TV-Star setzt sich für Flutopfer ein

WochenSpiegel sprach mit Stefan Bockelmann

Idar-Oberstein Stadt. Stefan Bockelmann aus Traben-Trarbach ist Schauspieler und steht seit dem Sommer für die Daily Soap „Alles was zählt“ vor der Kamera. Seit vielen Jahren ist er Botschafter der Soonwaldstiftung „Hilfe für Kinder in Not“ aus Kirn. Momentan setzt er sich in dieser Funktion für schnelle und unbürokratische Hilfe der betroffenen Familien ein und wirbt für Spenden, die 1:1 den Betroffenen zu Gute kommen. Wir sprachen mit dem TV-Star über die dramatische Situation, die noch lange nicht bewältigt ist

Herr Bockelmann, als „Botschafter der guten Taten“ stoßen Sie Hilfsprojekte in den Flutgebieten an, telefonieren mit den Opfern, Wie konkret können Sie helfen?


Durch Kontaktpersonen vor Ort in den Katastrophengebieten, sei es durch ehrenamtliche Helfer, Hilfsorganisationen oder durch betroffene Familien bekomme ich Kontakt zu den Opfern. In einem persönlichen Telefonat mache ich mir ein Bild der Situation dieser Familien, leite eine Fallbeschreibung an die Soonwaldstiftung und unseren Antrag für die Soforthilfe an die Familien weiter. Sobald die Anträge bei uns eingehen, werden diese von der Stiftung geprüft und binnen 24 Stunden erhalten die Familien unsere finanzielle Soforthilfe.

Auch wenn die Katastrophengebiete in den Medien nicht mehr allgegenwärtig sind, was brauchen die Menschen am meisten?

Geld und Handwerker. Viele Familien sind nicht gegen die Flut versichert gewesen und haben zum Teil einen hohen sechsstelligen Betrag zu stemmen. Zum Teil sind deren Häuser erst kurz vor der Flut kernsaniert worden und sie haben daher auch noch den laufenden Kredit zu stemmen. Andere warten vergeblich auf Gutachten, um beim Land für den Wiederaufbau Anträge stellen zu können. Diese Gutachten, zum Teil sehr aufwendig und detailliert, müssen die Familien auch zunächst aus eigener Tasche bezahlen. Zudem fehlen Vielen einfach die finanziellen Mittel, um ihre Immobilien wieder fachmännisch instand zu setzten. Da wird jede freiwillige ehrenamtliche Hand für den Wiederaufbau gebraucht.

Viele erschütternde Einzelschicksale traten nach dem Hochwasser zutage. Welche sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Ich habe bereits mit über 100 Familien persönlich telefoniert. Jeder trägt auf seine individuelle Weise ein großes Leid mit sich. Familien, die bereits die Hoffnung aufgegeben haben und durch meine Kontaktaufnahme und die schnelle Hilfe der Soonwaldstiftung wieder neuen Mut gefasst haben, weiter zu machen. Familien, die selber unsere Hilfe abgelehnt haben, da sie der Meinung waren, andere hat es schlimmer getroffen und mir (fast) täglich neue Kontakte zu anderen betroffenen Familien geben. Eine alleinerziehende Mutter, die einen Schaden von rund 150.000 Euro an ihrem Haus zu finanzieren hat, aber für ihre beiden Söhne um ein Fahrrad gebeten hat, damit die Jungs mobiler sind, da zum Teil der Weg zur Schule mit dem Bus um ein vierfaches länger ist, aufgrund der zerstörten Verbindungsstraßen. Ich war am 3. Advent persönlich vor Ort im Ahrtal und in Swisttal Odendorf. Ich habe bereits zahlreiche Fotonachweise der betroffenen Häuser durch unsere Anträge gesehen, aber das ganz wahrhaftig vor Auge zu haben, verschlägt einem die Sprache. Fünf Monate nach der Flut gibt es Häuser, die noch völlig von der Katastrophe gezeichnet sind.


Gab es auch positive Momente trotz all‘ diesem Leid?

Die gegenseitige Unterstützung und die zahlreichen Helfer, die zum Teil aus ganz Deutschland in die Katastrophengebiete gefahren sind, um zu helfen. Eine Familie berichtete, dass auf einmal, während der ersten Stunden nach der Flut, 20 wildfremde Menschen auf sie zukamen und  ganze vier Tage halfen, das Haus von Schutt und Schlamm zu befreien. Das Miteinander zählt. Und das ist dort ganz deutlich zu spüren.


Die Fragen stellte
Klaus D. Desinger


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