Mario Zender

Krankenhaus Cochem erwartet Millionenverlust

Das Cochemer Krankenhaus macht Verluste.

Das Cochemer Marienkrankenhaus macht Verluste. Nach Angaben des Trägers ist die wohnortnahe Versorgung zukünftig nur mit Unterstützung von Land und den Kreis möglich.

Bild: Archiv/Schnorbach

Finanzielle Sorgen machen dem Marienkrankenhaus Cochem zu schaffen. Geschäftsführer Thomas Wagner: »Eine langfristige Sicherstellung der wohnortnahen medizinischen Versorgung ist ohne Unterstützung der öffentlichen Hand kaum möglich.«
Wie positionieren sich das Land und der Kreis Cochem-Zell?
 
Von Mario Zender
Cochem. Seit der Schließung des Zeller Krankenhauses im Jahr 2025 trägt das Marienkrankenhaus Cochem die Hauptlast der stationären medizinischen Versorgung im Landkreis Cochem-Zell. Mit 140 Betten ist es inzwischen der einzige Klinikstandort im Kreis – und damit für die Gesundheitsversorgung der Bürgerinnen und Bürger von zentraler Bedeutung.
Trotz der hohen Bedeutung für die Region und einer gestiegenen Auslastung bleibt das Cochemer Krankenhaus wirtschaftlich ein Sorgenkind. Zwar möchte der Vorstandsvorsitzende des Trägers, des St. Marien e. V., Thomas Wagner, außerhalb der gesetzlichen Veröffentlichungspflichten keine laufenden Kennzahlen oder Prognosen nennen, doch
laut Handelsregisterveröffentlichungen hat die Marienkrankenhaus Cochem GmbH in den vergangenen neun Jahren – bis auf ein Jahr – Verluste erwirtschaftet. Am höchsten war der Verlust im Jahr 2019 mit rund 2,1 Millionen Euro. Die Geschäftszahlen für 2024 liegen noch nicht vor.
In einer Stellungnahme an den WochenSpiegel beschreibt Geschäftsführer Wagner die schwierige Ausgangslage für das gesamte Krankenhauswesen in Deutschland. Rund 80 Prozent der Kliniken schreiben nach aktuellen Erhebungen rote Zahlen. Gründe seien stark gestiegene Kosten in nahezu allen Bereichen sowie eine seit Jahren bestehende Unterfinanzierung. Die bestehenden Finanzierungssysteme deckten die tatsächlichen Kosten der Patientenversorgung nicht mehr ab.
Besonders problematisch sei die anhaltende Unsicherheit durch die stockende Krankenhausreform. Diese belaste, so Wagner, vor allem kleinere Häuser im ländlichen Raum – und damit auch das Marienkrankenhaus Cochem.
Für das Jahr 2025 erwartet die Klinik nach eigenen Angaben ein deutlich negatives Ergebnis im siebenstelligen Bereich.
Vor diesem Hintergrund betont Wagner, dass eine langfristige Sicherstellung der wohnortnahen medizinischen Versorgung ohne Unterstützung der öffentlichen Hand kaum möglich sein werde. Notwendig sei daher »eine enge Zusammenarbeit zwischen Klinikträger, Land Rheinland-Pfalz, Landkreis und Krankenkassen«.
Nun kommt es darauf an, wie die öffentliche Hand sich positioniert: Wird sich das Land Rheinland-Pfalz – und wird sich der Kreis Cochem-Zell – an den finanziellen Verlusten beteiligen?
Angesichts der angespannten Haushaltslage des Landkreises dürfte dies allerdings nicht einfach werden.
KOMMENTAR
Nicht wieder nur zusehen

Von Mario Zender

Das Marienkrankenhaus in Cochem steht wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand. Geschäftsführer Thomas Wagner sagt offen: Ohne Unterstützung der öffentlichen Hand ist die wohnortnahe medizinische Versorgung kaum zu sichern. Spätestens jetzt müssen Landkreis und Landesregierung ihre Hausaufgaben machen. Es braucht ein tragfähiges Konzept – und zwar schnell. Denn wer noch einmal tatenlos zusieht, wie ein funktionierendes Krankenhaus schleichend abgewickelt wird, nimmt bewusst in Kauf, dass die Menschen in der Region am Ende die Leidtragenden sind.
Mail an den Autor: mzender@weiss-verlag.de


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