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Verhungern in Euskirchen die Stadttauben?

Euskirchen. Nicht nur die Menschen müssen sich derzeit mit den Einschränkungen durch die Corona-Krise arrangieren – auch viele Tiere. Die Tierhilfe Nord-eifel fürchtet um das Leben vieler Tauben im Stadtgebiet Euskirchen, da diese nach Ansicht des Vereins in der Innenstadt nicht mehr genug Futter finden.

»Tauben sind sehr ortstreue Tiere, das heißt sie fliegen auch nicht weit weg, wenn das Nahrungsangebot schwindet«, erklärt Sabine Terspecken. Nach Ansicht der Vorsitzenden des Vereins Tierhilfe Nordeifel ist das unter anderem in Euskirchen derzeit der Fall. Zum einen seien in Zeiten der Corona-Krise ohnehin viel weniger Menschen auf den Straßen als herkömmlich, die möglicherweise Essensreste auf der Straße »verlieren« könnten, außerdem seien aufgrund der aktuellen Beschränkungen weniger Gastronomiebetriebe geöffnet, die die Menschen in der Stadt frequentieren, als sonst.

Nahrungsangebot ist »übersichtlich«

»Das ‚Resteangebot‘ von dem sich die Tauben ernähren, ist also durchaus übersichtlich«, sagt Terspecken. Da das Füttern von Tauben in Euskirchen wie in vielen anderen Städten auch verboten ist, befürchten Sabine Terspecken und Ihre Mitstreiter der Tierhilfe Nordeifel, dass viele der ortstreuen Tiere aufgrund des eingeschränkten Nahrungsangebotes verhungern werden. »Unser Vorschlag an die Stadtverwaltung, dass Fütterungsverbot in Teilen zu lockern und speziell autorisierten Personen die Möglichkeit zu geben die Tiere zu füttern, ist auf wenig Gegenliebe gestoßen. Um das Verbot zu lockern sei ein Ratsbeschluss erforderlich. Uns wurde mitgeteilt, dass dieser jedoch aktuell nicht möglich sei, weil der Rat aufgrund der Krise nicht tage«, so Terspecken.
Die Verwaltung der Kreisstadt Euskirchen sieht derzeit keinen dringenden Handlungsbedarf, wie Pressesprecherin Silke Winter auf Anfrage des Wochenspiegel erklärte. »Auch unter den besonderen Umständen der aktuellen Situation achtet die Kreisstadt Euskirchen auf die Einhaltung der Belange des Tierschutzes«, erklärte Winter. Die Verwaltung habe ihre Mitarbeiter, die schwerpunktmäßig im Stadtgebiet unterwegs sind – insbesondere Technische Dienste, Ordnungsamt, Grünflächenamt – bereits zu Beginn der Corona-Krise für diese Thematik sensibilisiert. Man beobachte die Lage der Stadttauben genau, teilte die Verwaltung mit. »Ein erhöhtes Taubensterben konnte dabei von keinem der betroffenen Bereiche der Stadtverwaltung festgestellt werden«, betont Winter.

Verschiedene Maßnahmen sind denkbar

Für den Fall, dass tatsächlich ein erhöhtes Taubensterben festgestellt werden sollte, seien laut Stadtverwaltung kurzfristig verschiedene Maßnahmen denkbar. »Der pragmatischste Weg dürfte in diesem Fall eine Ausnahme beziehungsweise Erlaubnis nach Paragraf 21 (siehe Kasten) der Euskirchener Stadtordnung sein«, sagt Silke Winter. Aktuell gebe es dafür jedoch keinen Anlass, so die Pressesprecherin.

Füttern verboten

- Wildlebende Tiere, insbesondere Tauben, dürfen nach § 8 der Stadtordnung nicht gefüttert werden. Hier wird bei Verstößen ein Bußgeld von mindestens 60 Euro fällig. Als Füttern gilt auch das Auslegen oder Anbieten von Nahrungsmitteln in sonstiger Weise.

- § 21 Erlaubnisse, Ausnahmen: Auf Antrag können Erlaubnisse oder Ausnahmen von den Bestimmungen dieser Verordnung zugelassen  werden,  wenn  die  Interessen  des  Antragsstellers,  die  durch  die  Verordnung geschützten   öffentlichen   und   privaten   Interessen   im   Einzelfall,   nicht   nur   geringfügig überwiegen.

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Kommentar von Elke M.
Stadttauben sind unsere "Straßenhunde". Ausgesetzt und verlassen von den ehemaligen Besitzern, vermehren sie sich unkontrolliert. Die Tiere sind unschuldig in diese Situation geraten. Wenn man sie auch noch verhungern lässt ist das vorsätzliche Tierquälerei! Wenn man jemanden " bestrafen " will, dann sollten es die Verursacher sein.
Kommentar von Antonietta
Taubenzüchter haben den Tieren bereits vor vielen hundert Jahren angezüchtet, dass sie bis zu 8mal im Jahr brüten! Statt nur 1-2mal. Und die Tauben, die ihr in den Innenstädten seht, sind entweder gestrandete Brieftauben, die den Heimweg nicht mehr gefunden haben, oder die Nachkommen der Brieftauben.
In Deutschland gibt es laut PETA etwa 50.000 Taubenzüchter, die ihre Tiere auch für Wettflüge einsetzen. Das sind insgesamt etwa 2,5 Millionen Tiere (und Leute fragen sich, woher die ganzen Stadttauben kommen…).
Die Krux an der Sache: bis zu 50 Prozent der Tauben schaffen den Weg nicht zum Heimatschlag zurück und verenden in den Städten, paaren sich dann wiederum mit den Tauben, die bereits in den Städten leben. So wächst die Population weiter und weiter.
Kommentar von Sylvia Müller
Die Stadt will also beobachten, ob tote Tauben aufzufinden sind. Sterbende Tauben werden sich in irgendeine Ecke verkriechen, wo sie keinerlei Aufmerksamkeit auf sich ziehen, schon gar nicht die der Menschen und dort - selbstverständlich UNENTDECKT - verenden!

Uns wurde zum behördlichen Amtsweg von einem Landratsamt in Baden-Württemberg erklärt, dass eine AUSSETZUNG sehr wohl schwierig durchzuführen sei, eine DULDUNG allerdings, was die besagten Genehmigungen ja auch wären, sei vom Amtsweg her jedoch viel einfacher durchzuführen. Fütterungsgenehmigungen könnten von Beamten des Ordnungsamts ausgestellt werden - ich nehme mal an, dass die Behörden nach wie vor besetzt sind, oder?

Das Verhungern von Stadttauben stellt sehr wohl "einen nicht nur geringfügigen Einzelfall" dar!
Sie sind ihrer Nahrungsgrundlage entzogen - und vielfach wurden selbst die Brunnen nicht in Betrieb genommen, trotz der derzeitigen extremen Trockenheit. Hier besteht - sofern kein Gewässer sich um Flug-Radius der Stadttauben befindet - weiters auch die Gefahr des Verdurstenlassens im Raum.

Schon klar, dass sehr viele Taubenhasser nichts lieber sähen, als dass diese Vögel endlich sang- und klanglos verschwinden! Das sollte aber nicht das verdeckte Motiv einer Stadtverwaltung sein, die an geltendes Recht gebunden ist, um diesen Tieren absichtlich nicht zu helfen! Tierschutz ist Staatsziel gem. § 20 Grundgesetz, falls das die Herrschaften vergessen haben.