Frederik Scholl

Hochwasserschutz in Bad Münstereifel wird konkret / Stadtrat beschließt Schutzkonzept

Bad Münstereifel. Rückhaltebecken, Schutzwälle und weitere Maßnahmen sollen die Folgen künftiger Hochwasserereignisse in Bad Münstereifel deutlich verringern.

Bei Gilsdorf soll eines der geplanten Hochwasserrückhaltebecken gebaut werden. Dort fließt der Eschweiler Bach in Richtung Erft.

Bei Gilsdorf soll eines der geplanten Hochwasserrückhaltebecken gebaut werden. Dort fließt der Eschweiler Bach in Richtung Erft.

Bild: Nielen

Fast fünf Jahre nach der verheerenden Flutkatastrophe hat der Bad Münstereifeler Stadtrat eine richtungsweisende Entscheidung für den künftigen Hochwasserschutz getroffen. Mit dem Beschluss des kommunalen Hochwasserschutzkonzepts sollen die Folgen künftiger Hochwasser- und Starkregenereignisse deutlich reduziert werden. Insgesamt 20 Maßnahmen sind vorgesehen, die vor allem die 2021 besonders schwer getroffenen Orte Arloff-Kirspenich, Bad Münstereifel, Eicherscheid, Gilsdorf, Iversheim und Schönau besser schützen sollen.

Grundlage des Konzepts sind die Erfahrungen aus der Flutkatastrophe, Hinweise aus der Bevölkerung sowie umfangreiche Untersuchungen der Okeanos Smart Data Solutions GmbH, die das Hochwasserschutzkonzept erstellt hat. Im Mittelpunkt stehen zahlreiche Hochwasser- und Regenrückhaltebecken, die im Ernstfall große Wassermengen aufnehmen können. Da die Becken nicht im Dauerstau betrieben werden, sei weiterhin eine land- und forstwirtschaftliche Nutzung der Flächen möglich Ergänzt werden diese Maßnahmen durch Schutzwälle, zusätzliche Retentionsflächen und Maßnahmen zur Verbesserung des Wasserabflusses in Gewässern. Insgesamt soll dadurch ein Rückhaltevolumen von bis zu 500.000 Kubikmetern geschaffen werden.

Die Maßnahmen wurden für das gesamte Einzugsgebiet der Erft in drei Teilbereiche gegliedert und nach Prioritäten geordnet. Der erste Bereich umfasst die Erft und ihre Nebengewässer oberhalb des bestehenden Hochwasserrückhaltebeckens Eicherscheid. Der zweite Bereich erstreckt sich von dort bis zur Einmündung des Eschweiler Bachs. Im dritten Bereich werden der Eschweiler Bach sowie die Erft ab Iversheim betrachtet. Dabei sollen die Vorhaben in allen Bereichen parallel umgesetzt werden, um möglichst schnell erste Schutzwirkungen zu erzielen. »Nur die Gesamtheit der Maßnahmen wird den gewünschten Schutz bewirken«, sagt Ralf Wassong, technischer Leiter der Stadtwerke. Gemeinsam mit Sachgebietsleiter Jürgen Metzen hat er die Erstellung des Hochwasserschutzkonzepts seitens der Stadt maßgeblich begleitet.

Bürgermeister Sebastian Glatzel bezeichnet den Ratsbeschluss als wichtigen Schritt für die Stadt. »Ich bin sehr froh, dass wir diesen wichtigen Schritt jetzt gegangen sind. In dem Konzept stecken mehr als zweieinhalb Jahre Arbeit«, sagt Glatzel. Während größere Bauwerke noch langwierige Genehmigungs- und Bauverfahren durchlaufen müssen, sollen Maßnahmen mit geringerem Planungsaufwand bereits in den kommenden zwei bis drei Jahren umgesetzt werden. Für einige Maßnahmen muss die Stadt noch die benötigten Flächen erwerben. »Die Gespräche, die die Stadt bisher geführt hat, stimmen uns optimistisch«, so der Bürgermeister.

Ausgelegt sind die Vorhaben auf Hochwasserereignisse, die statistisch einmal in 100 Jahren auftreten. Dadurch sollen Schäden künftig deutlich reduziert oder vielerorts sogar ganz vermieden werden. Einen vollständigen Schutz vor Extremereignissen wie der Flut von 2021 könne es jedoch nicht geben. »2021 lag das Hochwasser bei weitem über einem HQ100«, erklärt Glatzel: »Davor ist ein vollständiger Schutz technisch schlichtweg nicht machbar. Aber auch hier können die Folgen durch die Maßnahmen reduziert werden.«

Die Finanzierung der Vorhaben gilt als gesichert. Das Land Nordrhein-Westfalen hat der Stadt bereits rund 18,7 Millionen Euro Fördermittel für 17 Maßnahmen aus dem Wiederaufbauprogramm zugesagt. Inzwischen wurde das Konzept um drei weitere Maßnahmen ergänzt, für die ebenfalls Fördermittel in Aussicht stehen.

Neben den städtischen Projekten plant auch der Erftverband weitere Schutzmaßnahmen. So soll ebenfalls am Eschweiler Bach das Hochwasserrückhaltebecken »Möschemer Mühle« entstehen, das nach ersten Planungen bis zu 400.000 Kubikmeter Wasser aufnehmen könnte. Ergänzt wird der Hochwasserschutz durch das seit 2025 bestehende Frühwarnsystem der Stadt mit 13 digitalen Messpegeln. »Neben den kommunalen Maßnahmen sollten Hauseigentümer aber auch den privaten Hochwasserschutz nicht vernachlässigen«, appelliert Bürgermeister Sebastian Glatzel an die Eigenverantwortung der Bürger.