

Dabei bewegt sich Züll dieses Mal wieder abseits historischer Forschungen und Quellen. Wobei der Schritt zur Lyrik für ihn nicht zwangsläufig eine Abkehr von der Zeitgeschichte bedeutet. Schließlich sind es Gedanken, Beobachtungen und Empfindungen der Gegenwart, die sich in seinen Texten wiederfinden.
Feste Formen sucht man dabei vergebens. Gedichte, Fragmente und Fotografien stehen nicht einfach nebeneinander, sondern greifen ineinander. Zwischen Sprache, Gedanken und Bildern entstehen dabei immer wieder neue Verbindungen.
Einen sehr persönlichen Zugang zu Zülls lyrischer Gedankenwelt eröffnet Sarah Binzenbach, die das Vorwort zum Buch geschrieben hat. Sie berichtet von vielen gemeinsamen Abenden mit ihrem Freund »Andy« Züll.
Beim Lesen des Manuskripts sei sie schließlich selbst immer tiefer in Zülls »Gedankenlabyrinth« geraten. Sie begegnete dort Engeln und Biestern, Vater Rhein, gefallenen Göttern, Totentuch und Traumtänzern, der Suche nach Eden, Musen und einem anderen Leben. Die Gedichte seien vielschichtig und teilweise irritierend. Sarah Binzenbach beschreibt das Lesen des Buches als eine Entdeckungsreise durch ein »Labyrinth seiner Wörter«.
Literarisches Schreiben ist für Andreas Züll keineswegs Neuland. Der Autor studierte Geschichte und Germanistik in Trier und lebt und arbeitet heute in der Region. Bereits seit 2001 ist er literarisch und regionalhistorisch aktiv. Zu seinen Veröffentlichungen gehören unter anderem das Schauspiel »Judenkind« und der Lyrikband »sprach-los«. 2025 erschien mit »Wehrunwürdig« seine historische Arbeit über eine SS-Sonderformation.
Mit »Was die Nächte uns antun« kehrt Andreas Züll in seinem neuen Buch zu einer Ausdrucksform zurück, die ihn schon lange begleitet: der Lyrik.
Andreas Züll: »Was die Nächte uns antun«, Shaker Media, ISBN: 978-3-98903-128-9, 273 Seiten, 20,90 Euro.




