50 Jahre Unternehmer: Wie Helmut Dehren sein Hotelimperium schuf: Mit 19 Jahren übernahm Helmut Dehren die Bäckerei seines Vaters. Heute betreibt er sieben Hotels mit rund 800 Gästebetten. Dazwischen liegen 50 Jahre Unternehmertum, mutige Entscheidungen, Millioneninvestitionen – und ein Mann, für den Stillstand bis heute Rückschritt bedeutet.
Von Mario Zender
ELLENZ-POLTERSDORF/COCHEM. Es begann mit Brot – und ein paar Eiern. Als Helmut Dehren (69) vor 50 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit wagte, war von Hotels, Wellnessbereichen und Hunderten Gästebetten noch keine Rede. Gerade einmal 19 Jahre alt war der gelernte Bäcker und Bäckermeister, als er den Betrieb seines Vaters übernahm. Vater und Sohn arbeiteten zunächst weiter gemeinsam in der Backstube. Doch schon damals zeigte sich, dass Helmut Dehren nicht nur backen, sondern auch Geschäfte machen konnte. Nebenbei fuhr er Brot zu den Kunden aus. Eines Tages fragte ihn ein Eierproduzent, ob er nicht gleich ein paar Eier mitnehmen und verkaufen könne. Dehren sagte zu. »Pro Ei habe ich zehn Pfennig verdient. Manchmal waren es 4000 Eier in der Woche«, erinnert er sich. Es war kein großes Geschäft – aber eines, das seinen Unternehmergeist endgültig weckte. Als dann das Haus neben der Backstube in Ellenz zum Verkauf stand – ein Hotel –, sah Dehren seine Chance. Sein Vater war alles andere als begeistert. »Du führst uns noch alle in den Ruin«, habe er ihm damals vorgeworfen. Doch der Sohn ließ sich nicht bremsen. Er kaufte – und sollte recht behalten. Das Hotel entwickelte sich gut, bald kam ein Gästehaus in der Nachbarschaft hinzu. In den 1980er-Jahren boomten Bus- und Clubreisen an die Mosel. Dehren erkannte früh, welches Potenzial darin steckte. Aus den ersten Schritten im Tourismus entwickelte sich nach und nach eine Hotelgruppe: Der »Moselstern « war geboren. Der nächste große Schritt führte nach Cochem. Dort übernahm Dehren im Jahr 1995 das Hotel »Brixiade«. Der agile Unternehmer erkannte schnell, dass das Haus, direkt am Moselufer gelegen und mit Blick auf Burg und Mosel, enormes Potenzial hatte. Es folgten umfangreiche Renovierungsarbeiten und eine Aufstockung. »Das brachte uns weitere Zimmer, insbesondere Suiten«, erinnert sich Helmut Dehren. Im Jahr 2003 dann der nächste Zukauf. In Bruttig- Fankel war das Hotel »Guter Onkel« zu erwerben. Dehren erkannte das Potenzial, »insbesondere aufgrund der hohen Bettenzahl «. Denn die brauchte der Unternehmer in dieser Zeit besonders. Vor allem aufgrund des damals florierenden Clubgeschäfts wurden die Hotels zu einer festen Größe. Im Moselstern-Keller in Cochem wurde Wochenende für Wochenende gefeiert. Auf zwei Ebenen konnten die Gäste dort gleichzeitig Party machen. Sonderzüge, unter anderem von Müller Reisen, brachten immer wieder große Reisegruppen nach Cochem. Das Geschäft lief – und Dehren expandierte weiter.
