anw

Ente gut, alles gut

Alte Liebe rostet nicht - oder etwa doch? Jürgen Hertels Ente rollt jedenfalls seit 30 Jahren über die Straßen im Kreis. »Bis dass der TÜV uns scheidet«, sagt er.
Bilder

Ein Aufkleber mit dem Spruch »Ich fahr Ente bis zur Rente« ziert die Heckscheibe des Citroen 2CV von Jürgen Hertel. Vor 30 Jahren, als er das alte Schätzchen mit dem Spitznamen eines Vogels kaufte, war der Ruhestand noch weit entfernt. Mittlerweile ist der Euskirchener  63 Jahre alt und in Rente und - wer hätte es gedacht - er fährt noch immer Ente.
 Auch der TÜV konnte daran bisher nichts ändern, auch wenn Hertel zwischenzeitlich ein wenig nachhelfen musste. »Vor zehn Jahren war das Chassis komplett verrostet. Ich bin von Werkstatt zu Werkstatt getingelt, bis ich auf Enten-Manni, einen echten Experten was den 2CV angeht, gestoßen bin«, erzählt Jürgen Hertel. Jede Schraube habe der Fachmann aus der tiefsten Eifel geölt, den Motor und das Getriebe überholt und es sogar geschafft, dass er dank neuer Sitzbezüge roch wie frisch aus dem Ei - nein aus der Fabrik gekommen. »Trotzdem sind alle Teile meiner Ente Original«, ist er stolz. Sechs Monate lang hat die Restaurierung gedauert. »Sie fährt ohne zu quiecken, wohlmöglich lebt sie nun länger als wir«, erzählt Jürgen Hertel lachend.
Denn so häufig wie früher ist der 27 PS-starke Oldtimer, Baujahr `86, nicht mehr auf den Straßen im Kreis Euskirchen zu sehen. Von November bis einschließlich März steht der »Döschewo« (2CV), bei einer Nachbarin in der Scheune.  »Früher war sie Gebrauchsgegenstand, heute führen wir sie nur noch bei schönem Wetter aus oder wenn wir entschleunigen wollen«, so Enten-Mutti Christine Hertel.
 Denn die Allerhöchstehöchstgeschwindigkeit liegt bei 120 km/h unter günstigen Bedingungen (Rückenwind in Orkanstärke, extrem steile Talfahrt).  »Entenfahrer sind Leute, die das Autofahren genießen, nicht rasen und freundlich sind. Wir grüßen uns auch untereinander. Ente fahren ist ein Lebensgefühl«, schwärmt Jürgen Hertel und ergänzt: »Wenn einem der Wind der Naturklimaanlage um die Nase weht und über Kopfsteinpflaster fährt aber nichts ruckelt, ist das einfach herrlich«.
 Apropos Federung: Als Christine Hertel in Umständen war und die Wehen damals einsetzten, kam für sie die Fahrt zum Krankenhaus nur mit dem 2CV in Frage. Die weiche Federung schaukelte sie in den Kreißsaal. Die fahrbare Ente war sozusagen der erste Familienzuwachs, danach folgten nur noch zweibeinige (Martin und Nina). Jürgen Hertel: »Der  beste Kauf meines Lebens war der Döschewo«. Die Ente Pierre Boulanger gilt als der geistige Vater des 2CVs, der sogenannten Ente. Am 7. Oktober 1948 hat er den Wagen des Autobauers Citroen auf dem Pariser Autosalon vorgestellt.
Boulangers Auftrag an den Chef-Konstrukteur lautete: »Preiswertes Auto mit wenig Verbrauch, Platz für zwei Bauern mit Stiefeln, ein Zentner Kartoffeln, ein Fässchen Wein und ein Korb mit Eiern, die während der Fahrt nicht kaputt gehen dürfen«, heißt es