

In Sistig braut sich etwas zusammen: In der Mainacht hat das Ehepaar Nadja und Sandro Hammermüller die Bevölkerung mit einer doppelten Überraschung verblüfft: einem eigenen Dorfbier und dem Sistiger Spezial-Likör »Tante Emma«.
Sistig (mn). Was als »Schnapsidee« begann, soll den Zusammenhalt stärken und die regionale Identität des Eifeldorfes fördern - und da sind die Hammermüllers tatsächlich selbst ein wichtiger Faktor. Seit Ende 2023 betreiben sie das »Sistiger Lädchen« in der Kaller Str. 10-12 und bewahrten so den Dorfladen vor der endgültigen Schließung.
Mit einem Plakat, auf dem zwei Schatzkisten zu sehen sind, hatte Sandro Hammermüller die Dorfbevölkerung schon im Vorfeld neugierig gemacht. Das Geheimnis selbst blieb bis in die Mainacht gewahrt. In der Nacht auf Freitag, 1. Mai, wurde das Rätsel beim Maigeloog gelüftet. Nur wenige Eingeweihte wussten bis dahin über die neuen Flüssigkeiten Bescheid.
Die Idee eines eigenen Bieres für Sistig ist nicht gänzlich neu. Beim Vorgänger gab es das sogenannte »Ladebier«, das jedoch irgendwann eingestellt wurde. Sandro Hammermüller wollte diese Tradition nun unter neuem Namen wiederbeleben. »Mein Gedanke war, es nicht auf den Laden zu beziehen, sondern aufs Dorf«, erklärt er. Es gehe um die Dorfgemeinschaft und den Zusammenhalt, nicht allein um das Geschäft.
Das Bier wird in der Gemünder Brauerei nach einer für Sistig leicht veränderten Rezeptur gebraut. Kein Massenprodukt für Großveranstaltungen, sondern etwas für besondere Momente im Dorfleben. »Ich denke mal, bei Festen wie dem 1. Mai, beim Baumaufstellen oder für Präsentkörbe als Mitbringsel aus der Eifel und natürlich für den Genuss daheim ist das Bier prima«, sagt Hammermüller. Erhältlich ist das Bier kastenweise im Sistiger Lädchen – 38 Kisten werden pro Brauvorgang abgefüllt, eine Kiste kostet rund 17,99 Euro.
Neben dem Bier sorgt ein zweites Produkt für Gesprächsstoff: der Kräuterlikör »Tante Emma«. Angeregt durch einen Arbeitskollegen aus dem Weinhandel, entschied sich Hammermüller, einen Likör nordfriesischer Herkunft mit einem eigenen Sistiger Etikett zu versehen. Die Rezeptur ist klassisch: »Das ist Likör nach altem Rezept mit Kräutern, Pomeranzen und Rum«, beschreibt Hammermüller das Getränk. Mit 38 Prozent Alkoholgehalt ist »Tante Emma« durchaus kräftig – und der Name Programm: So hießen früher jene kleinen Läden, die das Herz eines Dorfes bildeten. Eine Flasche des Sistiger Spezial-Likörs ist für 15,90 Euro erhältlich.
Die ersten Entwürfe für die Etiketten von Bier und Likör entstanden mithilfe von KI, Verena Lenzen-Glorius von vlgdesign brachte sie dann zur Endfassung. Auf dem Label prangt dabei die markante Silhouette der Sistiger Kirche.
Das Projekt stieß schon im Vorfeld auf Begeisterung. Sistigs Ortsvorsteher Brian Linden sieht in den neuen Produkten ein wichtiges Signal für die gesamte Region: »Die Leute finden es schön, wenn etwas regional ist - und wenn jemand vor Ort etwas anbietet, das diese Regionalität hat, dann ist das toll.« Linden gehörte zu den wenigen, die eingeweiht waren.
Auch Kalls Bürgermeister Emmanuel Kunz begrüßt die Initiative. »Es ist natürlich super, wenn ein Dorf sein eigenes Bier hat – das Projekt ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal.« Das Angebot passe in den Trend, der weg von großen Marken hin zu authentischen, lokalen Produkten führt.
Hammermüller zeigt sich zufrieden mit der Entwicklung des Lädchens. Man konnte unter anderem in eine neue Kühlanlage und in diesem Jahr in eine Klimaanlage investieren. Älteren Menschen, die ihre Waren telefonisch bestellen, liefert er kostenlos die Waren an - macht das nicht auch die Identität eines Dorfes aus ...


