Robert Syska

Ohne Gegenkandidat: OB Frank Frühauf stellt sich zur Wiederwahl

Idar-Oberstein. Als einziger Kandidat tritt Frank Frühauf am Sonntag zur OB-Wahl an. Wir sprachen mit dem Amtsinhaber über den ungewöhnlichen Wahlgang.

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Herr Frühauf, ist das nicht merkwürdig, als einziger Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters zu kandidieren?
Sicherlich ist dies eine außergewöhnliche Situation. Einerseits interpretiere ich das Ausbleiben anderer Kandidatinnen oder Kandidaten als Bestätigung meiner Arbeit, andererseits ist dies für den demokratischen Diskurs nicht wirklich erfreulich. Ich sehe das als Wertschätzung, die mich weiter anspornt und wünsche mir trotzdem eine hohe Wahlbeteiligung und ein sehr gutes Ergebnis, das mir Rückenwind für eine weitere Amtszeit gibt. Darum kämpfe ich. Denn eines muss man klar sagen: Auch ohne Gegenkandidaten ist die Wahl nicht entschieden. Jede Stimme zählt.

Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass andere Parteien niemand ins Rennen geschickt haben?
Das müssen die anderen Parteien letzten Endes beantworten. Ich versuche, meine Arbeit bestmöglich zu machen und nun für meine Pläne zu werben. Ich sehe mich als einen sehr bürgernahen und erfahrenen Oberbürgermeister, das gilt es jeden Tag aufs Neue zu beweisen.

Sie amtieren bereits seit acht Jahren als Stadtoberhaupt. Die letzten davon sind geprägt von Pandemie und nun noch dem Kriegin der Ukraine. Spornen schwierige Situationen Sie an oder haben Sie auch schon mal überlegt, alles hinzuschmeißen?
Jeder, der sich für solch ein Amt bewirbt, sollte sich seiner Verantwortung bewusst sein. Die Herausforderungen und Aufgaben werden sicherlich nicht einfacher, aber dieser Gedanke kam mir noch nie - egal wie herausfordernd oder anstrengend mancher Tag gewesen sein mag. Ich lebe für dieses Amt.

Sie werden oft als Krisenmanager gelobt. Was machen Sie anders als andere?
Ich denke, dass ich den Bürgerinnen und Bürgern durch meine Präsenz, auch in den sozialen Medien zeige, dass Sie nicht allein gelassen werden in Krisen. Das wurde auch in der Corona-Pandemie besonders deutlich, als ich die Bürgerinnen und Bürgern täglich informiert habe und mich vielen Fragen persönlich stellte. Im Endeffekt versuche ich dieses Amt einfach ganzheitlich zu leben. Ich hoffe, dass das honoriert wird.

Neben den vielen schlechten, gibt es aber auch sehr gute Nachrichten. Dank Biontech wird Idar-Oberstein künftig eine reiche Stadt?
Eine reiche Stadt kann man wohl noch nicht sagen, da keiner mit Sicherheit weiß, wie sich die Gewerbesteuerzahlungen in den nächsten Jahren entwickeln werden. Sicherlich konnten wir jetzt als zunächst einmal schuldenfrei werden und gestärkt in Planungen für die Zukunft gehen, um Idar-Oberstein gemeinsam weiterzuentwickeln.

Wovon profitieren Unternehmen und Bürger ob des Geldsegens?
Als allererstes von der Herabsetzung der Gewerbesteuer und der Grundstückssteuer. Damit haben wir jetzt die niedrigsten Sätze in Rheinland-Pfalz. Auch werden wir nachhaltig in die Zukunft der Stadt investieren.

Stichwort Biontech als Magnet: Welche weitere Unternehmen sich in der Stadt niederlassen?
Die nächste große Firma wird Polymer sein in unserem neuen Gewerbegebiet. Dort entstehen in den nächsten Jahren mehr als 300 Arbeitsplätze. Ich denke, dass weitere Ansiedlungen auch von kleineren Unternehmen folgen werden. Dafür arbeiten wir tagtäglich gemeinsam mit unserer Wirtschaftsförderung. Hinzu kommen die neuen Gewerbesteuersätze. Idar-Oberstein hat nun die Chance, sich als Wirtschaftstandort zu etablieren, der Tradition und Moderne auf besondere Art und Weise verbindet. Diese Chancen wollen wir ergreifen.

Eine zentrale Aufgabe wird nun die Vorantreibung der Infrastruktur sein. Wohnraum, Kita-Plätze, qualifiziertes Personal. Vor allem aber eine Aufwertung der Stadtzentren Idar und Oberstein. Auf welche neuen Geschäfte und Attraktionen können sich Einheimische und Zugereiste freuen?
Wir werden neue Kitaplätze schaffen und es wird auch eine zentrale Aufgabe sein, gutes bezahlbares Wohnen zu gewährleisten. An touristischen Attraktionen arbeiten wir ebenfalls, außerdem verspricht der Erlebnispark an der Messe ein weiteres Highlight zu werden. Durch die Entstehung eines Hotels in Oberstein, erhoffen wir uns natürlich weitere Impulse für neue Geschäfte in der Stadt.

Was war Ihre schwierigste Aufgabe in den letzten Jahren und auf welche freuen Sie sich am meisten in der kommenden Zeit?
Schwierig war es sicherlich in den letzten Jahren bei einem hoch defizitären Haushalt die Stadt weiterzuentwickeln. Jetzt - durch unsere gute Haushaltslage - dürfen wir uns endlich auch andere Aktivitäten leisten und die Attraktivität Idar-Obersteins Schritt für Schritt weiter erhöhen. Auch die Corona-Pandemie war zweifelsohne herausfordernd. Ich musste mit konkreten Drohungen umgehen, was natürlich keine einfache Erfahrung war. Dennoch blicke ich auch auf diese Zeit positiv zurück, da mich das unglaubliche Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger wirklich beeindruckte.

Sie sind ein viel beschäftigter Politiker. Wie regenerieren Sie, was machen Sie Schönes, um herunterzukommen und abzuschalten?
Ich gehe gerne und viel in der Natur spazieren, was man in unserer Region natürlich sehr gut kann. Außerdem koche ich sehr gerne, was mich entspannt.

Viele Bürger sind der Meinung, dass Sie ja sowieso an der Macht bleiben. Dennoch ist es ganz wichtig, am Sonntag zur Wahl zu gehen. Können Sie erklären, warum?
Diese Wahl ist noch nicht entschieden und ich bitte alle Bürgerinnen und Bürger von Ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Eine hohe Wahlbeteiligung und viele Ja-Stimmen sind wichtiger Rückenwind für die anstehenden Projekte. Und nochmal: Die Wahl ist nicht entschieden. Ich brauche mehr Ja- als Nein-Stimmen. Daher bitte ich um diese Unterstützung.

Die Fragen stellte unser Redakteur Klaus D. Desinger.

Nur ein Kandidat - was bedeutet das?

Mit dem Ablauf der Bewerbungsfrist am 9. Mai war klar: Amtsinhaber Frank Frühauf geht als einziger Kandidat ins OB-Rennen am 26. Juni. Dennoch ändere sich nichts am Wahlverfahren, wie der Wahlleiter, Bürgermeister Friedrich Marx, betont. Auch bei nur einem Kandidaten gibt es eine demokratische Entscheidungsmöglichkeit. "Die Stimmberechtigten haben die Wahl, für oder gegen den Bewerber zu stimmen." Erhält Frühauf mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen, ist er gewählt.