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Das Schicksal des 12-jährigen Mädchens rührte an. Die Geschichte der Flucht ihrer Familie aus Afghanistan bewegte die Schüler in der Aula des Hermann-Josef-Kollegs in Steinfeld. Geschildert wird der Tod ihres kleinen Geschwisterchens, das sterben musste, weil sich die Familie keinen Arzt leisten konnte. »Meine Mutter«, sagt die 12-Jährige, die Ärztin werden will, »ist wieder schwanger.« Dieses Mal seien aber alle zuversichtlich, dass das Kind leben wird ...
Das Titelbild der Ausstellung »Kommen. Gehen. Bleiben.« im Kreuzgang des Klosters Steinfeld zeigt die Ankunft von Flüchtlingen vor dem Kolpinghaus in Euskirchen um das Jahr 1956.
Einer der wohl bekanntesten Eifel-Emigranten ist Gustave Eiffel, Erbauer des Eiffelturms in Paris. Seine Familie stammt aus Marmagen.
Dr. Gabriele Rünger gab einen Einblick in die Geschichte der Migration.
Schulleiter Heinrich Latz berichtete von einem jungen amerikanischen Soldaten, dessen Vorfahren vor dem Hungertod aus der Eifel nach Amerika geflohen waren.
Aufmerksame Schüler bei der offiziellen Eröffnung der Ausstellung. Repros und Fotos: Michael Nielen
Persönlich war auch die Geschichte des Schulleiters Heinrich Latz, der sich daran erinnerte, wie eines Tages ein junger amerikanischer Soldat vor dem Haus seiner Eltern stand. Wie sich herausstellte, handelte es sich um Verwandtschaft aus Amerika. Der junge Mann war der Nachfahre einer der unzähligen Eifeler, die im 19. Jahrhundert nach Amerika auswanderten. Diese Menschen waren im heutigen Sinne Wirtschaftsflüchtlinge. Sie suchten nicht wegen Krieg oder Verfolgung in Amerika eine neue Heimat, sondern sie flüchteten vor dem Hungertod. Beide Geschichten hätten auch in die Ausstellung »Kommen. Gehen. Bleiben.« gepasst, die derzeit im Kreuzgang des Klosters Steinfeld zu sehen ist.
Migration im Kreis Euskirchen
In dieser Ausstellung wird die Geschichte der Migration im heutigen Kreis Euskirchen thematisiert. »Als der Geschichtsverein des Kreises Euskirchen die Ausstellung 2012 konzipierte, konnten wir mit der aktuellen Situation mit den Flüchtlingen aus Syrien oder Afrika gar nicht rechnen«, sagt Dr. Gabriele Rünger, Leiterin der Ausstellung und Mitglied im Geschichtsverein Euskirchen. Allerdings weise die Geschichte der Migration immer wieder Parallelen mit der heutigen Situation auf. »Und daher«, sagt Dr. Gabriele Rünger, »bin ich froh, dass das Hermann-Josef-Kolleg die erste Schule im Kreis Euskirchen ist, welche die Ausstellung präsentiert.« Denn aus der Geschichte könnten nicht nur die Schüler lernen.
Schicksale
Der Zeitraum, den die Historiker beleuchtet haben, ist lang. Er reicht von der Römerzeit über prominente Zeitgenossen wie Gustave Eiffel bis hin zu den heutigen Asylunterkünften. Auf Roll Ups und darstellenden Postern werden teils sehr spannende Geschichten erzählt, die auch nachdenklich stimmen. Sie zeigen: Die Geschichte von Flucht, Vertreibung und Migration ist so alt wie die Menschheit. Ein Beispiel ist die Lebensgeschichte von Gertrud Göbel aus Freilingen. Ihr gelang in Amerika die sprichwörtliche Karriere von der Tellerwäscherin bis zur Millionärin, um dann letztendlich Nonne zu werden.
Kommen. Gehen. Bleiben.
Dank der ersten Zusammenarbeit zwischen dem Geschichtsverein des Kreises Euskirchen mit dem Gymnasium Hermann-Josef-Kolleg und dem Kloster Steinfeld wird eine repräsentative Auswahl der Ausstellung zur Geschichte der Migration im heutigen Kreis Euskirchen unter dem Titel »Kommen. Gehen. Bleiben.« bis zum 26. Februar im Kreuzgang des Klosters präsentiert. Der Ausstellungskatalog mit der ISBN: 978-3-944566-46-7 ist im Buchhandel, beim Verlag Rolf Liebe in Weilerswist, sowie während der Ausstellung im Klostercafé erhältlich.
Kommentar
von Michael NielenSu simmer all he hinjekumme
In den Karnevalsveranstaltungen der Region wird ein Evergreen der Bläck Föös mit Inbrunst gesungen. Bei dem Lied »Unsere Stammbaum« lohnt es sich, auf den Text zu achten. Er erzählt von Migration und Integration, die es seit Bestehen der Menschheit gegeben hat. Vielleicht sollten auch die Zeitgenossen über den Liedtext nachdenken, die zurzeit die sozialen Netzwerke fluten und mit markigen Worten ihr vermeintliches Deutschsein zu manifestieren suchen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass in ihrem Stammbaum Ahnen auftauchen, die mit Caesars Legion oder Napoleon ins Land kamen, blieben und Teil der Gesellschaft wurden. mnielen@weiss-verlag.de