Mario Zender

Vertrauliche E-Mail sorgt für Wirbel beim Winzerverband

Aktuell befindet sich die Geschäftsstelle des Bauern- und Winzerverbandes in Cochem in der Ravenéstraße.

Aktuell befindet sich die Geschäftsstelle des Bauern- und Winzerverbandes in Cochem in der Ravenéstraße.

Bild: Zender

Cochem. Eigentlich sollte nach der Weinlese langsam Ruhe in den Kellern an der Mosel einkehren. Doch ein versehentlich verschicktes, vertrauliches Vorstandsprotokoll des Bauern- und Winzerverbandes sorgt für mächtig Gesprächsstoff. Es geht um die Kündigung des Kreisgeschäftsführers und die Zukunft der Geschäftsstelle in Cochem.
Von Mario Zender
Normalerweise dreht sich nach der Weinlese in den Kellern und Winzerhöfen an der Mosel alles um eine Frage: Welcher Mostpreis wird in diesem Jahr gezahlt? Eigentlich sollte es jetzt, kurz vor dem Weihnachtsgeschäft, etwas ruhiger werden. Doch mit dieser Ruhe ist es seit vergangener Woche vorbei. In den Weinkellern zwischen Moselkern und Pünderich gibt es plötzlich ein anderes Gesprächsthema: Was ist beim Bauern- und Winzerverband Cochem-Zell los?
Auslöser ist eine E-Mail, die eigentlich niemals an alle Mitglieder hätte verschickt werden sollen. Am Freitagmorgen (30. Oktober) landete um 9.52 Uhr ein vertrauliches Protokoll der Vorstandssitzung vom 19. Oktober in den elektronischen Postfächern der Verbandsmitglieder. Das Dokument liegt dem WochenSpiegel vor. Und dessen Inhalt hat es in sich.
Besonders brisant ist eine Passage aus dem Protokoll der Vorstandssitzung, die im Weingut Lutz Hommes in Ernst stattfand. Darin wird eine außerordentliche gemeinsame Vorstandssitzung für den 29. Oktober angekündigt. Als Hauptthema wird ausdrücklich die Kündigung des Kreisgeschäftsführers genannt. Dieser hat, wie er gegenüber dem WochenSpiegel bestätigte, selbst gekündigt. Als Grund nennt er interne Umgestaltungen in den Abläufen der Steuerabteilung, die er nicht für zielführend hält. Früher wurde die steuerliche Betreuung der Mitglieder direkt vom Verband übernommen. Seit 2024 ist dafür eine eigene GmbH mit Sitz in Koblenz zuständig (BWV RHEMO, d. Red.), die zum Bauern- und Winzerverband gehört.
Doch damit nicht genug: Im Protokoll wird auch die Frage aufgeworfen, ob die Kreisgeschäftsstelle in Cochem zur Disposition steht. Die Buchstelle offenbar in jedem Fall. Eine Aussage mit erheblicher Tragweite. Schließlich ist die Geschäftsstelle in Cochem für zahlreiche Landwirte und Winzer im gesamten Landkreis eine wichtige Anlaufstelle. Hier geht es nicht nur um die Interessenvertretung, sondern auch um Beratung, Unterstützung und die Betreuung der Mitgliedsbetriebe.
Dass diese internen Informationen nicht für die breite Mitgliedschaft bestimmt waren, wurde den Verantwortlichen offenbar schnell bewusst. Noch am Freitagmittag folgte eine weitere E-Mail. Diesmal mit einer Klarstellung des Kreisgeschäftsführers. Darin heißt es, das Protokoll sei am Morgen um 9.52 Uhr irrtümlich an die Mitglieder verschickt worden. Es handele sich um eine ausschließlich für den internen Gebrauch bestimmte Information, deren Weitergabe an Dritte nicht zulässig sei.
Zugleich versucht der Verband, aufkommende Gerüchte innerhalb der rund 350 Weinbaubetriebe einzufangen, an die die E-Mail verschickt wurde. „Es ist derzeit keine Entscheidung über die zukünftige Ausgestaltung der Kreisgeschäftsstelle sowie der BWV RHEMO am Standort Cochem getroffen“, heißt es in der Nachricht.
