Julia Borsch

"Kirche kann auch weiblich und jung" - Eifelerin prägt das Kölner Domforum

VG Prüm/Köln/Region (bor). Carolin Hostert-Hack stammt aus dem Eifelkreis Bitburg-Prüm und leitet heute das Kölner Domforum. Wie sich Begegnungen in Zeiten des Umbruchs gestalten lassen und was Frauen in der Kirche bewirken können, erzählt sie im Gespräch mit dem WochenSpiegel.

Ihre Wurzeln aus dem Eifelkreis Bitburg-Prüm haben sie weit gebracht: Carolin Hostert-Hack leitet seit April 2026 als erste Frau das Domforum, das Informations- und Veranstaltungszentrum der katholischen Kirche in Köln.

Ihre Wurzeln aus dem Eifelkreis Bitburg-Prüm haben sie weit gebracht: Carolin Hostert-Hack leitet seit April 2026 als erste Frau das Domforum, das Informations- und Veranstaltungszentrum der katholischen Kirche in Köln.

Bild: Privat

Dass Carolin Hostert-Hack im Frühjahr 2026 als erste Frau die Leitung des Kölner Domforums und des Katholischen Bildungswerks übernommen hat, ist nach wie vor eine Besonderheit. "Die Reaktionen waren erstaunlich positiv", erklärt die 30-Jährige aus dem Eifelkreis Bitburg-Prüm. "Viele hätten wirklich nicht gedacht, dass sich Akteure des Erzbistums und des Bildungswerks für eine Frau an der Spitze des Domforums entscheiden. Kirche kann eben auch weiblich und jung."

Neben ihrem kirchlichen Engagement ist Hostert-Hack auch kommunalpolitisch für die CDU im Eifelkreis Bitburg-Prüm aktiv. Ein Angebot für einen Sitz im Europäischen Parlament schlug sie aus. Die Gründe dafür seien die Verantwortung für 45 Mitarbeitende, die besondere Chance, als Frau in der katholischen Kirche Verantwortung zu übernehmen und weil ihr die politische Perspektive über die verbleibenden drei Jahre hinaus zu unsicher gewesen sei.

Die Rolle der Frau in der katholischen Kirche hat sich in der Geschichte stark gewandelt. Im frühen Christentum übernahmen Frauen aktive Rollen in der Kirche. Nach der Institutionalisierung im vierten Jahrhundert wurden sie jedoch aus den Leitungsämtern vertrieben - es entstand eine männlich geführte Hierarchie. Noch heute seien Frauen in der katholischen Kirche vom Weiheamt ausgeschlossen.


Wie sich Frauen in der Kirche etablieren

Die studierte Theologin blickt aus einer besonderen Perspektive auf das Engagement junger Frauen in der Kirche. "Viele Frauen trauen sich zu wenig zu. Das ist eigentlich sehr tragisch. Es gibt Männer in Politik und Kirche, die sagen: Ich kann das. Frauen hinterfragen sich und ihre Fähigkeiten häufig selbst." Als Leiterin des Kölner Domforums möchte Carolin Hostert-Hack deshalb insbesondere junge Frauen ermutigen, mutig zu sein und sich selbst mehr zuzutrauen.

"Frauen können durchaus lauter sein", sagt die gebürtige Eifelerin: Gerade in ländlichen Pfarreien seien sie häufig die treibenden Kräfte und Initiatorinnen zahlreicher kirchlicher Projekte. Daraus leite sich für sie jedoch nicht zwangsläufig die Forderung nach der Einführung des Frauenpriestertums ab. Vielmehr gehe es darum, Ideen selbstbewusst einzubringen – auch auf die Gefahr hin, dass sie zunächst abgewiesen würden. Der Austausch mit Frauen, die ähnliche Wege bereits gegangen seien, sei dabei besonders wichtig. "Am Ende zieht man nicht alleine in die Schlacht." Ihr Appell an junge Frauen lautet deshalb: "Sie dürfen und müssen sich mehr trauen."


Herausfordernde Zeiten in Gesellschaft und Kirche

Die 30-Jährige übernimmt das Domforum in Zeiten großer gesellschaftlicher Herausforderungen. "Die Kirche hat noch nicht ganz verstanden, wie sie ihre Kernbotschaft zeitgemäß vermitteln kann. Häufig wird die katholische Kirche mit Missbrauchsfällen und einer gewissen Rückwärtsgewandtheit verbunden."

Der Schlüssel liege im offenen Dialog auf Augenhöhe. Als Leiterin der kirchlichen Einrichtung in Köln setzt Carolin Hostert-Hack auf moderne Formate, um insbesondere jungen Menschen neue Berührungspunkte mit dem Glauben zu eröffnen. "Kirche kann mehr als nur Gottesdienst", sagt sie. "Kirche schafft Begegnungen und Gemeinschaft – auch außerhalb des Kirchenraums." Als Beispiel nennt sie die mobile Jugendarbeit im Eifelkreis, die vielerorts von Caritasverbänden getragen wird.

Die Erfahrungen aus ihrer eher beschaulichen Heimat hat Carolin Hostert-Hack mit in die Domstadt genommen. "Die Menschen in der Eifel sind etwas ganz Besonderes – sie haben etwas Liebenswertes an sich. Dort habe ich viele prägende Erfahrungen sammeln können." Zugleich sieht sie deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land. In der Eifel seien die Menschen meist fest in ihre Pfarreien eingebunden und verfügten über gewachsene Gemeindestrukturen. Das Angebot sei dort zwar kleiner als in Köln, dafür seien die Bindungen oft enger. "Hier in der Großstadt suchen sich die Menschen ihre Angebote ganz bewusst aus."

Für Carolin Hostert-Hack eröffnen vielfältige Angebote mehr Möglichkeiten für Begegnung, Glauben und persönliche Entwicklung. Doch wo kann man junge Menschen abholen? Wo fängt man in diesen herausfordernden Zeiten an? "Das sind wirklich zwei der großen Fragen", entgegnet Hostert-Hack lachend. "Wir müssen uns nicht nur fragen, wie wir junge Menschen erreichen, sondern auch, wie wir Glauben auf eine moderne Weise vermitteln können."

Begegnungszentren wie das Kölner Domforum können nach Ansicht der Theologin genau da anknüpfen: "Jeder Mensch kann in ein Begegnungszentrum kommen. Sozialpädagogen vor Ort bieten unterschiedliche Beratungsangebote an." Dass diese Angebote auf Zuspruch stoßen, merkte Hostert-Hack bereits von Beginn an. "Es gibt Menschen, die jeden Tag zu uns kommen – einfach, um dazusitzen, einen Kaffee zu trinken und anderen Menschen zu begegnen. Das ist etwas total Schönes."