

Für Manfred Lang war der Schritt zum Kriminalroman ein bewusster Prozess. »Es ist in der Tat richtig, dass es mein erster Kriminalroman ist und da habe ich auch viel Neues gelernt«, erklärt er. Kurzkrimis für Anthologien, vor allem für die seines Freundes und Verlegers Ralf Kramp, hat er bereits früher geschrieben. Mit seinem neuen Roman sei es ihm nicht darum gegangen, auf den Zug der Eifelkrimis aufzuspringen: »Da hat mich schon der Fall gereizt, um den es geht in Schattenwölfe. Das ist eine Kriminalgeschichte, aber die spielt vor einem sehr ernsten Hintergrund«.
Die Handlung ist im Jahr 1981 angesiedelt, in der Zeit von Kaltem Krieg und RAF-Terrorismus. Im Zentrum steht ein ungewöhnliches Ermittlerduo: die junge Verwaltungsmitarbeiterin Lena Cremer und der alternde Lokalreporter Albert Neesgen, den Lang als »rustikal« beschreibt. Gemeinsam stoßen sie auf eine braune Vergangenheit, die bis in den Zweiten Weltkrieg zurückreicht. Ausgangspunkt der Geschichte ist ein Toter, der auf dem Gelände des stillgelegten Tagebaus «Virginia» am Bleiberg gefunden wird – ein Fund, dessen Umstände nicht zu einem gewöhnlichen Unfall passen wollen und Lena Cremer trotz Warnungen zum Nachforschen bewegt.
Ein zentraler Dreh- und Angelpunkt des Romans ist die Raubkunst. Lang greift dabei auf historische Fakten zurück: »Da tauchen einige Männer aus der SS-Abteilung in Mechernich auf, die im Zweiten Weltkrieg real existiert hat und für die Beseitigung von Kunstgegenständen, insbesondere von geraubten Dingen von getöteten Juden, unterwegs waren«. Diese materiellen Zeugnisse des Grauens wurden in den weitverzweigten Bergwerken unter der Stadt versteckt – ein idealer Ort, um Dinge »verschwinden zu lassen«.
Für Lang ist dieser Schauplatz mehr als nur eine Kulisse: »Dieser Mechernicher Bleiberg, wo es eine überirdische und eine unterirdische Welt gibt, ist eine Metapher dafür, dass auch bei den Menschen in der Gesellschaft finsteres Gedankengut versteckt wird und weiterlebt«. Der Autor betont die Ernsthaftigkeit seines Anliegens: »Es ist überhaupt nicht heiter, kein bisschen. Es ist eher beklemmend, was da abgeht. Genau wie die Realität beklemmend ist«. Lang hat darum auch bewusst das Jahr 1981 gewählt. Damals seien Menschen, die während der NS-Zeit Täter oder Mitwisser gewesen waren, noch mitten unter der Bevölkerung gewesen – ihre Vergangenheit stets mit ihnen.
Ralf Kramp vom KBV-Verlag sieht in Langs Werk eine besondere Bereicherung. »Der Roman schließt da eine Lücke zwischen zwei Genres. Das eine ist die historische Aufarbeitung der Eifelgeschichte. Das andere ist der Kriminalroman«, so Kramp. Das Besondere am neuen Buch ist die Mischung von Realität und Erzählung.
Lang legt großen Wert auf historische Genauigkeit: »Es gibt einen Prolog und einen Epilog. Da ist historischer Verlass drauf, was da drin steht. Das entspricht der Realität«. Die rund 300 Seiten dazwischen seien zwar Fiktion, doch die Umstände – etwa die Mechernicher Gegebenheiten oder der Skandal um die Mülldeponie – seien faktisch fundiert. »Das ist alles glaubwürdig eingebettet«, resümiert der Autor, dem mit seinem Roman eins wichtig ist: Haltung zu zeigen.
Ob eine Fortsetzung geplant ist, hängt laut Manfred Lang vor allem von der Reaktion der Leser ab. Er würde schon gerne weitermachen, wenn dem Buch der »Segen des Publikums« beschieden ist. Sein Verleger ist da optimistisch. Ralf Kramp ist überzeugt, dass die Mischung aus spannendem Krimi und regionaler Historie sehr vielen Menschen gefallen wird.
Schon einmal vormerken: Die Premierenlesung mit Manfred Lang findet am Freitag, 16. Oktober, ab 19 Uhr im Bergbaumuseum Mechernich statt.
»Schattenwölfe« ist als Taschenbuch mit 328 Seiten im KBV-Verlag erschienen und kostet 15 Euro, das E-Book ist für 12,99 Euro erhältlich.




