Stephanie Baumann

Neues Buch zeichnet jüdische Familiengeschichten an der Mosel nach

Traben-Trarbach/Kröv. Wie lebten jüdische Familien in Kröv und Traben-Trarbach, welche Spuren hinterließen sie in den Gemeinden – und was geschah mit ihnen während der NS-Zeit? Diesen Fragen widmet sich das neue Buch »Jüdische Familien in Kröv und Traben-Trarbach«, das im Rhein-Mosel-Verlag erschienen ist.

Fünf Autoren haben dafür historische Quellen zusammengetragen und durch private Fotos, Dokumente und Erinnerungen von Nachfahren ergänzt. Marie-Luise Conen, Myriam Daru, Gerhard Reinecke, Corina Röhl und David Velázquez Seiferheld widmen sich den Familien, die ab 1840 in Kröv und ab 1905 in Traben-Trarbach nachweisbar sind. Dabei geht es nicht allein um die Verfolgungsgeschichte während der NS-Zeit. Die Autoren beschreiben auch, wie die Menschen ihren Alltag gestalteten, welchen Berufen sie nachgingen, welche Rolle Religion und Bildung spielten und welche wirtschaftlichen Spuren sie in den beiden Moselorten hinterließen.

Zwischen Alltag und Verfolgung


Vorgestellt werden unter anderem Persönlichkeiten wie Siegmund Schoemann, der in Trarbach ein bedeutendes Kaufhaus aufbaute, der Kröver Weinunternehmer Milian Seiferheld, der Schuhhändler und Sozialdemokrat Salomon Schömann sowie die Trarbacher Kaufleute Bernhard und Max Schmitz. Persönliche Zeugnisse von Nachkommen geben Einblicke in Familiengeschichten, Fluchtversuche und die Suche nach Möglichkeiten, Angehörige vor der nationalsozialistischen Verfolgung zu bewahren.
Einen breiten Raum nimmt die Entwicklung nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ein. Das Buch zeigt anhand einzelner Familienbiografien, wie sich deren Lebensbedingungen veränderten, wer Deutschland verlassen konnte und welche Menschen Opfer der Deportationen und Vernichtung wurden. Auch die Entwicklung in Kröv und Traben-Trarbach bis zum Novemberpogrom 1938 und die Rolle der Nationalsozialisten vor Ort werden dokumentiert.
Für die Recherche konnten die Autoren auf Material aus mehreren Generationen zurückgreifen. Zu den Unterstützern gehört die 98-jährige Ingeborg Haas, die 1927 in Trarbach geboren wurde und heute in Kentucky lebt. Ihre Fotos und Dokumente fließen ebenso in die Veröffentlichung ein wie Unterlagen weiterer Nachfahren.

Erinnerung wird sichtbar


Die Buchveröffentlichung wird von zwei Veranstaltungen begleitet. In Traben-Trarbach steht dabei auch die Erinnerung an Siegmund und Emma Schoemann im Mittelpunkt. Für das Ehepaar werden am 1. September Stolpersteine vor dem früheren Wohn- und Geschäftshaus in der Brückenstraße 20 verlegt. Das Ehepaar war zunächst innerhalb Deutschlands und später nach Frankreich geflohen.
1942 wurden beide über das Sammellager Drancy nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Die Verlegung übernimmt der Künstler Gunter Demnig. Mit Myriam Daru und Saskia Daru werden Nachkommen der Familie anwesend sein.

Termine

  • Buchvorstellung in Traben-Trarbach: Montag, 31. August, 18 Uhr, Bürgersaal im Alten Rathaus, Bahnstr. Vorgesehen sind u.a. Beiträge von Marie-Luise Conen und Myriam Daru sowie ein anschließender Austausch.
  • Stolpersteinverlegung: Dienstag, 1. September, 15 bis 16 Uhr, Brückenstraße 20, Traben-Trarbach. Verlegt werden Stolpersteine für Siegmund Schoemann (1870–1942) und Emma Schoemann, geborene Brück (1875–1942).
  •  Buchvorstellung in Kröv: Dienstag, 1. September, 18 Uhr, Haus des Gastes, Weinbrunnenhalle. Corina Röhl gibt Einblicke in das jüdische Leben in Kröv, Myriam Daru berichtet anhand von Fotos über ihre Familiengeschichte.
  •  Der Verlag: »Jüdische Familien in Kröv und Traben-Trarbach« ist als Hardcover mit 334 Seiten im Rhein-Mosel-Verlag erschienen (29,80 €, ISBN 978-3-89801-715-2).