Mario Zender

»Die große Angst vor dem Winter«: Zahlreiche Brauhecker Familien ohne Heizung

BUZ: Diese Menschen aus Cochem-Brauheck haben derzeit keine funktionierende Heizung. Der Vermieter hat offenbar die Gasrechnungen nicht bezahlt, woraufhin die Gaszufuhr gesperrt wurde. Für die Bewohner ist das ein Desaster: Viele von ihnen sind älter, ein

BUZ: Diese Menschen aus Cochem-Brauheck haben derzeit keine funktionierende Heizung. Der Vermieter hat offenbar die Gasrechnungen nicht bezahlt, woraufhin die Gaszufuhr gesperrt wurde. Für die Bewohner ist das ein Desaster: Viele von ihnen sind älter, einige sogar pflegebedürftig.

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BUZ: Diese Menschen aus Cochem-Brauheck haben derzeit keine funktionierende Heizung. Der Vermieter hat offenbar die Gasrechnungen nicht bezahlt, woraufhin die Gaszufuhr gesperrt wurde. Für die Bewohner ist das ein Desaster: Viele von ihnen sind älter, einige sogar pflegebedürftig.

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Cochem-Brauheck. Schon wieder kein Gas, schon wieder kalte Wohnungen – und wieder trifft es zahlreiche Familien in Cochem-Brauheck. Nach Angaben der Bewohner sind gleich mehrere Häuser seit dem 13. Mai ohne Gasversorgung. Besonders bitter: Unter den Betroffenen sind ältere und pflegebedürftige Menschen sowie Familien mit Kindern.
Von Mario Zender
Es sind Bilder, die Erinnerungen wecken. Bereits im vergangenen Jahr hatte der WochenSpiegel über die dramatische Situation in mehreren Wohnanlagen in Cochem-Brauheck berichtet. Damals wurde kurz vor Weihnachten die Wärmeversorgung eingestellt. Nun ist der Ernstfall offenbar erneut eingetreten. Grund: Offenbar von der Hausverwaltung nicht bezahlte Rechnungen an die Gaslieferanten. Nach Angaben mehrerer Bewohner ist bereits seit dem 13. Mai die Gasversorgung in mehreren Häusern unterbrochen. Betroffen seien demnach die Häuser Groenhoffstraße 3, Richthofenstraße 1, 3, 5 und 7 sowie Lilienthalstraße 1 und 3. Die Folge: In den Wohnungen bleiben die Heizungen kalt. Besonders verärgert sind die Bewohner darüber, dass sie nach eigenen Angaben im Vorfeld nicht über die Unterbrechung der Gasversorgung informiert worden seien.
Carmen Fuchs (56) aus der Groenhoffstraße 3 erinnert sich noch genau an den 13. Mai. An diesem Tag habe sie einen Mitarbeiter des Energieversorgers EVM am Haus gesehen. »Ich habe mich noch gewundert, was er dort macht«, berichtet sie. Erst später sei klar geworden, was passiert war. »Eine Nachbarin hat mich informiert.« Sie habe daraufhin den Hausmeister angerufen und erfahren wollen, warum kein Gas mehr vorhanden sei. Dieser habe ihr jedoch erklärt, dass er keine Auskunft geben dürfe. Seitdem warten die Bewohner auf eine Lösung. Und für manche ist eine kalte Wohnung weit mehr als nur unangenehm.
Hilde Lassmann (78) macht sich große Sorgen. Sie und ihr Mann sind nach ihren Angaben beide pflegebedürftig. Besonders für ihren Mann sei die Situation schwierig: »Mein Mann braucht Wärme. Er hat Herzprobleme.« Die Bewohner versuchen sich inzwischen selbst zu helfen. »Wir haben uns alle ein kleines Heizöfchen gekauft«, erzählt Lassmann. Angst hat sie nur vor der nächsten Stromrechnung. Doch das kann für die 78-Jährige keine dauerhafte Lösung sein. »Ich hoffe, dass sich bald etwas tut.«
Auch Vera Kravcuk (65) aus der Lilienthalstraße 1 weiß nicht mehr weiter. Bei ihr lebt ihre 88 Jahre alte, pflegebedürftige Mutter. »Sie fragt den ganzen Tag, wann es wieder warm wird«, erzählt Kravcuk. Für ältere und pflegebedürftige Menschen wird aus dem Ärger über eine ausgefallene Heizung damit schnell eine erhebliche Belastung.
Doch nicht nur Senioren sind betroffen. Kathrin Arenz (35) lebt mit ihren fünf Kindern in der Lilienthalstraße. Zwei ihrer Kinder sind nach ihren Angaben pflegebedürftig und haben die Pflegegrade 2 und 3. Sie sind 15 und sechs Jahre alt. Die Kinder könnten kaum verstehen, warum es zu Hause plötzlich kalt bleibt. »Sie sagen dauernd: Es ist kalt, Mama, mach die Heizung an.« Doch die Mutter kann nichts machen. Arenz berichtet zudem von einer großen Verunsicherung innerhalb der Nachbarschaft. Nicht jeder wolle öffentlich über die Situation sprechen. »Manche trauen sich nicht an die Öffentlichkeit, weil sie Repressalien befürchten«, sagt sie
