Michael Nielen

Tag des Notrufs 112 – wenn jede Sekunde zählt

Ein Anruf, ein Klingelton – und im Hintergrund beginnt ein komplexes Zusammenspiel aus Technik, Erfahrung und schnellen Entscheidungen. In der Leitstelle des Kreis Euskirchen laufen rund um die Uhr Notrufe auf.
Martin Fehrmann (re.) wirbt dafür, die »Nora«-Notrufapp auf dem Smartphone zu installieren. Neben ihm warben Markus Neuburg, Leiter der Kreisleitstelle, und Peter Jonas, Teamleitung Brandschutz, Hilfeleistung, Katastrophen- und Bevölkerungsschutz beim Kreis Euskirchen, für die 112.

Martin Fehrmann (re.) wirbt dafür, die »Nora«-Notrufapp auf dem Smartphone zu installieren. Neben ihm warben Markus Neuburg, Leiter der Kreisleitstelle, und Peter Jonas, Teamleitung Brandschutz, Hilfeleistung, Katastrophen- und Bevölkerungsschutz beim Kreis Euskirchen, für die 112.

Bild: Michael Nielen

Rund 54.000 Notrufe gehen jährlich in der Feuer- und Rettungsleitstelle des Kreises Euskirchen ein. Hinzu kommen etwa 340 automatische Notrufe aus Fahrzeugen. Insgesamt werden rund 150.000 ein- und ausgehende Telefonate geführt. Die Disponenten alarmieren die passenden Einsatzkräfte und koordinieren die Hilfe – oft parallel für mehrere Lagen gleichzeitig.

Am Mittwoch, 11. Februar, war wieder der Europäische Tag des Notrufs 112.

»Der 11. Februar passt perfekt, denn 11.2. steht für die 112«, sagt Martin Fehrmann, Abteilungsleiter Gefahrenabwehr beim Kreis Euskirchen. Seit 2009 wird der 11. Februar als »European 112 Day« begangen, um die Bekanntheit und den richtigen Gebrauch der 112 weiter zu stärken.

»Rund 90 Prozent der Notrufe kommen inzwischen über das Handy«, erläutert Fehrmann. Selbst innerhalb von Gebäuden greife heute kaum noch jemand zum Festnetztelefon. »Selbst im Gebäude, also wenn jetzt hier jemand ist, geht ja jetzt keiner da vorne zu dem Telefon, sondern jeder nimmt das Handy und ruft jetzt damit an.«

Ein großer Fortschritt ist die automatische Ortung bei Notrufen. »Beim ersten Klingeln sind dann halt auch die Daten übermittelt«, so Fehrmann. Das Handy hat ein GPS-Modul integriert und kann auf den Meter genau geortet werden. Die Ortung ist aber nur für Notrufzwecke freigeschaltet und die Daten werden nicht gespeichert.

Was viele nicht wissen: Wer versehentlich die 110 statt der 112 wählt, bekommt trotzdem Hilfe. Die Polizei leitet die Information weiter. »Wir haben die Verbindungen zwischen Polizeileitstelle und Feuer- und Rettungsleitstelle. Diese Verbindungen sind auch immer offen. Das heißt, da kann also kein anderes Gespräch drüber geführt werden.«

Trotzdem werbe man immer dafür, die richtige Notrufnummer zu wählen, denn jede Sekunde könne im Ernstfall entscheidend sein.

Eine immer größere Rolle spielt der sogenannte eCall. »Dabei setzt das Auto nach einem schweren Unfall selbstständig einen Notruf ab und übermittelt wichtige Daten«, erklärt Markus Neuburg, Leiter der Kreisleitstelle. »Wir haben im Jahr aktuell circa 340 davon ausgelöste E-Calls.« Seit 2018 sind eCall-Systeme für alle neu zugelassenen Fahrzeugtypen verpflichtend. Das System übermittelt automatisch die Fahrzeugidentifikationsnummer, wie viele Insassen im Fahrzeug sind, ob Airbags ausgelöst haben, die letzten GPS-Positionen und in welche Fahrtrichtung sich das Fahrzeug bewegt hat.

Die Statistik zeigt die Vielfalt der Einsätze: Circa 30.000 Rettungsdienseinsätze, 8.500 Krankentransporte, 1.150 Brandeinsätze, 390 ausgelöste Brandmeldeanlagen, 1.300 technische Hilfeleistungseinsätze sowie 550 ABC- und CBRN-Einsätze – im Schnitt circa 115 Einsätze pro Tag.

Die Experten appellieren an die Bevölkerung, bei Notfällen nicht zu zögern. »Rufen Sie an, auch wenn es den Einsatz schon gibt«, betont Fehrmann. Denn oft liefern weitere Anrufer zusätzliche wichtige Informationen, die den Einsatzkräften helfen können.

Wichtig ist: Für gesundheitliche Beschwerden, die nicht lebensbedrohlich sind, aber ärztlich abgeklärt werden sollten, ist der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der 116117 die passende Anlaufstelle. Für Menschen, die aufgrund einer Hör- oder Sprachbeeinträchtigung nicht oder nur eingeschränkt telefonieren können, gibt es die »Nora« Notruf-App. Sie ist die offizielle, kostenlose Notruf-App der deutschen Bundesländer und ermöglicht es, Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst barrierefrei per Smartphone zu erreichen – auch ohne sprechen zu müssen. Die Leitstelle des Kreises Euskirchen ist auch an dieses System angeschlossen.


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