Frederik Scholl

Eine »Frau des Jahres« mit Haltung und Anspruch

Kreis Euskirchen. Der Margaretha-Linnery-Preis 2026 geht an Monika Lauer. Es ist eine Auszeichnung für berufliches Engagement im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit und Selbstermächtigung von Frauen und Mädchen.

Monika Lauer ist am 9. März 2026 mit dem Margaretha-Linnery-Preis als »Frau des Jahres 2026« im Kreis Euskirchen ausgezeichnet worden. Die Preisverleihung fand im Rahmen der Ausstellungseröffnung »Ikonen des Möglichen« im Foyer des Kreishauses Euskirchen statt. Der Margaretha-Linnery-Preis würdigt Frauen, die sich im beruflichen Kontext mit besonderem Engagement Geschlechtergerechtigkeit einsetzen und andere Frauen und Mädchen durch ihre Haltung und Handeln inspirieren. Er erinnert zugleich an das Wirken von Margaretha Linnery, die sich mit Mut, Haltung und Weitblick für Frauenrechte und gesellschaftliche Teilhabe stark gemacht hat. In diesem Jahr geht der Preis an Monika Lauer, die sich seit vielen Jahren beruflich wie ehrenamtlich für Frauen in schwierigen Lebenssituationen einsetzt.

Monika Lauer arbeitet als Schulsozialarbeiterin am Thomas-Esser-Kolleg in Euskirchen. In ihrer täglichen Arbeit begleitet sie besonders junge Frauen dabei, ihren eigenen Weg zu finden und ihre Rechte wahrzunehmen. Dabei bleibt ihr Engagement nicht bei Beratung stehen: Sie unterstützt ganz praktisch – bei Behördengängen, Arztterminen oder Gerichtsverfahren, bei der Wohnungssuche oder auf dem Weg in ein sicheres und selbstbestimmtes Leben. Geprägt ist ihre Arbeit dabei von einer klaren Haltung und dem Anspruch, Schülerinnen und Schülern durch professionelle Nähe da zu unterstützen und zu begleiten, wo es nötig ist. Immer wieder begegnet sie dabei verletzlichen jungen Frauen, die eine tiefe Verunsicherung in sich tragen, weil sie sexuelle Gewalt erfahren haben. Die Begleitung und Ermächtigung dieser jungen Frauen sind ein Herzensanliegen für Monika Lauer. So nutze sie auch die Veranstaltung um die Anwesenden für dieses wichtige Thema zu sensibilisieren.

Auch über ihre berufliche Tätigkeit hinaus engagiert sich Monika Lauer seit vielen Jahren für andere. Sie war unter anderem zehn Jahre im Kriseninterventionsdienst des Deutschen Roten Kreuzes tätig und brachte ihre Erfahrung bei »Frauen helfen Frauen« sowie in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ein. Zudem hat sie sich in den Bereichen Trauma-Begleitung und Unfallhilfe weitergebildet und unterstützte Menschen, die als Geflüchtete nach Deutschland gekommen sind.

»Eine Frau, die Türen öffnet«

In ihrer Laudatio würdigte Anne Decker, Sozialarbeiterin bei Wellenbrecher e.V., das Engagement der Preisträgerin: »Es braucht Menschen wie Monika, die mit Herz und Haltung durchs Leben gehen und immer wieder klarmachen, dass Menschenrechte unverhandelbar sind. Und auch das ist in ihrer Arbeit als Schulsozialarbeiterin Teil ihrer DNA. Über ihre Rolle an der Schule hinaus trägt sie die Themen der jungen Menschen nach draußen und vertritt ihre Rechte. Monika ist für mich eine der Frauen, die Türen öffnen für all diejenigen, die nach ihnen kommen.«

Die Verleihung des Margaretha-Linnery-Preises fand im Rahmen der Ausstellungseröffnung »Ikonen des Möglichen« statt. Die Ausstellung wurde bewusst im zeitlichen Kontext zum Weltfrauentag und zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus gewählt. Die Ausstellung ist noch bis zum 1. April im Foyer des Kreishauses Euskirchen zu sehen und wurde von Frauen der Kunst- und Qualifizierungswerkstatt Spectrum aus Aachen gestaltet.

Die Ausstellung der kunstvoll gefertigten Exponate eröffnet neue Perspektiven auf Macht, Würde und gesellschaftliche Rollenbilder. In großformatigen Bildteppichen werden Frauen, die oft von Mehrfachdiskriminierung betroffen sind, in die Rollen traditionell männlicher Heiliger gesetzt. Damit bricht die Ausstellung bewusst mit jahrhundertealten ikonografischen und kulturellen Bildern.

Die dargestellten Frauen sind reale Personen mit individuellen Biografien und stehen für Selbstermächtigung, Sichtbarkeit und die Möglichkeit, festgeschriebene Zuschreibungen zu überwinden. Die Ausstellung macht deutlich: Rollenbilder sind gesellschaftliche Konstrukte, die verändert werden können. »Ikonen des Möglichen« lädt dazu ein, diese Mechanismen kritisch zu hinterfragen. Die Ausstellung setzt ein starkes Zeichen für Vielfalt, Menschenwürde und Solidarität. Sie ist eine Einladung zum Dialog - über Gleichberechtigung, ausgrenzende Strukturen und über gemeinsame Verantwortung für eine offene, diskriminierungssensible Gesellschaft.