Julia Borsch

Wenn jede Sekunde zählt: Wasserwacht warnt vor unterschätzten Gefahren im Wasser

Bernkastel-Kues/Region (mw). Retten, aufklären, Leben schützen: Beim „Tag der Wasserwacht“ in Bernkastel-Kues zeigten die ehrenamtlichen Helfer, wie schnell aus einem Badeausflug ein Notfall werden kann – und worauf jeder achten sollte.

Beim „Tag der Wasserwacht“ Rheinland-Pfalz in Bernkastel-Kues erhielten Besucher spannende Einblicke in die Arbeit der ehrenamtlichen Retter. Die Veranstaltung findet alle zwei Jahre in einem anderen Landkreis statt, in diesem Jahr war der Landkreis Bernkastel-Wittlich Gastgeber.

Ziel des Aktionstages ist es, die Arbeit der Wasserwacht stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken. Neben der Ausstellung verschiedener Rettungsmittel, darunter Rettungsboote, führten die Mitglieder im örtlichen Schwimmbad unterschiedliche Rettungsmethoden vor.


Einblicke in die Arbeit der Wasserwacht

Häufig werden Baderegeln nicht beachtet, etwa übermüdet oder unter dem Einfluss von Alkohol nicht ins Wasser zu gehen und sich vorher nicht abzukühlen. Die wichtigste Regel vor Ort ist es, sich über die Gefahren der Badestelle zu informieren, die man noch nicht kennt. „In Flüssen überschätzen die Menschen ihre Kräfte und kommen dann in eine Notlage, aus der sie sich nicht mehr befreien können“, erklärt Peter Wendling, Landesleiter der DRK Wasserwacht Rheinland-Pfalz.

„Die Menschen kennen das Schwimmen aus dem Urlaub, zum Beispiel im Mittelmeer, wo es warm ist. Dass eine kalte Strömung eine direkte Belastung für den Körper darstellt, unterschätzen viele und merken es auch nicht, bis es zu spät ist. Dann muss sofort reagiert werden“.

Unglücklicherweise werde in Filmen eine ertrinkende Person jedoch immer falsch dargestellt. Statt viel zu winken, sei es in der Realität leider so, dass die Menschen einfach nur versinken, ohne mit irgendwelchen Zeichen auf sich aufmerksam zu machen. Ein international anerkanntes Zeichen sei das Verschränken der Arme über dem Kopf, gegebenenfalls mehrfach. „Damit signalisiert man den Menschen an Land, dass man Hilfe benötigt“. Wer versucht, selbst jemanden aus dem Wasser zu ziehen, bevor die Rettungskräfte eintreffen, muss jedoch einiges beachten. „Wichtig ist es, niemals ohne Hilfsmittel ins Wasser zu gehen“, betont Wendling. Dabei müsse man genügend Abstand zum Verunfallten halten, mindestens zwei Meter. Der sei in dieser Ausnahmesituation in Panik und halte sich an allem fest, was er greifen kann. „Wenn das eine Person ist, zieht er sie mit sich ins Wasser“, warnt der DRK-Mann. Durch Zurufen signalisiert man zuerst seine Hilfestellung und wirft, falls möglich, dann dem Verunfallten ein geeignetes Hilfsmittel zu, mit dem man ihn dann an Land ziehen kann. Selbst ins Wasser zu gehen, sei das letzte Mittel. Das gelte auch für Rettungsschwimmer.

Wendling nimmt besonders Eltern in die Pflicht. Teilweise werde die Aufsicht nicht ernst genommen. „Ein Kind ertrinkt nicht, wenn es laut um Hilfe schreit, sondern leise und unscheinbar. Das ist ein sehr schneller Prozess. Da müssen die Eltern mit ihren Kindern zusammen Schwimmen gehen und sich nicht nebenbei mit dem Tablet oder Handy beschäftigen oder sich mit anderen Eltern unterhalten. Da sind einfach die Gefahren sehr groß“.


