

In Euskirchen trotzten viele Jecken dem Regen und versammelten sich vor dem Veybach-Center zur Eröffnung des Straßenkarnevals. Prinzessin Colette I. (Leber) und Küfer Rodney (Smith) übernahmen das Kommando über die Euskirchener Narren.
Bürgermeister Sacha Reichelt, der an diesem Tag zudem seinen Geburtstag feierte, zeigte sich in Feierlaune. Bevor er jedoch den Schlüssel zur Stadt überreichte, stellte er die Tollität vor eine Aufgabe: Aus dem Publikum sollten verschiedene Gegenstände organisiert werden – darunter ein Orden, der Schal einer befreundeten Karnevalsgesellschaft aus den Ortsteilen, ein Stück Krawatte, ein Teil eines Kostüms sowie ein frisch gezapftes Kölsch.
Die Adjutanten lösten die Aufgabe in Windeseile und mit Bravour. Erst danach wechselte der Schlüssel den Besitzer. „Ich lade an meinem Ehrentag alle auf ein Kölsch ein und wünsche unseren Tollitäten und allen Feiernden einen tollen Karneval“, sagte Sacha Reichelt und gratulierte der Prinzessin zur gelungenen Machtübernahme.
Auch in Mechernich hatten sich sehr viele Menschen auf dem Rathausvorplatz versammelt, um das erste karnevalistische Kräftemessen des neuen Bürgermeisters Michael Fingel mit Prinz Torsten I. (Krieg) zu verfolgen.
Es wurde großes Geschütz aufgefahren: Während die Bürgerwehr das Rathaus mit einer dicken Kanone ins Visier nahm, verteidigte sich Bürgermeister Michael Fingel mit einer Muskete. Doch trotz allem Geschützdonnern: Am Ende jedoch blieb ihm – wie es gute Tradition ist – nur die weiße Fahne. Er kapitulierte und übergab den Stadtschlüssel an die Narrenschar.
Für Michael Fingel war es eine Premiere. „Ich stehe heute hier zum ersten Mal als Bürgermeister im Karneval, im Herbst gewählt, seit November im Amt – und jetzt schon mittendrin“, rief er den Jecken zu. „Noch nicht mal richtig angekommen, wird mir das Rathaus schon wieder genommen.“
In gereimter Form nahm er den Rathausalltag aufs Korn und verglich ihn mit einer Zirkusmanege: „Da brüllt der Löwe, da stolpert der Clown. Da hinten halte ich den Beigeordneten im Zaun.“ Auch die Finanzen bekamen ihr Fett weg: „Im Tresor sind keine Kohlen zu holen, denn die Kassen sind leer.“ Dennoch versprach er augenzwinkernd: „Ich sage frei heraus, ich gebe nachher trotzdem einen aus.“
Prinz Torsten I. zeigte sich erfreut über die Kapitulation: „Vom ersten Moment an hatte ich das innere Bedürfnis, an deinem Stuhl zu sägen. Dass es so einfach ist, hätte ich nicht gedacht“, scherzte er in Richtung des Bürgermeisters.
Als neuer Regent verkündete er sodann die elf närrischen Paragraphen. Darin heißt es unter anderem: „Ab sofort feiern alle mit, egal ob auf der Straße, zu Hause oder in den Kneipen.“ Weiter ordnete er an, dass dem Prinzen und seinem Gefolge stets „Verpflegung in Form von Bier und Fettbrötchen“ bereitzustellen sei. Und: „Niemand geht allein nach Hause.“ Selbst das Parken wurde neu geregelt: „Hubraumstärkere Vehikel dürfen auch zwei Parkbuchten benutzen.“
Unterstützt wurden der Mechernicher Prinz von von den Tollitäten und zahlreichen Karnevalsvereinen aus dem gesamten Mechernicher Stadtgebiet, die gemeinsam halfen, den Stadtschlüssel zu erobern. Lediglich die Kommerner Greesberger fehlten entschuldigt, da zeitgleich der große Kinderzug durch Kommern zog.
Damit ist die fünfte Jahreszeit im Kreis Euskirchen nun endgültig eingeläutet. Bis Aschermittwoch regieren die Jecken – erst dann kehren die Bürgermeister in ihre Amtsstuben zurück und holen sich die Schlüssel der Macht wieder ab.




