wegen der freundschaftlichen Verbindung mit den Nachbarländern. In der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit liege viel Potential. Ein Knackpunkt seien allerdings die hohen Löhne in Luxemburg. „Da werden wir nie hinkommen“, sagte Dreyer. Mit der Sogwirkung der ungleich besseren Bezahlung habe die Region zu kämpfen. Chancen lägen dagegen in der Innovationsfreude und dem Unternehmergeist der vielen familiengeführten Betriebe in der Eifel und an der Mosel.

Frei sein in der eigenen Lebensgestaltung

Zwei Unternehmerinnen aus Familienbetrieben saßen mit der Ministerpräsidentin auf dem Podium. Die eine ist Madeleine Oster aus Bernkastel-Kues, wo die studierte Holzbauingenieurin den Betrieb ihrer Eltern weiterführt. Sie hat erst vor zwei Wochen ein Kind zur Welt gebracht und schätzt es auch aus dieser Sicht, Chefin zu sein. Denn in dieser Position bestimme sie selbst, wann sie sich Zeit für die Familie nehme. Diese Selbstbestimmtheit preist auch Birgit Steil, Inhaberin von „Steil Kranarbeiten“ aus Trier. „Es ist wichtig, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen. Als Unternehmerin ist es ein großes Benefit, selbst bestimmen zu können, wie man seine Zeit einteilt.“

Dreyer appelliert an junge Frauen

Auch Dreyer warb dafür, dass mehr junge Frauen Unternehmen gründen. Um sie zu unterstützen, gebe es die Gründerinitiative im Wirtschaftsministerium. Die Initiative berate, schreibe Wettbewerbe im Start up-Bereich aus und lege Förderprogramme auf.

Was allgemein die Rekrutierung von Fachkräften betreffe, setze die Landesregierung darauf, die Rahmenbedingungen für Bildung, Ausbildung und Weiterbildung zu stärken, um die Abwanderung aus ländlichen Regionen zu bremsen. Zudem komme es darauf an, Menschen, die ihre Heimat verlassen haben, mit guten Arbeitsplätzen wieder zurückzugewinnen.

Für Unternehmer, die speziell weibliche Fachkräfte gewinnen möchten, erläuterte Birgit Steil, worauf Bewerberinnen in Stellenausschreibungen achten: Vereinbarkeit von Familie und Beruf, eine gute Infrastruktur in der Umgebung und bezahlbares Wohnen. Auf die Frage, ob es einen Unterschied mache, wenn ein Unternehmen von einer Frau oder einem Mann geführt werde, erwiderte Birgit Steil, die auch Vizepräsidentin der IHK Trier ist: „Als Frau führt man anders. Eine Frau ist von emotionaler Intelligenz gesteuert“ – das Publikum bekräftigte diese Aussage mit Applaus.

Sybille Schönhofen

 

 

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