Glasfaser-Frust in der Eifel: Gemeinden fühlen sich im Stich gelassen
Alflen/Auderath/Schmitt/Meiserich. Bürger unterschreiben Verträge, Gemeinden hoffen auf schnelles Internet – doch beim Glasfaserausbau geht es in mehreren Eifelorten nicht voran. Jetzt machen vier Kommunalvertreter ihrem Ärger Luft.
Von Mario Zender
Erst herrschte Aufbruchstimmung, inzwischen sitzt der Frust tief. In mehreren Orten der Verbandsgemeinde Ulmen warten Bürger seit Jahren auf den angekündigten Glasfaserausbau. Verträge wurden unterschrieben, Hoffnungen geweckt. Doch wann das schnelle Netz tatsächlich kommt, bleibt für die Betroffenen offen. Jetzt reicht es den Ortsvertretern: Berthold Schäfer, Ortsbürgermeister von Alflen, sein Auderather Amtskollege Bernhard Peter, Schmitts Ortsbürgermeister Wilfried Linden und Meiserichs Ortsvorsteher Klaus Kutscheid fordern im Gespräch mit dem WochenSpiegel endlich Klarheit. »Für uns ist die aktuelle Situation mehr als enttäuschend«, heißt es in ihrer gemeinsamen Stellungnahme. Viele Bürger hätten sich, so Alflens Ortsbürgermeister Berthold Schäfer, bereits vor Jahren für einen Glasfaseranschluss entschieden – im berechtigten Vertrauen darauf, dass den Ankündigungen auch Taten folgen.
Dabei begann alles vielversprechend. Nach der von Schäfer zusammengestellten Chronologie trat die Deutsche Glasfaser im Sommer 2023 an Auderath, Schmitt, Gillenbeuren und Alflen heran. Das Unternehmen wollte die Orte eigenwirtschaftlich, also ohne öffentliche Förderung, erschließen.
Die Gemeinden signalisierten Unterstützung. Bei einer Bürgerversammlung in der Alflener Mehrzweckhalle herrschte Aufbruchstimmung: Endlich sollte auch auf dem Land das schnelle Netz ankommen. Im Herbst 2023 folgte Westconnect. Wieder fanden Informationsveranstaltungen statt, wieder unterschrieben Bürger Verträge. Nach Darstellung der Kommunalvertreter wurden genügend Kunden gewonnen, um einen Ausbau in Aussicht zu stellen. Auch Meiserich sollte profitieren. Dort war das Interesse besonders groß: Laut Kutscheids schriftlicher Chronologie waren bis Ende 2023 bereits für mehr als 80 Prozent der Hausanschlussadressen Verträge mit Westconnect beziehungsweise E.ON Highspeed abgeschlossen worden. Den Auftakt bildete eine Informationsveranstaltung am 5. Oktober 2023 im Ulmener Bürgersaal. Zunächst sollte Ulmen erschlossen werden, anschließend sollten die Stadtteile folgen. Doch während in der Stadt gebaut wurde, blieb für Meiserich vor allem eines: warten. Nach Darstellung der Ortsvertreter seien die Pläne ins Stocken geraten, als die Telekom einen eigenen Ausbau in Teilen der Stadt Ulmen angekündigt habe. Die Deutsche Glasfaser habe zwischenzeitlich mitgeteilt, dass sie die ursprünglich angesprochenen Gemeinden nicht mehr erschließen werde.
Anfang 2026 habe auch Westconnect erklärt, der weitere eigenwirtschaftliche Ausbau sei unter den veränderten Wettbewerbsbedingungen nicht wirtschaftlich. In Kutscheids Chronologie wird als Begründung der geplante Ausbau eines weiteren Anbieters in Teilen Ulmens genannt. Die Kommunalvertreter sehen ihre Orte zwischen den wirtschaftlichen Interessen der Unternehmen gefangen. »Es kann nicht sein, dass wirtschaftliche Interessen und der Wettbewerb zwischen zwei Unternehmen letztlich zulasten unserer Bürgerinnen und Bürger gehen«, kritisiert Bernhard Peter, Ortsbürgermeister von Auderath. Der WochenSpiegel hat die drei Unternehmen um Stellungnahme gebeten. »Die Deutsche Telekom hat in den von Ihnen genannten Gebieten weder einen Ausbau angekündigt noch ist dieser derzeit geplant«, teilt Unternehmenssprecherin Julia della Peruta mit. Für weitere Informationen verweist sie an das vor Ort ausbauende Unternehmen. Die Anfrage bezog sich auf Alflen, Auderath, Schmitt und Ulmen-Meiserich. Auf die Frage, welche Rolle mögliche Ausbauvorhaben in der Stadt Ulmen für die Entscheidungen anderer Anbieter spielen, geht die Antwort nicht ein.
Auch die Deutsche Glasfaser verweist auf einen anderen Anbieter. Pressesprecher Thomas Schommer erklärt, dass in den genannten Orten »ein Mitbewerber den Ausbau plant bzw. vornimmt«. Welches Unternehmen er meint und wann die Bürger mit Anschlüssen rechnen können, nennt er nicht. Die Deutsche Glasfaser habe sich neben zahlreichen anderen Projekten im Landkreis Cochem-Zell auf Gevenich und Weiler in der Verbandsgemeinde Ulmen konzentriert.