Schwimmfähigkeit bleibt eine große Herausforderung

„Aufgrund der Schwimmbadschließungen während der Pandemie haben wir eine Erhöhung der Schwimmunfähigkeit um 3 bis 5 Prozent“, sagt Wendling. Besonders hervorzuheben sei, dass der Anteil an Kindern, die nicht sicher schwimmen können, im Altern bis 12 Jahre bei bis zu 50 Prozent liege. 25% der unter 18-Jährigen und 20 Prozent der Gesamtbevölkerung können nicht sicher schwimmen.

Um als sicherer Schwimmer zu gelten, benötigt man das Schwimmabzeichen Bronze. Wendling vermutet, dass das Abzeichen wahrscheinlich künftig in Rheinland-Pfalz auch die Voraussetzung sei, damit Kinder und Jugendliche allein ins Schwimmbad können, Dabei gehe es auch darum, die Haftung und Verantwortung vom Aufsichtspersonal zu nehmen. „Ab zwölf Jahren fängt die Angst vor dem Ertrinken an, real zu werden“, erklärt Wendling. Bei jüngeren Kindern sei die Gefahr noch nicht so real. Hier seien die größten Probleme aufgetreten. Die fehlende Ausbildung sehe man auch beim jährlichen Wettkampf. Schwimmen zu lernen, ist im Kreis Bernkastel-Wittlich ab fünf Jahren möglich. „Die Nachfrage ist groß, entsprechend auch die Warteliste. Wir versuchen, dass die Teilnehmer so schnell wie möglich an die Reihe kommen, und niemand warten muss“, sagt Kreiswasserwachtleiterin Anja Commes-Kieren. In die Kurse kommen aber nicht nur kleine Kinder, sondern auch Jugendliche und Erwachsene.

Der Schwimmunterricht an Schulen allein reiche nicht aus. „Das Problem ist, dass wir uns in Deutschland immer mehr in einem Land befinden, das Angst vor Klagen hat. Viele Lehrer trauen sich nicht mehr mit den Kindern schwimmen zu gehen, aus Angst etwas falsch zu machen oder dass etwas passiert“, sagt Wendling. Die Unterstützung durch Schwimmvereine oder die Wasserwacht sei daher unentbehrlich.


Nachwuchs gesucht: Ausbildung mit Verantwortung

Die Wasserwacht im Landkreis Bernkastel-Wittlich zählt derzeit rund 120 Mitglieder. Wir haben sehr viele Nachfragen und haben auch viele Rettungsschwimmer. Wir haben einen guten Nachwuchs, der richtig engagiert ist“, freut sich Kreiswasserwachtleiterin Anja Commes-Kieren. Ein Handicap sei jedoch das Alter. Zwar kann man schon mit 15 Jahren das Rettungsschwimmerabzeichen bekommen, um bei Einsätzen mitfahren zu dürfen, beträgt das Mindestalter jedoch 18 Jahre. Im ländlichen Raum verliere man durch Ausbildung, Studium oder sonstiges auch Mitglieder.

Die Ausbildung zum Rettungsschwimmer dauert im Regelfall zwei Tage und beinhaltet 16 Unterrichtseinheiten. Mittlerweile gibt es die Theorie auch online für alle kostenlos verfügbar. Das ist ein Webinar, bei dem man anschließend auch eine Prüfung machen kann. Für den Einsatzdienst gibt es eine viertägige Intensivausbildung, die als Grundlage für alle Fachdienstausbildungen der Wasserwacht wie Einsatztaucher, Bootsführer oder Fließwasserretter. Grundvoraussetzung dafür ist aber das Rettungsschwimmerabzeichen Silber und eine Ausbildung zum Sanitäter, da die geretteten Personen medizinisch versorgt werden müssen.

Weitere Informationen zur Wasserwacht Bernkastel-Kues gibt es hier.

Text: Matthias Willems