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Seitenwind im Blick: Hochmoselbrücke erhält aktives Warn- und Leitsystem

Zeltingen-Rachtig/Region. Auf dem Hochmoselübergang bei Zeltingen-Rachtig ist seit einigen Tagen eine neue Windwarnanlage im Einsatz. Nach jahrelanger Planung, Bauzeit und wiederholten Verzögerungen steuert das System nun erstmals aktiv den Verkehr auf einem der exponiertesten Straßenabschnitte der Region. Ziel ist es, Gefahren durch starke Seitenwinde frühzeitig zu erkennen und Verkehrsteilnehmer rechtzeitig zu warnen oder den Verkehrsfluss anzupassen.

Bild: Kevin Schössler

Die Hochmoselbrücke zählt aufgrund ihrer Höhe und Lage zu den besonders wetteranfälligen Bauwerken im überregionalen Straßennetz. In rund 160 Metern über dem Moseltal können Windverhältnisse auftreten, die auf herkömmlichen Straßen kaum spürbar wären, dort jedoch erhebliche Auswirkungen auf die Fahrsicherheit haben können.

Automatische Reaktionen bei gefährlichen Wetterlagen

Die nun aktive Anlage erfasst laufend meteorologische Daten und greift abhängig von der aktuellen Situation in den Verkehr ein. Dazu gehört u.a. die Anpassung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf der Brücke. Bei zunehmender Windstärke werden Verkehrsteilnehmer über digitale Anzeigen gewarnt.

In besonders kritischen Lagen kann das System auch weitergehende Maßnahmen auslösen. So ist es möglich, bestimmte Fahrzeugarten – etwa Lastwagen oder andere Fahrzeuge mit hohem Aufbau – vom Überqueren der Brücke auszuschließen. Auch bei Verkehrsunfällen, Sperrungen oder notwendigen Umleitungen, etwa infolge von Hochwasser, ist die Anlage in das Verkehrsmanagement eingebunden.

Frühzeitige Information vor dem Brückenbauwerk

Ein zentrales Element der Windwarnanlage ist die frühzeitige Information der Autofahrer. Entlang der B50 wurden zahlreiche digitale Verkehrszeichen installiert, die bereits vor der Auffahrt auf den Hochmoselübergang Hinweise geben. Dadurch erhalten Verkehrsteilnehmer rechtzeitig die Möglichkeit, ihre Fahrweise anzupassen oder gegebenenfalls alternative Routen zu wählen.

Die Anzeigen befinden sich unter anderem an den Anschlussstellen bei Platten und Traben-Trarbach. Auf der Brücke selbst sind weitere Tafeln montiert, die an auskragenden Konstruktionen befestigt sind, um auch bei starkem Verkehrsaufkommen gut sichtbar zu bleiben. Insgesamt gehört eine Vielzahl an Verkehrszeichen und Informationstafeln zu dem System.

Langer Weg von der Planung bis zur Inbetriebnahme

Der Einsatz einer Windwarnanlage auf der Hochmoselbrücke war bereits seit mehreren Jahren vorgesehen. Technisch installiert waren große Teile der Anlage schon deutlich früher, doch der tatsächliche Start verzögerte sich mehrfach. Während eines ausgedehnten Probebetriebs blieb das System für Verkehrsteilnehmer unsichtbar, da die Anzeigen deaktiviert waren.

Grund für die Verzögerungen waren unter anderem Probleme bei der Software sowie bei der Ansteuerung der Wechselverkehrszeichen. Diese technischen Herausforderungen konnten inzwischen gelöst werden. Nach Abschluss der Tests im Streckenabschnitt zwischen dem Autobahnkreuz Wittlich und der bestehenden B50 bei Longkamp wurde die Anlage vor einigen Tagen in Betrieb genommen.

Teil eines groß angelegten Infrastrukturprojekts

Die Windwarnanlage ist Bestandteil eines umfassenden Verkehrsprojekts entlang der B50 neu. Die Hochmoselbrücke selbst ist mit einer Länge von rund 1,7 Kilometern und ihrer außergewöhnlichen Höhe eines der größten Brückenbauwerke Deutschlands. Sie bildet einen zentralen Abschnitt der Fernstraßenverbindung zwischen den Nordseehäfen in Belgien und den Niederlanden sowie dem Rhein-Main-Gebiet.

Mit dem Bau der Verkehrsbeeinflussungsanlage wurde ein spezialisiertes Verkehrstechnik-Unternehmen beauftragt. Zur Ausstattung gehören neben den Wechselverkehrszeichen auch Umfelddaten-Stationen, die Wind, Niederschlag und Sichtweiten erfassen. Baubeginn für das System war im Frühjahr 2021.

Investition in einen gleichmäßigeren Verkehrsfluss

Die Kosten für die Windwarnanlage belaufen sich nach aktuellem Stand auf rund 5,2 Millionen Euro. Durch den Einsatz der Technik versprechen sich die Verantwortlichen eine deutliche Verbesserung der Verkehrssicherheit sowie einen gleichmäßigeren Verkehrsfluss bei unterschiedlichsten Witterungsbedingungen auf dem Hochmoselübergang.

Text: Kevin Schössler

 


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