Doch für die betroffenen Orte kommt es noch dicker: Weil sie auf die Zusagen der Telekommunikationsunternehmen vertrauten, wurden seinerzeit keine öffentlichen Fördermittel beantragt. Nun drohen sie zwischen den Stühlen zu sitzen. »Uns ärgert besonders, dass wir uns als Kommunen auf die angekündigten eigenwirtschaftlichen Ausbauvorhaben verlassen haben«, schimpft Meiserichs Ortsvorsteher Klaus Kutscheid. Heute stünden die Orte ohne Glasfaserausbau und ohne schnelle Alternative da. Denn während andere Gemeinden über öffentliche Förderprogramme ans schnelle Netz angeschlossen werden können, ist dieser Weg für die betroffenen Orte nach Einschätzung der Kommunalvertreter kurzfristig kaum gangbar. Jetzt hat sich auch das Unternehmen »Westconnect« gegenüber dem WochenSpiegel zu den Vorwürfen geäußert.
Ehemalige Vereinbarung bestätigt
Der Glasfaseranbieter bestätigt, dass ursprünglich ein gemeinsames Ausbaukonzept mit der Verbandsgemeinde Ulmen vereinbart worden sei. Danach sollten die Stadt Ulmen und weitere Gemeinden, in denen genügend Kundenverträge abgeschlossen worden waren, ohne öffentliche Zuschüsse erschlossen werden. Doch dann kam offenbar die Konkurrenz dazwischen. Nach Angaben von »Westconnect« plant ein anderer Anbieter, in der Stadt Ulmen eine bereits vorhandene und aktive Glasfaser-infrastruktur weitgehend mit einem eigenen Netz zu überbauen. Damit sei eine völlig neue Situation entstanden, die bei der ursprünglichen Planung nicht berücksichtigt worden sei. Für »Westconnect« hat das wirtschaftliche Folgen. Das Unternehmen erklärt: »Vor diesem Hintergrund sind wir verpflichtet, das Gesamtcluster und die damit verbundenen Ausbauplanungen erneut zu bewerten.« Im Klartext: Weil ein Konkurrent in der Stadt Ulmen Glasfaser verlegen will, stehen nun auch die Ausbaupläne für umliegende Dörfer auf dem Prüfstand. »Westconnect« betont, man habe die betroffenen Kommunen, die Verbandsgemeinde und den Landkreis fortlaufend über die Entwicklung informiert. Mit den Verantwortlichen stehe man seit längerer Zeit im Austausch, um mögliche Lösungen zu finden. Auch die Kritik, dass Gemeinden im Vertrauen auf den angekündigten Ausbau auf Fördermittel verzichtet hätten, lässt das Unternehmen nicht uneingeschränkt gelten. Die ursprünglichen Planungen und Voraussetzungen seien von Beginn an transparent kommuniziert worden.
Die jetzige Neubewertung sei auf Entwicklungen zurückzuführen, die damals nicht absehbar gewesen seien . Immerhin: In anderen Teilen der Verbandsgemeinde und des Landkreises geht der Glasfaserausbau mit öffentlichen Zuschüssen weiter. » Westconnect « wurde nach eigenen Angaben zwischenzeitlich auch m it solchen geförderten Projekten beauftragt. Die Vorbereitungen dafür liefen bereits beziehungsweise begännen derzeit. Für Alflen, Auderath, Schmitt und Meiserich und Gillenbeuren bedeutet das allerdings noch keine Entwarnung. Einen verbindlichen Termin, wann dort tatsächlich Glasfaser verlegt wird, nennt »Westconnect« nicht. Dabei geht es für die Kommunalvertreter längst nicht mehr nur um schnelles Surfen oder störungsfreies Fernsehen. Wer heute ein Baugrundstück oder eine ältere Immobilie verkaufen möchte, wird zunehmend nach einem Glasfaseranschluss gefragt. Eine leistungsfähige Internetversorgung ist damit auch ein wichtiger Standortfaktor. Alflens Ortsbürgermeister Berthold Schäfer beklagt, dass eigene Bemühungen und Anschreiben an die Unternehmen bislang keine verlässlichen Zusagen gebracht hätten. Meiserichs Ortsvorsteher Klaus Kutscheid kritisiert zudem, dass die Kunden, die bereits Verträge abgeschlossen haben, nicht aktiv über die ausgebliebenen Bauarbeiten informiert worden seien. Die vier Kommunalvertreter befürchten inzwischen, dass weitere Bürger die Geduld verlieren und sich nach anderen Lösungen umsehen. Funkverbindungen seien jedoch kein gleichwertiger dauerhafter Ersatz für einen Glasfaseranschluss. Was die Bürgermeister jetzt verlangen, ist vor allem eines: Klarheit. Sie wollen wissen, ob und wann ihre Dörfer endlich angeschlossen werden. Schmitts Ortsbürgermeister Wilfried Linden bringt es auf den Punkt: »Eine leistungsfähige digitale Infrastruktur ist heute kein Luxus mehr, sondern eine Grundvoraussetzung für die Zukunftsfähigkeit unserer Dörfer.« Doch wann diese Zukunft in Alflen, Auderath, Schmitt und Meiserich beginnt, bleibt weiterhin ungewiss.
Bericht folgt!