Inzwischen wächst die Sorge auch bei Bewohnern, deren Häuser bislang noch versorgt werden. Ewald Fuchs aus der Groenhoffstraße 12 befürchtet, dass es auch sein Haus treffen könnte. Die Angst sei groß, dass dort ebenfalls plötzlich die Gasversorgung eingestellt werde. Für die Bewohner ist die Situation besonders bitter, weil ihnen die Ereignisse aus dem vergangenen Jahr noch gut in Erinnerung sind.
Nachdem der WochenSpiegel über die erneut unterbrochene Gasversorgung in mehreren Häusern in Cochem-Brauheck berichtet hat, wächst nun der Druck auf den Vermieter. Rechtsanwalt Marco Steuer von der Kanzlei Theisen, Linden und Steuer vertritt einige der Bewohner. Für ihn ist die Rechtslage zunächst einmal eindeutig: Ein Vermieter müsse die Mietsache während der gesamten Mietzeit in einem Zustand erhalten, der den vertragsgemäßen Gebrauch ermöglicht. Und dazu gehört natürlich auch eine warme Wohnung. »Diese Erhaltungspflicht umfasst auch eine funktionierende Wärmeversorgung«, erklärt Steuer. Bleibe eine Wohnung kalt, könnten den Mietern unter anderem Minderungs- und Zurückbehaltungsrechte zustehen. Doch der Jurist geht noch einen Schritt weiter. Denn wenn Menschen durch die fehlende Wärme gesundheitlich beeinträchtigt werden, könne die Angelegenheit auch strafrechtlich relevant werden. »Die Heizungsabschaltung kann aber auch im strafrechtlichen Sinne eine Körperverletzung darstellen«, erklärt Steuer. Voraussetzung sei, dass bei einer konkreten Person das körperliche Wohlbefinden mehr als nur unerheblich beeinträchtigt werde oder ein körperlicher beziehungsweise psychischer Krankheitszustand verursacht oder verschlimmert werde.
Besonders brisant ist dabei nach Einschätzung des Rechtsanwalts: Ein Vermieter müsse die Heizung nicht einmal selbst abstellen, um möglicherweise strafrechtlich verantwortlich zu sein. Steuer erklärt, dass eine Strafbarkeit auch dann in Betracht kommen könne, wenn ein Vermieter im vollen Bewusstsein durch die Nichtzahlung von Kosten an den Energieversorger die fehlende Beheizbarkeit der Wohnungen billigend in Kauf nehme. Ob diese strafrechtlichen Voraussetzungen im konkreten Fall tatsächlich erfüllt sind, müssten allerdings die zuständigen Ermittlungsbehörden beziehungsweise Gerichte feststellen.
Unabhängig von der juristischen Bewertung findet Steuer auch persönlich deutliche Worte für die Situation in Brauheck. »Es stellt schon ein Unding dar, wenn die Leute in Brauheck wieder befürchten müssen, im Winter kalt zu sitzen.« Nach Ansicht des Rechtsanwalts müsse jetzt gehandelt werden: »Hier müssen dringend Zwangsmaßnahmen gegen die Vermietergesellschaft und die handelnden Personen eingeleitet werden.«
Inzwischen haben sich einige Bewohner auch hilfesuchend an den Cochemer Bürgermeister Wolfgang Lambertz gewandt. Und auch der zeigt wenig Verständnis für die Situation. »Ich kann es einfach nicht verstehen, wie verantwortungslos hier ein Vermieter mit seinen Mietern umgeht«, sagt Lambertz. Dabei seien die Probleme keineswegs neu. »Wir haben den Vermieter bereits in der Vergangenheit mehrfach aufgefordert, seinen Verpflichtungen als Vermieter nachzukommen.« Die Verbansgemeinde will nun versuchen, selbst Bewegung in die Angelegenheit zu bringen. »Wir werden jetzt versuchen, mit dem Energielieferanten Gespräche zu führen, um eine Lösung zu erreichen«, kündigt Lambertz an.
Und was sagt die verantwortliche Hausverwaltung zu den schweren Vorwürfen? Das hätte auch der WochenSpiegel gerne erfahren. Die Hausverwaltung aus dem hessischen Maintal wurde mit den Vorwürfen der Bewohner konfrontiert und um eine Stellungnahme gebeten. Doch eine Antwort blieb bis Redaktionsschluss aus.
Bericht folgt!