Neben dem Hotel »Brixiade «, ebenfalls in direkter Mosel- und Burgblicklage, wurde das Hotel »Triton« zum Kauf angeboten. Dehren fackelte nicht lange und schlug zu. Das war im Jahr 2008. »Die Synergien mit dem bereits bestehenden Hotel waren enorm«, so Dehren. Und die Moselstern- Gruppe wuchs und wuchs. Gleichzeitig entwickel Neben dem Hotel »Brixiade «, ebenfalls in direkter Mosel- und Burgblicklage, wurde das Hotel »Triton« zum Kauf angeboten. Dehren fackelte nicht lange und schlug zu. Das war im Jahr 2008. »Die Synergien mit dem bereits bestehenden Hotel waren enorm«, so Dehren. Und die Moselstern- Gruppe wuchs und wuchs. Gleichzeitig entwickelte sie sich wirtschaftlich äußerst erfolgreich. 2018 folgte sein bis dahin größtes Einzelengagement. In Löf kaufte er aus einer Insolvenz das traditionsreiche Hotel »Krähennest«. Auch dieses Haus hatte zuvor stark vom Club- und Gruppengeschäft gelebt, war jedoch in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Der damalige Kaufpreis von rund 300.000 Euro sollte bei der Übernahme noch das kleinste Problem sein. Denn Dehren wollte aus dem in die Jahre gekommenen Haus mehr machen. Viel mehr. Er baute um, erweiterte und entwickelte das Krähennest Schritt für Schritt zu einem großen Wellnesshotel. Rund 15 Millionen Euro wurden investiert. »Das war schon ein Kraftakt«, sagt Dehren heute rückblickend. Damals hatte der heute 69-Jährige mit enormen Baukostensteigerungen zu kämpfen. »Das hat die Kosten in die Höhe getrieben«, so Dehren. »Da wurde es so manchem Banker mulmig «, schmunzelt er. Dass seine Vision funktionierte und die Banker schon bald beruhigt – oder besser gesagt, ebenfalls angenehm überrascht – waren, daran erinnert sich der Unternehmer heute gerne. Die Hotelgruppe entwickelte sich äußerst erfolgreich. Als Dehren darüber ins Schwärmen kommt, betont er aber auch, dass er diesen Erfolg nicht alleine erreicht hat. »Ich habe in meiner Führungsmannschaft extrem loyale und qualifizierte Mitarbeiter. Nur durch diese Unterstützung konnten wir das alles erreichen.« Stolz ist er darauf, dass fast alle diese Führungskräfte teilweise über 20 Jahre im Betrieb tätig sind und vom ehemaligen Azubi es hier bis zum Betriebsleiter eines Hotels geschafft haben. Der Erfolg der vergangenen Jahrzehnte bedeutet für den agilen Unternehmer bis heute 12-Stunden- Tage. Die Wochenenden nutzt er gerne, um in Ruhe seine Büroarbeit zu erledigen. »Der Betrieb ist mein Leben, deshalb empfinde ich diese Arbeit auch nicht als Belastung. Es macht mir einfach Spaß.« Wenn der Unternehmer entspannen möchte, tut er dies gerne bei einer guten Flasche Wein. Diese Leidenschaft treibt ihn auch dazu an, in seinen Restaurants Weine namhafter Winzer aus der gesamten Region und darüber hinaus anzubieten. »Guter Wein macht mir einfach Freude. Deshalb möchte ich meinen Gästen auch ein so großes Angebot an Weinen präsentieren.« Doch sich auf dem Erreichten auszuruhen, war nie seine Sache. Sein Grundsatz: Stillstand bedeutet Rückschritt. So engagierte sich der Unternehmer erneut in seinem Heimatort und übernahm mit dem »Goldbäumchen « einen ehemaligen Mitbewerber. Und auch Ehefrau Svetlana ließ sich offenbar vom Unternehmergeist ihres Mannes anstecken. Mit dem »Mosel Village« entstand am Ortsrand von Ellenz aus einer ehemaligen Kellerei ein neues, modernes und energetisch hochwertiges Wellnesshotel mit Restaurant und Vinothek. Und selbst nach fünf Jahrzehnten als Unternehmer ist Helmut Dehren noch immer nicht fertig. Sein jüngster Schachzug ist das »Boutique-Hotel Moselgarten« in Bullay, das von einer Investorengesellschaft angepachtet wurde. »Das Haus passt ideal in die Angebotspalette der Moselstern- Hotels«, sagt Dehren. Die Übernahme des Hotels »Moselgarten« in Bullay soll aber nun das letzte Hotel sein, das Helmut Dehren mit seiner Moselstern- Gruppe betreibt. »Jetzt haben wir wirklich genug Häuser. Irgendwann reicht es.« Langsam macht sich Dehren nämlich auch Gedanken über seinen Ruhestand. »Ich bin gerade dabei, mehr Verantwortung an die Führungskräfte abzugeben.« Wenn es so weit ist, will Dehren im Ruhestand reisen. DochvordemReisenkommt erst einmal der Umbau. Denn einfach nur das Hotel »Moselgarten« zu übernehmen, reicht dem 69-Jährigen nicht. Schon wieder wird geplant, gebaut und investiert. Ab November soll im Dachgeschoss ein neuer Wellnessbereich entstehen, in den Garten kommt ein Schwimmbad. Zusätzlich ist eine Sonnenterrasse als Erweiterung des Restaurants vorgesehen. »Das wird das Haus enorm aufwerten und einen wirtschaftlichen Schub geben«, ist Dehren überzeugt. Es ist die Fortsetzung einer Geschichte, die vor 50 Jahren in einer Backstube begann. Aus dem 19-jährigen Bäcker, der neben Brot auch Eier ausfuhr und sich über zehn Pfennig Verdienst pro Stück freute, ist einer der bedeutendsten privaten Hotelunternehmer an der Mosel geworden. Heute stehen sieben Hotels und rund 800 Gästebetten für eine außergewöhnliche Unternehmerkarriere. Und der Satz seines vorsichtigen Vaters von damals? »Du führst uns noch alle in den Ruin.« Helmut Dehren kann heute darüber schmunzeln. Es kam bekanntlich ganz anders....
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