Robert Syska

Artenschutz unterm Kirchendach

Schleiden. Die Schleidener Schlosskirche beherbergt die letzte Mausohr-Wochenstube im Landkreis.

Im Dachgeschoss der Schlosskirche Schleiden lebt die letzte bekannte Wochenstube des Großen Mausohrs im Kreis Euskirchen. Die seit den 1960er-Jahren bekannte Fledermauskolonie zählt zugleich zu den wenigen verbliebenen großen Wochenstuben dieser Art im Rheinland. In diesem Jahr hat die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Euskirchen dort mit einer Infrarot-Lichtschranke gut 350 Weibchen gezählt.

Das Große Mausohr ist eine Gebäudefledermaus. Die Weibchen ziehen ihre Jungen häufig in warmen, geräumigen und ruhigen Dachstühlen auf, etwa in Kirchen, Schlössern oder historischen Gebäuden. Zur Jagd fliegen die Tiere vor allem in lichte Wälder und strukturreiche Landschaften. Dort erbeuten sie dicht über dem Boden Laufkäfer und andere Insekten.

Die Schleidener Kolonie hat eine bewegte Geschichte. In den 1990er-Jahren wurden rund 50 Mausohren gezählt, im Jahr 2000 etwa 90 und 2008 rund 160. 2009 verschwand die Kolonie plötzlich. Erst 2013 kehrten 10 bis 15 Tiere zurück. Danach wuchs der Bestand wieder: 2023 wurden rund 200 Mausohren festgestellt, 2024 etwa 230 und 2025 rund 240. Mit gut 350 Weibchen liegt die Wochenstube nun im oberen Bereich der für Nordrhein-Westfalen typischen Größen.

Aktuell halten sich rund 550 Tiere in der Schlosskirche auf. Das bedeutet, dass in diesem Jahr etwa 200 junge Mausohren flügge geworden sind. Die hohen Temperaturen der vergangenen Wochen mit mehr als 30 Grad Celsius scheinen den Tieren wenig auszumachen.

Pfarrer Thomas Schlütter freut sich über die geflügelten Untermieter. »Die Fledermäuse sind für uns keine Störung, sondern willkommene Mitbewohner unter dem Kirchendach«, sagt er. Es sei schön zu sehen, dass die Schlosskirche Schleiden einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz leisten könne.

Auch die Untere Naturschutzbehörde bewertet das Quartier als besonders wichtig. »Die Schlosskirche Schleiden ist für den Fledermausschutz im Kreis Euskirchen von herausragender Bedeutung«, sagt Boris Striffler. Dass sich die Kolonie nach ihrem Verschwinden wieder so stark entwickelt habe, sei ein gutes Zeichen und zugleich ein Auftrag, dieses Quartier weiter sorgfältig zu schützen.

Für die Beobachtung der Fledermäuse nutzt die Behörde eine Infrarot-Lichtschranke, die Fledermausforscher Karl Kugelschafter installiert hat. Sie erfasst automatisch, wann und in welcher Richtung die Tiere die Ausflugöffnungen passieren. So entstehen fortlaufend Daten zu Aktivitätsmustern, Rückkehrbewegungen und zur Nutzung des Quartiers. Diese Daten helfen, Schutzmaßnahmen besser auf die Schlosskirche abzustimmen. Denn Wochenstuben reagieren empfindlich auf Störungen, Zugluft, bauliche Veränderungen oder verschlossene Ausflugöffnungen.

Das Große Mausohr zählt zu den größten heimischen Fledermausarten und gilt in Nordrhein-Westfalen als stark gefährdet. Die Weibchen beziehen im Frühjahr ihre Wochenstuben. Landesweit gibt es davon ca. 23.