Frederik Scholl

Viele Tafeln spüren die Krise

Kreis Euskirchen. Gestiegene Lebensmittel- und Kraftstoffpreise, Flutfolgen und mehr Bedürftige durch die Ukrainekrise machen Tafeln zu schaffen.

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Großer Andrang bei der Lebensmittelausgabe der Euskirchener Tafel. Weil sich die Zahl der Kunden verdoppelt hat, musste die Tafel die Abholer auf verschiedene Tage »aufteilen«.

Großer Andrang bei der Lebensmittelausgabe der Euskirchener Tafel. Weil sich die Zahl der Kunden verdoppelt hat, musste die Tafel die Abholer auf verschiedene Tage »aufteilen«.

Foto: Symbolfoto: Tafel Euskirchen

»Durch den Krieg in der Ukraine kommen immer mehr Geflüchtete zu uns. Und auch die Zahl der einheimischen Abnehmer ist in den letzten Monaten stark angestiegen«, sagt Walter Feckinghaus, Pressesprecher der Euskirchener Tafel. Eine Ursache für den Anstieg seien die stark gestiegenen Lebensmittelpreise. »Es kommen auch mehr Deutsche für die dadurch vermutlich jetzt eine Grenze überschritten ist«, sagt Feckinghaus. Die Zahl der Abholer bei der Tafel in Euskirchen habe sich seit Beginn des Krieges verdoppelt. »Mittlerweile sind es 400 Menschen aus der Ukraine, die wir zusätzlich zu unseren bisherigen Kunden versorgen«, erklärt der Tafel-Mitarbeiter. Wir helfen gerne, aber das ist bei zwei Abholterminen in der Woche für uns nicht mehr zu stemmen«, sagt Feckinghaus.

Um den Andrang bei der Lebensmittelausgabe bewältigen zu können, hat die Euskirchener Tafel jetzt ihren Ausgabemodus verändert. Alle Kunden, die auf ihrem Tafelausweis die Endnummern (letzte Ziffer der Registrierungsnummer) 1,3,5,7,9 haben, erhalten ab sofort nur noch dienstags Lebensmittel. Wer die Endnummern 0,2,4,6,8 hat, erhält nur noch bei der Freitagsausgabe Lebensmittel. »Wir haben das Glück, dass wir mit einigen unserer langjährigen Kunden, die Deutsch und Russisch sprechen, sozusagen Dolmetscher haben«, sagt Feckinghaus.

»Vor allen mangelt es an haltbaren Lebensmitteln«

»Vor allen mangelt es an haltbaren Lebensmitteln« Dass offenbar mehr gehortet wird, bekomme man bei der Tafel zu spüren. »Was im Discounter fehlt, fehlt bei uns erst recht«, sagt der Ehrenamtler. Vor allen mangele es an haltbaren Lebensmitteln. Zwar sei es das Ziel der Tafel Lebensmittel vor dem Verderben und Wegwerfen zu retten, aber zur Zeit müsse man darüber nachdenken noch Produkte hinzu zu kaufen um den Mangel auszugleichen. »Das geht aber nur, wenn wir dafür zweckgebundene Spenden für Lebensmittel erhalten. Momentan ist es so, dass wir die Dinge aufteilen müssen, damit jeder etwas bekommt«, sagt Feckinghaus. Spendenkonto und weitere Infos unter https://euskirchener-tafel.de/

Bei der Tafel in Weilerswist werden rund 135 Familien versorgt. Momentan komme man zwar trotz gestiegener Kundenzahlen durch Zuwachs aus der Ukraine in puncto Lebensmitteln noch über die Runden, aber für Geschäftsführer Bernd Schlösser ist es nur eine Frage der Zeit bis man reagieren müsse. Neben hohen Kraftstoffkosten für die Sammelfahrzeuge der Tafel, teure Entsorgungskosten für Biomüll der unweigerlich zurückbleibt, plagen die Weilerswister Tafel vor allem Personalsorgen. »Zur Verstärkung unseres ehrenamtlichen Teams suchen wir dringend Fahrer oder Warensortierer, die uns wochentags in den Vormittagsstunden bis etwa 14 unterstützen. Gerne auch nur Stundenweise, denn jede Stunde hilft uns. Selbstverständlich berücksichtigen wir dabei zeitliche Vakanzen der Helfer«, sagt Schlösser. Wer helfen möchte kann unter Tel.: 02251-129925 oder per Mail an info@weilerswister-tafel.de Kontakt aufnehmen. »Ich finde es traurig. Es gibt doch sicherlich einige, die ein paar Stunden Zeit erübrigen können um anderen zu helfen. Leider sind viele Menschen sich heutzutage selbst am nächsten«, sagt Schlösser. Spendenkonto und Infos unter www.weilerswister-tafel.de

Bei der Tafel in Bad Münstereifel hat man noch mit den Folgen der Flutkatastrophe zu kämpfen. Hier hatte das Hochwasser unter anderem das Lager und die Fahrzeuge zerstört. »Wir werden in den kommenden Tagen unser Lager wieder einräumen können und dann hoffentlich Ende Mai, sobald die Genehmigung der Stadt da ist, loslegen können«, sagt der Vorsitzende Hans-Joachim Pohl.

Auch bei der Tafel in Zülpich hat sich die Zahl der Kunden seit Beginn der Ukrainekrise verdoppelt. »Es gibt viel zu tun, aber Grund zur Klage haben wir nicht«, sagt der Vorsitzende Peter Eppelt. Zwar merke man, dass bestimmte Lebensmittel fehlen, aber es sei noch genug für die Kunden der Zülpicher Tafel vorhanden. Infos unter http://www.tafel.zuelpich.de/