Robert Syska

Neue Produkte aus altem Kunststoff

Birkenfeld. Der Umwelt-Campus und das Unternehmen Neveon haben gemeinsam ein neues Recycling-Verfahren entwickelt.

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Das neue Verfahren kann Mischungen aus verschiedenen Kunststoffabfällen, verschmutzte Kunststoffe und sogar gesammeltes Meeresplastik behandeln.

Das neue Verfahren kann Mischungen aus verschiedenen Kunststoffabfällen, verschmutzte Kunststoffe und sogar gesammeltes Meeresplastik behandeln.

Foto: Umweltcampus Birkenfeld

Der Umwelt-Campus Birkenfeld hat gemeinsam mit dem Unternehmen Neveon dem größten Polyurethanhersteller Europas, ein Verfahren entwickelt, das aus alten Matratzen, Polstern und Plastikverpackungen wertvolle Produkte für die Industrie zurückgewinnt.

Dabei werden zwei Verfahren kombiniert. Mit der hydrothermalen Karbonisierung werden Polyurethan-Schaumstoffe und Plastik so behandelt, dass sie anschließend als trockenes Granulat vorliegen. Das Granulat wird dann durch einen Hochtemperaturprozess, genannt Pyrolyse, in Gas, Öl für die Mineralölindustrie und in Koks umgewandelt. Aus dem Koks werden dann wertvolle Produkte wie Aktivkohle und sogenanntes Carbon Black, das als Schwarzpigment beispielsweise in Farben und Lacken Anwendung findet, hergestellt.

»Das Verfahren beseitigt nicht nur problematische Abfallstoffe, die sonst häufig nur thermisch verwertet oder sogar im Ausland entsorgt werden, sondern erzeugt hochwertige neue Produkte wie Carbon Black deutlich umweltfreundlicher, als es bisher möglich war«, heißt es in der Meldung der Hochschule. Mit dem Verfahren können sowohl Mischungen aus verschiedenen Kunststoffabfällen, verschmutzte Kunststoffe und sogar gesammeltes Meeresplastik behandelt werden. Durch das zweistufige Verfahren werden auch feuchte Abfallstoffe und Reste von Lebensmitteln sowie andere organische Verschmutzungen in wertvolle Kohleprodukte umgewandelt. Ein deutlicher Vorteil gegenüber herkömmlichen Verfahren: Verschmutzte Kunststoffe und Verpackungen, die aus vielen unterschiedlichen miteinander verbundenen Kunststoffschichten bestehen, eignen sich bislang praktisch nur zum Downcycling, also dem Herstellen minderwertiger Produkte. Ein Großteil geht jedoch immer noch in Müllverbrennungsanlage, wird zur Herstellung von Zement thermisch verwertet oder - schlimmstenfalls - einfach in andere Länder exportiert.


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