Klaus Desinger

Zeit für den Hundeführerschein

Im Zusammenhang mit dem Angriff eines Hundes auf eine Radfahrerin in Idar-Oberstein fordert die Tierrechtsorganisation PETA, dass Halter einen Hundeführerschein absolvieren sollten.
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Symbolfoto: Klaus Desinger

Symbolfoto: Klaus Desinger

Es war nicht der erste Fall in der Region, bei dem ein Vierbeiner Menschen angriff: Am Tag vor Heiligabend attackierte ein kleiner Hund, der sich von der Leine losgerissen hatte, eine Radfahrerin in einem Waldgebiet im Tiefensteiner Staden und biss zu.  Der Halter meldete sich dann am Abend des 1. Weihnachtstags bei der Polizei, die den Sachverhalt nun genauer ermittelt.

Problem liegt beim Halter, nicht beim Hund


„Meist liegt das Problem nicht beim Hund, sondern am anderen Ende der Leine“, so Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei PETA. „Viele Halterinnen und Halter können das Verhalten, die Signale und die Körpersprache ihres Vierbeiners nicht richtig deuten und einschätzen. Somit ist die wahre Ursache für Beißattacken bei ihnen zu suchen – nicht beim Tier. Jeder Hund, der falsch gehalten oder behandelt wird, kann zu einer Gefahr für Mensch und Tier werden – unabhängig davon, ob er einer ‚Rasse‘ angehört oder ein ‚Mix’ ist.“ Der Hundeführerschein sieht vor, dass potenzielle Halter schon vor der Anschaffung eines Vierbeiners die theoretischen Grundlagen im Umgang mit den Tieren lernen, sich das notwendige Wissen über eine tiergerechte Haltung und bezüglich der Kommunikation zwischen Mensch und Hund aneignen. Daran schließt sich ein Praxisseminar in einer Hundeschule an. In Niedersachsen ist der Hundeführerschein bereist seit 2013 verpflichtend. Seitdem gab es weit weniger Vorfälle mit Beißangriffen. Einer Umfrage zufolge sprechen sich 65 Prozent der Deutschen für diese Lizenz aus.

Häufig Fehlinterpretaionen des Hundes


»Ein verpflichtender Hundeführerschein hat einen weiteren Vorteil: Er kann Menschen, die sich noch nicht ausführlich mit der Hundehaltung auseinandergesetzt haben, von einem eventuellen Impulskauf abhalten. Jedes Jahr landen 80.000 Hunde in deutschen Tierheimen, darunter sehr viele Tiere, die unüberlegt angeschafft wurden«, heißt es von Seiten der Tierrechtsorganisation. Wo es Hundeschulen gibt, erfahren Sie bei den örtlichen Tierheimen. Hintergrund: Hunde sind nicht von Natur aus aggressiv. Viele Beißattacken lassen sich auf Fehlinterpretationen des Verhaltens der Tiere zurückführen, aber auch eine falsche Haltung oder gewaltsame Erziehung können die Ursache sein. TV-Hundeprofi Martin Rütter befürwortet den Führerschein: »Das ist die Lösung schlechthin. Da ließen sich mit einer relativ kurzen Schulung der Grundkenntnisse erheblich verbessern«, so der Experte.

Kommentar von Klaus D. Desinger:

An der belgischen Nordseeküste wurde vorige Woche ein kleiner Seehund von einem freilaufenden Hund totgebissen. Dabei gilt auch dort am Strand eine Leinenpflicht. Immer wieder kommt es zu lebensgefährlichen Attacken von Vierbeinern auf andere Lebewesen. Fatal: Die meisten Hundehalter glauben, dass sie den Umgang mit Bello & Co beherrschen. Weit gefehlt! Daher fordert auch TV-Hundeprofi Martin Rütter die Einführung des  Führerscheins für die Besitzer der Tiere. Dem schließe ich mich absolut an.