Zell. Nach nur kurzer Betriebszeit schließt die Kurzzeitpflege Mittelmosel in Zell zum 31. Januar 2026. Wie der Träger mitteilt, sei es trotz „intensiver Bemühungen“ nicht gelungen, den gesetzlich vorgeschriebenen Personalschlüssel dauerhaft zu erfüllen. Betroffen sind pflegebedürftige Menschen, die für begrenzte Zeit einen stationären Pflegeplatz benötigen – etwa nach Krankenhausaufenthalten oder zur Entlastung von Angehörigen.
Das benachbarte Hospiz St. Josef bleibt von der Entscheidung unberührt. Dessen Kapazitäten sollen im Laufe des ersten Quartals 2026 von sechs auf neun Plätze erweitert werden. Mitarbeitende aus der Kurzzeitpflege erhalten nach Angaben des Trägers neue Beschäftigungsmöglichkeiten im Hospiz oder im Seniorenzentrum Mittelmosel.
Neben dem Personalmangel nennt die Einrichtung weitere Gründe für die Schließung: Die Nachfrage sei geringer ausgefallen als erwartet, zudem habe es häufig kurzfristige Absagen gegeben, die nicht zeitnah nachbesetzt werden konnten. Das habe wiederholt zu Auslastungslücken geführt. Hinzu komme, dass viele Pflegebedürftige den hohen Eigenanteil finanziell nicht tragen könnten.
Kommentar:
Von Mario Zender
Wer Vertrauen verspielt, darf sich über Personalmangel nicht wundern
Die Schließung der Kurzzeitpflege Mittelmosel in Zell ist mehr als nur eine weitere Geschichte über Fachkräftemangel in der Pflege. Sie ist auch ein Beispiel dafür, wie sehr Vertrauen ein entscheidender Faktor ist — und wie schnell es verspielt werden kann.
Viele Menschen in der Region erinnern sich noch gut daran, wie der damalige Krankenhausstandort in Zell aufgegeben wurde. Zahlreiche Beschäftigte fühlten sich damals nach eigener Darstellung schlecht informiert und allein gelassen. Wer damals die Strukturen auseinanderzieht, ohne erkennbar um jede einzelne Fachkraft zu kämpfen, der sendet ein deutliches Signal: Planungssicherheit sieht anders aus.
Heute klagt derselbe Träger über fehlendes Personal. Doch die Frage liegt nahe: Wie viele der Pflegekräfte, die man jetzt so dringend sucht, hätte man früher halten können — wenn Wertschätzung, Verlässlichkeit und Kommunikation überzeugender gewesen wären?
Kritiker sagen offen, die Katharina-Kasper-Gruppe trage einen erheblichen Teil der Verantwortung für die aktuelle Situation selbst. Denn Vertrauen entsteht nicht durch Imagebroschüren oder neue Einrichtungen — sondern im Alltag, in schweren Phasen, in ehrlichen Gesprächen. Wer in Umbruchzeiten Mitarbeitende verunsichert oder verliert, darf sich später nicht wundern, wenn dieselben Menschen sich anderswo nach stabileren Bedingungen umsehen.
Natürlich gilt: Der Fachkräftemangel ist real. Die Rahmenbedingungen in der Pflege sind schwierig, politisch ungelöst und oft unfair. Doch das ändert nichts daran, dass Personalbindung eine Führungsaufgabe ist — und zwar eine zentrale.
Die jetzt erfolgte Schließung trifft vor allem diejenigen, die ohnehin kaum Alternativen haben: Pflegebedürftige und ihre Angehörigen. Zurück bleiben Enttäuschung — und die Frage, ob diese Entwicklung wirklich unausweichlich war.
Die Situation wirft Fragen zur Planungssicherheit im Pflegebereich auf. Denn Kurzzeitpflege gilt als wichtiges Entlastungsangebot – insbesondere für Familien, die die Pflege überwiegend selbst stemmen. Wenn Einrichtungen schließen, weil Personal fehlt oder die Finanzierung für Betroffene zu teuer ist, geraten Versorgungslücken in den Blick, die politisch seit Jahren diskutiert werden.
Die Entwicklung zeigt, wie stark Einrichtungen heute unter Fachkräftemangel, Kostendruck und unklarer Refinanzierung stehen – und wie schnell Angebote wieder verschwinden können.
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