Ausdrücklich widerspricht der Geschäftsführer der Behauptung, dass der Standort Cochem geschlossen werde. Entsprechende Gerüchte entbehrten jeder Grundlage, heißt es beschwichtigend in der nachträglichen E-Mail an die Mitglieder. Allerdings bestätigt die Klarstellung auch, dass der Kreisvorstand mit dem Präsidium und der Hauptgeschäftsführung in Koblenz über die zukünftige Entwicklung der Geschäftsstelle spricht.
Doch das versehentlich verschickte Protokoll enthält noch weitere Themen. So wurde bei der Vorstandssitzung auch über die wirtschaftliche Lage der Winzer gesprochen. Die Einschätzung für 2026 fällt ernüchternd aus: Rund zehn bis 15 Prozent weniger Erntemenge bei sehr guter Qualität, so der allgemeine Tenor. Der Absatz scheine an der Mosel dank eines hohen Privatkundenanteils und des Tourismus einigermaßen stabil zu bleiben.
Daneben ging es um mögliche neue Regeln für die Profilierung der Moselweine. Diskutiert wurden unter anderem strengere Vorgaben für Rebsorten, Prädikatsweine und Steillagenweine. Auch eine mögliche organisatorische Neuordnung der Schutzgemeinschaft Mosel wurde angesprochen. In seiner nachträglichen Klarstellung betont der Verband allerdings, dass es sich bei diesen Themen lediglich um Diskussionsgrundlagen handele. Kurzfristige oder bereits beschlossene Änderungen gebe es nicht.
Für den Bauern- und Winzerverband kommt die versehentliche Veröffentlichung zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Der Weinbau steht wirtschaftlich unter Druck. Steigende Kosten, schwierige Absatzbedingungen und unsichere Zukunftsperspektiven beschäftigen viele Betriebe. Nun kommen auch noch interne Personal- und Strukturfragen hinzu.
Vor allem die Zukunft der Geschäftsstelle in Cochem dürfte die Mitglieder beschäftigen. Denn während der Verband eine Schließung des Standortes ausdrücklich dementiert, laufen offenbar Gespräche über dessen zukünftige Ausgestaltung.
Auf Anfrage des WochenSpiegel wollte sich der Kreisgeschäftsführer des Verbandes nicht zu möglichen Schließungsplänen für die Geschäftsstelle äußern. Seine selbst eingereichte Kündigung zum Jahresende bestätigte er jedoch.
Von möglichen Schließungsplänen für die Cochem-Zeller Geschäftsstelle hat auch der Kreisvorsitzende des Bauern- und Winzerverbandes Cochem-Zell, Thomas Heidberg, nach eigenen Angaben bislang nur gerüchteweise gehört, wie er im Gespräch mit dem WochenSpiegel betont. „Von offizieller Seite wurde da bislang nichts an mich herangetragen“, so Heidberg. Sollte es dennoch konkrete Pläne geben, die Geschäftsstelle in Cochem zu schließen, kündigt Heidberg bereits jetzt Widerstand an.
Auf Anfrage des WochenSpiegel stellt Marco Weber, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, klar: „Die Geschäftsstelle des Verbandes in Cochem bleibt erhalten.“ Allerdings gebe es angesichts des Strukturwandels in der Landwirtschaft Überlegungen, die personelle Besetzung künftig neu zu organisieren. Denkbar sei, dass Peter Hutsch, derzeit Kreisgeschäftsführer in Daun, künftig auch die Betreuung der Landwirte im Kreis Cochem-Zell übernimmt. Für die Belange der Winzer an der Mosel müsste dann allerdings ein eigener Ansprechpartner gefunden werden, da Hutsch sich um die Landwirtschaft, nicht aber um den Weinbau kümmern könne. „Das sind bislang lediglich Überlegungen. Spruchreif ist noch nichts“, betont Präsident Weber.