Virus bedroht die Wirtschaft

Viele Unternehmen fürchten um ihre Existenz

Kreis Euskirchen. Corona hat nicht nur Menschen infiziert. Vielmehr hat der Virus auch die Wirtschaft befallen. Viele Unternehmer - egal ob Kleinstbetrieb oder Mittelständler - fürchten um ihre Existenz.

Schwer getroffen hat es die Gastronomie. Patrick Rothkopf, DEHOGA-Vertreter für den Kreis Euskirchen, führt selbst einen Betrieb in Euskichen: »Wir mussten unser Restaurant vollständig schließen und dürfen nur noch Geschäftsreisende beherbergen.« Er ist gezwungen, alle seine Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken. »Das ist einfach schrecklich und eine Katastrophe«, weiß der Gastronom. Aus Gesprächen mit Kollegen aus dem Kreis weiß er, dass alle Hotel- und Gastronomiebetriebe Kurzarbeit anmelden mussten und allgemein eine sehr große Verunsicherung herrscht.

Kaum Rücklagen

Einige Restaurant-Betreiber versuchten sich derzeit mit Liefer- und Abholservices noch über Wasser zu halten, aber damit könne man nur einen Teil der Einbußen kompensieren. Die finanziellen Hilfen des Landes sind für Rothkopf nur eine kleine Finanzspritze: »Das reicht aber maximal für drei Monate und keiner kann sagen wie es dann weitergehen soll.« Die Auffassung von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, dass kein Arbeitsplatz verloren geht, teilt er nicht: »In der Gastronomie gibt es so viele kleine Betriebe, die keine Rücklagen haben und ich denke viele müssen nach dieser Krise Insolvenz anmelden«.

Ware liegt bereit

Einer, der die Corona-Krise ebenfalls zu spüren bekommt, ist Michael Haas aus Simmerath, der auch in Schleiden ein Modegeschäft betreibt. Er beschäftigt normalerweise 30 Mitarbeiter. »Das ist das Schlimmste, was uns Handelsunternehmen passieren konnte«, sagt Michael Haas. Er sei von der Notwendigkeit der ergriffenen Maßnahmen überzeugt, und doch seien die Folgen ungewiss und unvorstellbar. »Die Ware liegt bereit, die nächsten Wochen gehören zur umsatzstärksten Zeit«, so Michael Haas.

Kundschaft fehlt

Selbst die Unternehmen, die noch geöffnet haben, kämpfen mit Problemen. Bei Udo Heck, dessen Metzgerei bereits seit 1907 in Gemünd ansässig ist, macht sich bemerkbar, dass keine Feierlichkeiten mehr stattfinden - angefangen bei der Familienfeier bis hin zur Dorfkirmes. Entsprechend gingen auch die Bestellungen zurück. Mit ähnlichen Problemen haben auch Klemens und Alexander Friederichs von der gleichnamigen Bäckerei, Konditorei und Café in Schleiden zu kämpfen. »Uns fehlen die Schüler und Beschäftigten, die vor der Schule oder auf dem Weg zur Arbeit bei uns eingekauft haben«, sagt Klemens Friederichs. »Zudem«, ergänzt Alexander Friederichs, »fehlt der Publikumsverkehr im Café, dessen Betrieb wir einstellen mussten.« Folge: Auch in diesem Schleidener Betrieb wird es Kurzarbeit geben.

Großer Dank an die Mitarbeiter

Soweit ist die Lage beim Kaller Unternehmer Ralf Schumacher, der immerhin rund 80 Menschen beschäftigt, noch nicht. »Wir beliefern unter anderem auch die Eifeler Handwerker mit Material, damit zumindest die Baustellen nicht stillgelegt werden müssen.« Schumacher dankt vor allem den Mitarbeitern in den verschiedenen Unternehmen: »Die machen einen tollen Job, passen auf, denken mit und bringen sich ein. Da kann man als Chef nur Danke sagen.« Allein gelassen von der Politik fühle er sich derzeit nicht: »Es ist momentan halt alles sehr diffus, keiner weiß, was morgen kommen wird.«

Dramatische Veränderungen

»Die Lage vieler Firmen im Kreis Euskirchen hat sich innerhalb von nur zwei Wochen – in manchen Fällen geradezu über Nacht – dramatisch verändert. Viele Unternehmen und ganze Branchenzweige sind existenziell bedroht«, weiss auch Iris Pot, Stabsstellenleiterin der Wirtschaftsförderung des Kreises Euskirchen. Über die Hotline 02251/15-680 und wirtschaftsfoerderung_corona@kreis-euskirchen.de habe man bislang über 300 Anfragen von hilfesuchenden Unternehmen beantworten können. Iris Poth: »Die von Bund und Land auf den Weg gebrachten Förderinstrumente (Stand: Dienstag, 23. März) kommen noch nicht bei den Unternehmen an. Die Zugangsvoraussetzungen müssen für die Soforthilfen noch geschaffen werden. Wir warten jeden Tag darauf.«

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